Patronatsfest des Kapellenvereins Klein Villip
Nicht Mauern bauen und Stacheldraht ziehen, sondern zusammenrücken und beistehen
Altabt Benedikt Müntnich vom Kloster Maria Laach ging in seiner Predigt auf eine der Riesenherausforderungen unserer Zeit ein
Klein Villip. „Die Einweihung eines solch wunderbaren Werkes ist etwas ganz Besonderes in unserer Zeit, in der sonst überall Kirchen abgebrochen werden“, hatte Abt Benedikt Müntnich vom Kloster Maria Laach vor genau neun Jahren anlässlich der Einweihung der Kapelle „Maria Himmelskönigin“ im winzigen Wachtberger Weiler Klein Villip festgestellt. Beim diesjährigen Patronatsfest kam er gerne wieder zurück an den „Klein Villiper Dom“, mittlerweile als Altabt, und hielt gemeinsam mit Diakon Peter Schmitz den Gottesdienst ab, der wegen des für die kleine Kapelle viel zu gewaltigen Besucherandrangs im Freien abgehalten wurde. Doch nach der Begrüßung der mehr als 100 Gäste durch den Kapellenvereins-Vorsitzenden Dr. Hans Böhm glänzte zunächst der Kirchenchor Villip unter der Leitung von Kantor Gereon Schulte-Beckhausen mit seinem musikalischen Auftakt.
Heilige Jungfrau Maria als Königin der Herzen
Altabt Müntnich erinnerte sich noch sehr gut an die Einweihungsfeier im August 2010, denn er habe das damalige Gewittergrollen am Himmel als „Beifall von ganz oben“ interpretiert. Der Name der Kapelle, Maria Himmelskönigin, erinnere an die Krönung der Muttergottes als Königin des Himmels. Die heilige Jungfrau wolle jedoch keine entrückte und unnahbare Königin sein, sondern die Königin der Herzen. Müntnich wies in seiner Predigt aber auch darauf hin, „dass wir Gott dienen, indem wir einander annehmen.“ Insbesondere im Hinblick auf die Flüchtlinge, die in den vergangenen Jahren nach Deutschland gekommen seien, führte er aus: „Gott ist der Vater aller Menschen, ohne Unterschied, und es gibt nur eine Welt, die wir alle gemeinsam errichten sollen.“ Deshalb dürfe man keine Mauern bauen und keinen Stacheldraht ziehen. Vielmehr sollten die Menschen zusammenrücken und einander beistehen. Er wusste aber auch: „Das ist eine Riesenherausforderung - doch Gott hilft uns.“ Im Anschluss an den Gottesdienst gab es auf dem Kapellenplatz Gelegenheit zu Gesprächen bei Speisen und Getränken, die fleißig genutzt wurde. Mit der Kollekte in Höhe von 550 Euro wird die Aktion „Zugabe“ gefördert, die bedürftige Familien in der Gemeinde Wachtberg unterstützt. Dabei wurde auch die Entstehungsgeschichte der Kapelle noch einmal aufleben gelassen.
Ursprünglich Kapelle stammt aus dem Jahr 1823
Demnach wurde die ursprüngliche Kapelle im Jahre 1823 von Töpfermeister Johann Peter Willems aus Adendorf gestiftet und von Schreinermeister Heinrich Kündgen errichtet. Zum Wiederaufbau des 1973 abgerissenen Gotteshauses hatte die Gemeinde Wachtberg dem Verein das 299 Quadratmeter große Baugrundstück im Wege der Erbpacht für 99 Jahre zum jährlichen Pachtzins von 10 Euro zur Verfügung gestellt. Architekt Klaus Schröder aus Arzdorf hatte die Planung und Durchführung des Kapellenneubaus ehrenamtlich als Rekonstruktion der alten Marienkapelle anhand von Fotos und Zeichnungen aus der Zeit vor 1938 geleistet. Gisela Kuhl aus Godesberg stiftete eine 22 Kilogramm schwere Bronzeglocke mit dem Schlagton h7tief aus dem Jahr 1967, die zuvor in der Sebastianuskapelle in Schweinheim ihren Dienst getan hatte und dort nicht mehr gebraucht wurde.
Aus der Asservatenkammer des Erzbistums Köln hatte Kapellenvereins-Vorstandsmitglied Roland Gassert eine mehr als 100 Jahre alte, doppelwandige Eichenholztür mit Eisenbeschlägen für die Kapelle geschenkt bekommen, die von Tischlermeister Michael Sebastian aus Berkum restauriert und mit einem neuen Eichenholzrahmen in die Kapelle eingepasst wurde. Vier wunderschöne Eichenbänke aus der Kapelle in Werthhoven kamen ebenfalls hinzu. Die Glasfenster mit Bleiverglasung und Echtantikglas mit umlaufenden Ornamenten von Wildrose, Weizen, Lilien und Hopfen wurde von Glasermeisterin Cornelia Jonczik von der Glasfachschule Rheinbach entworfen und gefertigt.
Der Fußboden besteht aus Grauwacke, auf schwimmendem Estrich verlegt, die Innendecke besteht aus Fichten- und Tannenbrettern, die mit Lehmstuck verziert sind.
Bildhauer Rudolf Hürth stiftete Marienfigur
Das ursprüngliche Holzkreuz aus der alten Kapelle hat mittlerweile seinen Platz wieder an der Stirnseite gefunden, leider ohne den Korpus, der wohl beim Abriss 1973 abhandenkam. Dafür wurde im Kreuzungspunkt ein Bergkristall eingesetzt, den der Kapellenverein bei eBay ersteigert hatte. Peter Schmitz und Roland Gassert stellten gemeinsam einen wunderschön anzuschauenden Altartisch aus Eichenholz her, und der Wachtberger Bildhauer Rudolf Hürth aus Kürrighoven steuerte eine 2,10 Meter hohe Marienfigur aus polnischem Sandstein bei.
JOST
Mehr als 100 Freunde des „Klein Villiper Doms“ kamen auf Einladung des Kapellenvereins zum Patronatsfest der Kapelle „Maria Himmelkönigin“. Foto: Volker Jost
