Allgemeine Berichte | 08.07.2022

Krimi-Autor Jacques Berndorf hatte Kottenheimer Wurzeln

Nachruf auf Autor der Eifelkrimis

Vor zwanzig Jahren suchte er das Haus,
wo er bei der Oma gewohnt hatte, vergebens

Kottenheim. Michael Preute, alias Jacques Berndorf, wurde am 22.10.1936 in Duisburg geboren; seine Mutter Anneliese Lung, war eine gebürtige Kottenheimerin. Es ist hinreichend bekannt, dass Preute als Journalist viel unterwegs war und nicht nur die „heile Welt“ kennen lernte; wohl mit ein Grund, weshalb Preute Alkoholprobleme bekam. Anfang der 1980er Jahre sollte er im Auftrag des „Spiegel“ in der Eifelregion recherchieren und er entschied sich, zunächst einmal Kottenheim zu besuchen, wo er 1944 als Siebenjähriger eine Zeit lang bei seiner Oma Katharina Lung, geb. Pickel, lebte. Die Eifel hatte es ihm fortan angetan und er siedelte sich in dem kleinen Dorf Berndorf an. Unter dem Aliasnamen „Jacques Berndorf“ hatte er zunehmend große Auflagenerfolge als Kriminalschriftsteller mit Tatorten aus der Eifel.

Selbstverständlich wurde für seine häufigen Autorenlesungen auch Kottenheim ausgewählt. Im Vorfeld des Besuches 2002 hatte man sich im Ort vorbereitet. Aus Mitgliedern des Gemeinderates, verstärkt durch mehrere älteren Ortskundige, hatte man eine Art Suchtrupp gebildet, der anhand der Erinnerungen des Autors das Wohnhaus der Oma ausfindig zu machen sollte. Der Empfang Berndorfs hatte so „einen Hauch von Staatsbesuch“, wie die örtliche Presse schrieb. Verständlich, denn „…schließlich dürfte Berndorf der zurzeit der prominenteste Mensch sein, der über einen längeren Zeitraum im Ort gelebt hat“, wähnte jedenfalls der damalige Ortsbürgermeister Toni Schüller in seiner Begrüßungsrede. Der Dorfrundgang auf der Suche nach besagtem Haus der Oma endete ergebnislos. Nach Preutes Erinnerung war da ein Torbogen, durch den man u. a. den Kirchturm sehen konnte. Also zog die Delegation in die Antoniusstraße, wo ein solcher Torbogen existierte, doch wo war dann der Kirchturm zu sehen? „Ja – nein – weiß nicht – ich glaube nicht“, so die zögerlichen Äußerungen des Protagonisten. Selbst dann, wenn er seinen Romankriminalisten „Siggi Baumeister“ auf die Sache angesetzt hätte, wäre auch dieser vermutlich mit dem Haus nicht fündig geworden, es sei denn, dieser hätte den Heimatkundler Günter Kugel befragt. Dieser wusste später in einem Gespräch auf Anhieb, ja wie „aus der Pistole geschossen“, wo dieses Haus der Katharina Lung einst gestanden hatte. Es war das niedergelegte, ehemalige „Grittchjes Anwesen“ in der Hausener Straße, da, wo seit 1986 der Kottenheimer Supermarkt entstanden ist. Der Vorlesungsabend im vollen Bürgerhaus war ein voller Erfolg. Als Preute dabei u. a. von seinem hiesigen Aufenthalt 1944 erzählte, schloss er diese mit „…den Worten ab: „Kottenheim ist ein gutes Dorf, weil hier Gemeinschaftsgeist und ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl spürbar sind. Seien Sie froh, dass Sie Kottenheim haben, es gab Zeiten, da hätte ich auch gerne ein Kottenheim gehabt“, so die „Mayener Stadtzeitung“. Michael Preute ist am 3.7.2022, im Alter von 85 Jahren, in seinem Eifelwohnort verstorben.

Franz G. Bell

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