Ein Blick in die Heimatgeschichte
Neues vom Laacher See
Maria Laach/Wehr. War das Gebiet am bzw. um den Laacher See bereits im Neolithikum besiedelt? Angesichts des auch heutzutage noch zum Ansiedeln geradezu einladenden Ambientes scheint sich diese Frage zu erübrigen, denn Spuren vor der Gründung der Abtei Maria Laach sind bereits aus keltischer, in größerem Umfang jedoch aus der Zeit römischer Anwesenheit während einiger Jahrhunderte bekannt. (Der Autor hatte bereits in „Blick aktuell“ über die Wahrscheinlichkeit einer römischen Staatsdomäne am See berichtet)
Allerdings ist über eine Besiedelung vor dieser Zeitstellung nichts bekannt geworden, denn es fehlte bislang an stichhaltigen Hinweisen und Befunden. Entdeckungen im Laufe der letzten Jahre im Laacher Umfeld lassen allerdings darauf schließen, dass eine Besiedelung bereits im Neolithikum (Jungsteinzeit) stattgefunden hatte. Ausschlaggebend für diese Hypothese waren in erster Linie drei Fundereignisse: Während mehrerer Jahre veranstaltete die Uni Jena jeweils im August unter der Leitung von Professor Dr. Georg Büchel Projektionskampagnen auf dem südlichen Ufergelände des Laacher Sees. Beim Anlegen eines Suchschachtes von ca. 80 Zentimetern Tiefe nahe HP 291 Meter ü. NN fand sich auf dem trennenden Horizont zweier gleich hoher Erdschichten ein dunkler Keramikscherben mit sehr grober Magerung. Professor Büchel ist noch im Besitz des Fundes. Nach Auskunft der Denkmalpflegebehörde war dieses Fundobjekt in die Jungsteinzeit, spätestens in die frühe Bronzezeit zu datieren. Während der Kampagne im Jahr 2016 wurde erneut ein Suchschacht, dieses Mal ca. 250 Meter westlich vom ersten Fundort angelegt. Auch hier zeigte sich wieder das gleiche Bild der Schichtfolge: Wie auf einem Foto des Autors, der zu dem einen oder anderen Treffen von Professor Büchel eingeladen worden war, angedeutet, barg Büchel genau auf dem trennenden Horizont eine etwa 1,5 Zentimeter starke irdene Konkretion von knallroter Farbe (heute noch in seinem Besitz). Dabei konnte es sich nur um „Rotocker“, auch „Rötel“ genannt, handeln, der stark eisenhaltig bei der Bestattung zur Jungsteinzeit der Grablegung beigegeben wurde, wahrscheinlich aus rituellem Anlass. Der chemische Name lautet auch Hämatit. Büchel informierte auch darüber, dass er rund200 Meter westlich des Schachtes bei HP 270 Meter ü. NN unzweifelhaft eine ehemalige „Schilfuferzone“ projektiert habe. Soweit die Indizien innerhalb der Laacher Caldera, die ein durchaus zusammenhängendes Bild vermitteln.
Fund bei Wehr
Außerhalb des Laacher Kessels, unten am ausstreichenden Hang des „Wehrer Breitel“, kam es in den vergangenen Jahren zu einem spektakulären Lesefund in Form einer ca. 5,5 mal 3,5 Zentimeter messenden Partie von versteinertem Holz, deren auffällig glatte Stirnenden eine zarte rötliche Färbung erkennen ließen. Bestimmt war der Fund durch Tiefpflügen auf die Ackeroberfläche gelangt. Nach der Meldung und Vorstellung des versteinerten Holzobjektes beim Amt für Denkmalpflege wurde dessen Originalität nicht in Zweifel gezogen. Die geglätteten rötlichen Enden könnten darauf schließen lassen, dass mit Hilfe dieses „Werkzeugs“ Rötel zerdrückt bzw. zerrieben worden war. Leider muss weiterhin ungeklärt bleiben, ob die „Fossilisierung“ des Holzes vor oder nach dem Gebrauch erfolgte. Fest steht aber, dass es seit jeher im Laacher Umfeld zu umfangreichen fossilen Holzfunden gekommen war.
Gerd Otto
In den vergangenen Jahren kam es zu diesem spektakulären Lesefund in Form eines versteinerten Holzwerkzeugs. Foto: Picasa
