Dritte Phase der Intensiv-Sprachkurse in Dieblich beendet, Zertifikate überreicht
Neue Schritte gehen – nach dem Sprachkurs ist vor dem Sprachkurs
Dieblich. Die Intensiv-Sprachkurse für Flüchtlinge an der Untermosel, die das Dekanat Maifeld-Untermosel in Zusammenarbeit mit dem Internationalen Bund, IB, organisierte, wurden mit der Überreichung der Zertifikate des IB beendet. Mit dem Schuljahr beginnt für viele Flüchtlinge ebenfalls etwas Neues. Als im Oktober 2015 die Bundesagentur für Arbeit Gelder für Sprachkurse für Flüchtlinge zur Verfügung stellte, konnte niemand ahnen, wie intensiv und effektiv dies gestaltet werden kann. Der Start war dann Mitte November etwas holprig, Erfahrungen wurden gesammelt und die Organisation stetig verbessert. Endlich stellte sich der Lernort Dieblich als bestens geeignet heraus und in Zusammenarbeit mit der Ortsgemeinde, der Kirchengemeinde und der Verbandsgemeinde konnten drei Kurse installiert werden: der Grüne Kurs für Analphabeten im Pfarrheim, der blaue Kurs für Anfänger im Rathaus und der Rote Kurs für Fortgeschrittene im Hotel Burghof. Als Ende März die Gelder der Bundesagentur ausliefen, beschloss man, die Kurse weiter zu führen und mittels Anträgen und Spendenwerbung selbst zu finanzieren. Ständig waren über 70 geflüchtete Menschen in den verschiedenen Kursen über Monate hinweg in Deutsch unterrichtet worden. Das Dekanat blieb der Devise treu: Sprachkurse für alle ohne Berücksichtigung der Nationalität, der Bleibeperspektive oder des Aufenthaltsstatus. „Es ist einfach nur fair und gerecht, allen ein Angebot zu machen und niemanden auszuschließen. Schließlich ist Bildung ein Schlüssel zu einem würdigen Leben“, meint Werner Huffer-Kilian, Pastoralreferent und zuständig für die Arbeit mit Flüchtlingen im Dekanat. Es waren viele Nationen vertreten. Hauptsächlich Menschen aus Syrien und Afghanistan, dann auch aus Somalia, Iran und Eritrea. Flüchtlinge aus Armenien, Aserbaidschan und Tschetschenien waren ebenfalls dabei. Etwa zwei Drittel Männer verschiedener Altersgruppen und ein Drittel Frauen konnten die Kurse besuchen. Diese bunte Mischung war eine Quelle der Freude und des Lachens, aber auch der Missverständnisse und von Konflikten. Es zeigte sich, wie wichtig neben dem Spracherwerb auch der interkulturelle Dialog ist, um sich gegenseitig kennen und etwas von der Kultur des jeweils anderen verstehen zu lernen. „Die Kurse haben sich bewährt. Schülerinnen und Schüler, die bei uns waren, sind später in die Integrationskurse gegangen und konnten dort auf einem deutlich höheren Level antreten. Die Zeit bei uns war ein Erfolg, und das erfüllt mich schon mit ein wenig Stolz“, sagt Monika Sayk, Lehrerin und Mit-Verantwortliche in Dieblich. Für die studentischen Lehrkräfte war es ein gutes Lernfeld sowohl inhaltlicher wie pädagogischer Art – wer hat schon so eine Praxis direkt neben dem Studium? „Ich bin platt von der hohen Spendenbereitschaft unserer Mitmenschen“, ist Eva Pfitzner, Mitglied in der Fachkonferenz Asyl des Dekanates überrascht. Die Kurse konnten mittels Spenden, zweier Konzerte in Dieblich, einem Beitrag der Lotto-Stiftung, des Pfarrfestes Kobern und der Firma BOMAG sowie einem Zuschuss der Kreisverwaltung aus deren Flüchtlingskonzeption finanziert werden.
Wie geht es nun weiter?
28 junge geflüchtete Menschen gehen mit dem neuen Schuljahr in das Berufsvorbereitungsjahr der Carl Benz Schule in Koblenz, 25 ältere Menschen sind angemeldet für die Integrationskurse, zu denen sie eine Berechtigung haben – und leider müssen sie nun warten bis die Kurse starten. „Das Warten ist echt schwer. Wir haben so viel gelernt und wollen weiter lernen. Aber jetzt geht das nicht. Ich will nicht so lange warten“, hofft Mustafa aus Afghanistan.
Die Motivation ist hoch, aber die Angebote sind leider begrenzt und oft fehlen die Mittel. Seit Montag, läuft ein neuer Willkommenssprachkurs für Anfänger/innen im Rathaussaal in Dieblich. Geplant sind zwei weitere Kurse ab Ende September, eine Mischung aus Sprachkurs und „Wege ins Berufsleben“ für die Zielgruppe Ältere. Sie haben es oft mit dem Erlernen der neuen Sprache schwer und brauchen eine Qualifizierung für den deutschen Arbeitsmarkt. Dazu sollen diese Kurse einen Beitrag leisten.
Die Willkommenskultur lebt. Die drei Intensiv-Sprachkurse über den Zeitraum fast eines ganzen Jahres zeugen davon.
