Allgemeine Berichte | 15.07.2017

Ein Blick in die Heimatgeschichte

Neues vom Laacher See

Im Bildzentrum die Position des Rötelfundes.

Maria Laach/Wehr. War das Gebiet am bzw. um den Laacher See bereits im Neolithikum besiedelt? Angesichts des auch heutzutage noch zum Ansiedeln geradezu einladenden Ambientes scheint sich diese Frage zu erübrigen, denn Spuren vor der Gründung der Abtei Maria Laach sind bereits aus keltischer, in größerem Umfang jedoch aus der Zeit römischer Anwesenheit während einiger Jahrhunderte bekannt. (Der Autor hatte bereits in „Blick aktuell“ über die Wahrscheinlichkeit einer römischen Staatsdomäne am See berichtet)

Allerdings ist über eine Besiedelung vor dieser Zeitstellung nichts bekannt geworden, denn es fehlte bislang an stichhaltigen Hinweisen und Befunden. Entdeckungen im Laufe der letzten Jahre im Laacher Umfeld lassen allerdings darauf schließen, dass eine Besiedelung bereits im Neolithikum (Jungsteinzeit) stattgefunden hatte. Ausschlaggebend für diese Hypothese waren in erster Linie drei Fundereignisse: Während mehrerer Jahre veranstaltete die Uni Jena jeweils im August unter der Leitung von Professor Dr. Georg Büchel Projektionskampagnen auf dem südlichen Ufergelände des Laacher Sees. Beim Anlegen eines Suchschachtes von ca. 80 Zentimetern Tiefe nahe HP 291 Meter ü. NN fand sich auf dem trennenden Horizont zweier gleich hoher Erdschichten ein dunkler Keramikscherben mit sehr grober Magerung. Professor Büchel ist noch im Besitz des Fundes. Nach Auskunft der Denkmalpflegebehörde war dieses Fundobjekt in die Jungsteinzeit, spätestens in die frühe Bronzezeit zu datieren. Während der Kampagne im Jahr 2016 wurde erneut ein Suchschacht, dieses Mal ca. 250 Meter westlich vom ersten Fundort angelegt. Auch hier zeigte sich wieder das gleiche Bild der Schichtfolge: Wie auf einem Foto des Autors, der zu dem einen oder anderen Treffen von Professor Büchel eingeladen worden war, angedeutet, barg Büchel genau auf dem trennenden Horizont eine etwa 1,5 Zentimeter starke irdene Konkretion von knallroter Farbe (heute noch in seinem Besitz). Dabei konnte es sich nur um „Rotocker“, auch „Rötel“ genannt, handeln, der stark eisenhaltig bei der Bestattung zur Jungsteinzeit der Grablegung beigegeben wurde, wahrscheinlich aus rituellem Anlass. Der chemische Name lautet auch Hämatit. Büchel informierte auch darüber, dass er rund200 Meter westlich des Schachtes bei HP 270 Meter ü. NN unzweifelhaft eine ehemalige „Schilfuferzone“ projektiert habe. Soweit die Indizien innerhalb der Laacher Caldera, die ein durchaus zusammenhängendes Bild vermitteln.

Fund bei Wehr

Außerhalb des Laacher Kessels, unten am ausstreichenden Hang des „Wehrer Breitel“, kam es in den vergangenen Jahren zu einem spektakulären Lesefund in Form einer ca. 5,5 mal 3,5 Zentimeter messenden Partie von versteinertem Holz, deren auffällig glatte Stirnenden eine zarte rötliche Färbung erkennen ließen. Bestimmt war der Fund durch Tiefpflügen auf die Ackeroberfläche gelangt. Nach der Meldung und Vorstellung des versteinerten Holzobjektes beim Amt für Denkmalpflege wurde dessen Originalität nicht in Zweifel gezogen. Die geglätteten rötlichen Enden könnten darauf schließen lassen, dass mit Hilfe dieses „Werkzeugs“ Rötel zerdrückt bzw. zerrieben worden war. Leider muss weiterhin ungeklärt bleiben, ob die „Fossilisierung“ des Holzes vor oder nach dem Gebrauch erfolgte. Fest steht aber, dass es seit jeher im Laacher Umfeld zu umfangreichen fossilen Holzfunden gekommen war.

Gerd Otto

In den vergangenen Jahren kam es zu diesem spektakulären Lesefund in Form eines versteinerten Holzwerkzeugs.

In den vergangenen Jahren kam es zu diesem spektakulären Lesefund in Form eines versteinerten Holzwerkzeugs. Foto: Picasa

Im Bildzentrum die Position des Rötelfundes. Foto: Picasa

BLICK aktuell bei Google bevorzugen
Erhalte mehr Inhalte von uns in deinen Google-Suchergebnissen.
Täglich exklusive Inhalte
Täglich exklusive Inhalte

Das digitale Magazin für Rhein, Ahr und Eifel — jeden Tag eine neue Ausgabe, optimiert fürs Smartphone.

  • 30 Tage gratis
  • Neue Ausgabe jeden Tag
  • Für unterwegs gemacht
Heutige Ausgabe lesen
Blick aktuell
Regio MAGAZIN

Bildergalerien
Imageanzeige
Kleinanzeige Gartenpflege
Gläser
150 Jahre Zeitungsgeschichte
Dipl.-Ing. bzw. Bachelors of Arts/Engineering (m/w/d)
Anzeige KW 29
Empfohlene Artikel
Der Schängelbrunnen ist in jeglicher Hinsicht ein Hingucker. Foto: AP
45

Seit 1941 plätschert er auf dem Willi-Hörter-Platz in der Altstadt vor sich hin. Oder besser gesagt: er spuckt sich tapfer durch die Jahrzehnte. Dieser Brunnen ist aber kein stilles Wasserspiel, sondern wie ein echter Koblenzer ein wahres Original. Original: frech, unbeeindruckt und leicht verschmitzt. Der Schängelbrunnen ist dem gewidmet, was die Koblenzer Welt im Innersten zusammenhält: dem Schängel selbst.

Weiterlesen

Auf rund 240 Seiten erzählt Ayche offen von den prägenden Stationen ihres Lebens.  Foto: privat
20

Kreis Ahrweiler. Unter dem Titel „Einfach mal machen. Loslegen. Scheitern. Und wieder mutig sein.“ hat die Bruchsaler Sängerin Nadia Ayche ihre erste Autobiografie veröffentlicht. Das Buch ist am 18. Juni im Bonifatius Verlag in Paderborn erschienen. Begleitet wurde sie beim Schreibprozess vom Düsseldorfer Schriftsteller Leo G. Linder, der als Co-Autor mitwirkte.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Foto: Adobe Stock
11492

Eine Woche lang hattet Ihr die Möglichkeit, Eure Lieblingseisdielen im BLICK aktuell-Land zu nominieren und das Ergebnis einfach gigantisch! Ihr habt insgesamt 42 Eisdielen nominiert. Jetzt seid Ihr gefragt: Stimmt in unserem großen Voting für Eure persönliche Lieblingseisdiele ab und unterstützt Euren Lieblingseismacher!

Weiterlesen

Wer kennt diese Frau?
1006

Foto-Fahndung: Unbekannte kaufte mit gestohlener Bankkarte Schuhe ein

Wer kennt diese Frau?

Bonn. In Bonn sucht das Kriminalkommissariat 15 der Polizei aufgrund eines richterlichen Beschlusses öffentlich nach einer bislang unbekannten Frau. Diese Frau steht im Verdacht, am 23. Oktober 2025 eine zuvor gestohlene Bankkarte einer 76-jährigen Frau sowohl an einem Geldautomaten als auch in einem Schuhgeschäft in der Bonner Innenstadt verwendet zu haben. Durch diese Taten entstand ein Vermögensschaden von etwa 1.500 Euro.

Weiterlesen

Da die Bundesstraße im Bereich der Unfallstelle über eine Hochbrücke verläuft und der Lkw auf der zerstörten Leitplanke direkt vor dem Abgrund stehen geblieben war, gestaltete sich die Bergungssituation als anspruchsvoll.
1641

Altenahr / VG Altenahr. Am heutigen Freitagmorgen wurde die Freiwillige Feuerwehr der Verbandsgemeinde Altenahr um 09:56 Uhr durch die Integrierte Leitstelle (ILS) Koblenz zu einem Verkehrsunfall mit einem Lkw auf der Bundesstraße 257 in Fahrtrichtung Adenau alarmiert. Die Einsatzstelle befand sich nur wenige hundert Meter vom temporären Standort der Freiwilligen Feuerwehr Altenahr entfernt, unmittelbar hinter dem Übigs-Tunnel.

Von Verbandsgmeindeverwaltung Altenahr Presse- und Öff aus Altenahr

Weiterlesen