Mit dem BUND unterwegs rund um die Hohe Acht
Nebel nahm Sicht auf den Kölner Dom
Adenau. BUND-Vorsitzender Reinhard van Ooyen konnte 25 Wanderer begrüßen, die sich die Tour um die Hohe Acht trotz angekündigter Regenschauer nicht entgehen lassen wollten. Exkursionsleiter Winfried Sander bot am Waldparkplatz unterhalb des höchsten Gipfels der Eifel den Einstieg für das, was sich in der neueren Vergangenheit an Planungen zur (touristischen) Erschließung im Umfeld der Hohen Acht entwickelt hat: vor geraumer Zeit die verworfenen Überlegungen zum Aufbau von Windrädern, die die Hohe Acht mit ihren fast 747 Metern und das Naturschutzgebiet überragt hätten. Dafür liegen immer noch Planungen in der Schublade für einen Waldwipfelpfad mit angedachten Ergänzungen, zum Beispiel eine etwa 400 Meter lange Hängeseilbrücke über das obere Ex-Bachtal.
Die Bezeichnung „Hohe Acht“ hat nichts mit der Zahl wegen des annähernd 800 Meter hohen und etwa 33 Millionen Jahre alten Vulkangipfels zu tun. Der Begriff hängt dafür mit dem Verb „achten“ im Sinne von Schauen zusammen, also von ganz oben hinunterschauen, wie manche Teilnehmer erstaunt feststellen konnten.
Ähnlich verhält es sich mit dem im Volksmund fälschlicherweise gerne angenommen ehemaligen „Munitionslager“ zwischen Hoher Acht und Lützelacht. Nach Informationen des Militärhistorikers Wolfgang Gückelhorn aus Bad Breisig handelte es sich hier um einen ehemaligen Mobilmachungsstützpunkt einer Reservelazarettgruppe der Bundeswehr, der in den 1990er-Jahren aufgelöst wurde. Einzig erkennbare Reste der Anlage sind eine Vielzahl aufgeworfener Erdhügel und eine Steinrampe zum Be- und Entladen von Fahrzeugen.
Von der Waldarbeitersiedlung zum Truppenübungsplatz
Die Lützelacht (lütte = klein) ist ein „Nebenvulkan“ der Hohen Acht. In dem ehemals existierenden Basaltsteinbruch wurde Material gewonnen für das Packlager der berühmten Steilstrecke am Nürburgring. Ein kleiner Bergsee hat sich im aufgegeben Abbaugebiet gebildet und ist gut mit Wasser gefüllt mit einem hellgrünen Überzug von Wasserlinsen. Sie besitzen die Fähigkeit, Stickstoff und Mineralien aus Stehgewässern zu binden, behindern aber zugleich den Sauerstoffaustausch. Vorbei ging es an der ehemaligen Waldarbeitersiedlung Hochacht. Von dort bis nach Ahrbrück reichte seit 1937 der Evakuierungsbereich, um einem Truppenübungsplatz für die Kriegsvorbereitungen Raum zu schaffen. Aus den Hinweisen von Gückelhorn konnte Sander auch die prospektierte Abschussrampe von 1944 für die sogenannte „V1“ in der Nähe der Siedlung lokalisieren. Die „Wunderwaffe“ sollte Hitler zuletzt noch den Krieg retten – die Rampe wurde aber zumindest in der Eifel nicht mehr realisiert.
Wegkreuze und ihre vorchristlichen Wurzeln
So sicher, wie jeder Wanderer „Müllers Kreuz“ mit der Jahresmarkierung 1719 im Basaltstein kennt, so unsicher ist Sinn und Zweck der Anlage. Häufig waren Feldkreuze seit dem Mittelalter Mahnmal für Menschen, die durch Unfall oder Mord und Totschlag ums Leben gekommen waren und die daher nicht die letzte Ölung erhielten. Damit war nach (damaliger) christlicher Auffassung für sie der direkte Weg ins Paradies verwehrt. Fürbitten der Vorübergehenden sollten dem Getöteten auf dem Weg helfen und zugleich ihnen selbst eine Belohnung für ihre Barmherzigkeit verschaffen.
Allerdings waren schon in römischer Zeit solche Wegmarkierungen an Wegkreuzungen zu finden, denn nach vorchristlichem Verständnis lauerte an solchen Weggabelungen das Böse: „Es galt, den richtigen Weg zu finden und die Götter darum anzurufen“, wusste Sander zu berichten. Er selbst fand den Weg zur nächsten Station ohne Probleme. Thema war vorher allerdings auch das Aufstellen von Abfallgefäßen im Wald, die an dieser Stelle von Müll überquollen und nach Auffassung der Teilnehmer der Exkursion nicht dorthin gehörten. Jeder solle das, was er mitbringt, auch wieder mit nach Hause nehmen.
Im Quellmuldenbereich des Exbachs wurde die besondere Schutzwürdigkeit von Quellbereichen thematisiert: Ganzjährig weitgehend gleiche niedrige Temperatur (hier gemessen bei etwa acht Grad Celsius) bei hohem Sauerstoffgehalt lässt besondere Elemente von Fauna und Flora gedeihen, die an anderen Abschnitten eines Gewässers nicht (mehr) zu finden sind. In diesem Quellmuldenbereich fanden die Teilnehmer der Exkursion auch viele Gesteinsbrocken, die aufgrund ihrer Farbe als eisenhaltig identifiziert wurden, ein Hinweis auf die ehemalige Erzabbautätigkeit in der Eifel.
Vorbei an einer Baumgruppe mit drei getrennt stehenden Fichten, die letztlich ein einziges Kronendach bildeten, führte der Weg durch eine ehemalige Windwurffläche zur Hohen Acht. Nach vorherigen Betrachtungen zur Waldwirtschaft war erneut Möglichkeit zu Aussagen zur Wiederaufforstung, die nach Mitteilung des Forstamtes in Adenau zunächst der natürlichen Naturverjüngung (Sukzession) überlassen bleibt. Aus ökologischer Sicht entsteht so ein durchsetzungsfähiger und lokal angepasster Mischwald, dessen weiterer Aufwuchs durch Auslichtung gefördert wird und insgesamt weniger verbissanfällig durch Wild ist.
Die Eifel - ein geologischer Hotspot
Der Gipfelstein (746,90 Meter) hinter dem Turm auf der Hohen Acht führte zur Diskussion zu „Normalnull“ und den unterschiedlichen Bezugspunkten auf der Erde. Zudem ist der besondere Vulkanismus in der gesamten Eifel und seine Entstehung im Sinne der Hotspot-Theorie immer eine Betrachtung wert: Weltweit gibt es etwa 50 solcher vulkanischer Hotspots, einer in Mitteleuropa unter der Eifel, der insgesamt bisher etwa 350 Vulkane in vielen Millionen Jahren „produzierte“.
Nach einem heftigen Regenschauer und relativ hohen Temperaturen sahen die Teilnehmer vom Kaiser-Wilhelm-Turm auf der Hohen Acht zwar sehr schöne Bilder von aufsteigenden Nebelschwaden, aber der Blick zum Kölner Dom blieb deswegen verwehrt.
Van Ooyen bedankte sich für die gelungene Exkursion mit der hohen Dichte an Informationen über den Natur- und Kulturraum der Eifel als Teil der ehemaligen römischen Provinz Arduenna Silva, des Hohen Waldes.
