Traditionelles Verhaften der Großen Erpeler Karnevalsgesellschaft 1905 e.V.
Närrische Justiz in der Herrlichkeit Erpel
Erpel. Seit über 60 Jahren herrscht in der alten und freien Herrlichkeit am Samstag vor dem Großen Karnevalszug die närrische Gerichtsbarkeit – und auch am Samstag, 14.02.2026, blieb kein Auge trocken und kein Schunkelbein still.
Ab 13:00 Uhr waren die Uniformierten der Großen Erpeler Karnevalsgesellschaft 1905 e.V. (GEK) im Ort unterwegs. Stadtsoldaten, Ehrengarde, Elferrat und Prinzenteam kontrollierten mit wachem Blick Straßen, Häuser – und natürlich die Erpeler Bevölkerung. Wer gegen die närrische Ordnung verstoßen hatte, wurde kurzerhand „verhaftet“.
Das Hohe Gericht tagte traditionell im Verhaftungslokal, Gaststätte „Om Maat“. Dort leitete Richter Dieter Beschoner mit närrischer Strenge die Verhandlungen. Unterstützt wurde er von den Staatsanwälten Uwe Kochems und Andreas Schwager sowie den Verteidigern Jörg Buchmüller und Uwe Kochems. Der Gerichtssaal war zwischenzeitlich rappelvoll, die Stimmung hervorragend – und die Wortgefechte zwischen Staatsanwaltschaft und Verteidigung sorgten für zahlreiche Lacher.
Unter den Angeklagten fanden sich in diesem Jahr zahlreiche Kommunalpolitiker: Jürgen Schmied (Landtagskandidat Rheinland-Pfalz), Philipp Rasbach (1. Beigeordneter Kreis Neuwied), Jan Ermtraud (Verbandsgemeindebürgermeister VG Bad Hönningen), Markus Fischer (1. Beigeordneter VG Unkel), Günter Hirzmann (Ortsbürgermeister Erpel) sowie Stefan Heinrichs (Ortsbürgermeister Bruchhausen) mussten sich der närrischen Justiz stellen.
Doch auch Erpeler Vereine wie der FV Rot-Weiß Erpel, das Tambour Corps Erpel oder der Bürgerverein Orsberg gerieten ins Visier – ebenso Abordnungen befreundeter Karnevalsvereine, darunter die KG Unkel und die KG Me haalen et us Rheinbreitbach. Und selbstverständlich traf es auch viele Bürgerinnen und Bürger Erpels.
Das Hohe Gericht war bestens vorbereitet. Bereits im Vorfeld waren Vorladungen ausgestellt worden. Auch die Fußtruppen führten Delinquenten bei schwerwiegenden Vergehen direkt vor den Richterstuhl – teilweise stilecht im Gefängniswagen - hinter Gittern - oder in der „Jecken Minna“. Dem Gericht vorgeführt, bekamen sie von Richter Beschoner kreative Strafen zugunsten der Gesellschaft und der Ortsgemeinde verhängt – doch wie es gute Tradition ist, konnten sich die Verurteilten nach dem Schuldspruch durch ein angemessenes „Schmiergeld“ freikaufen.
Am Ende blieb vor allem eines: ein zum Bersten gefülltes Verhaftungslokal und ein gelungener Auftakt für die närrische Hochsaison in der Herrlichkeit Erpel.
Das Hohe Gericht. Foto: Daniela Simon
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