Allgemeine Berichte | 26.06.2017

Pflegestellen sind wichtige Komponenten der Tierschutzarbeit

Nicht immer nur Zuhause auf Zeit

Die beiden Hunde „Raja“ (Wolfshundmix) und der bulgarische Zuwanderer „Marlon“ (Schäferhundmix) haben in der Pflegestation ein neues, letztes Zuhause gefunden. SOT

Mayen. Jedes Jahr landen rund 300.000 Tiere in Deutschlands Tierheimen. Jedes einzelne Mal stellt das eine ganz persönliche Tragödie in einer Lebensgeschichte dar. Denn die Tiere spüren, dass das Heim kein Zuhause ist und es auch niemals werden kann. Besonders Hunde und Katzen, die bereits einen Teil ihres Lebens in enger Verbundenheit und Gemeinschaft mit Menschen verbracht haben, womöglich einmal Mittelpunkt einer Familie gewesen sind, leiden extrem unter ihrer Lebenssituation im Heim. So sehr sich Mitarbeiter und Ehrenamtler im Tierheim um ihre Schützlinge bemühen - am Ende des Tages bleiben die doch in ihren Zwingern zurück, vielen sind Trauer und Verzweiflung förmlich anzusehen. Junge und gesunde Hunde und Katzen haben häufig gute Chancen, vermittelt zu werden, je höher die Rasse im aktuellen Trend steht, umso schneller können die Tiere meist wieder ein neues Zuhause umziehen. Es sei denn, es sind Verhaltensauffälligkeiten festzustellen, dann haben auch Modetiere schlechte Karten. Einer betreuungsintensiven Eingewöhnungszeit, in der manch eine Macke ganz von selbst wieder verschwindet, möchten insbesondere die Menschen, die auf der Suche nach dem „perfekten Tier“ sind, sich nicht stellen. Dabei ist es doch nur verständlich, dass Tiere, die Traumatisches erlebt haben - und das ist der plötzliche Verlust des gewohnten Umfelds ohne Frage - ein wenig Eingewöhnungszeit brauchen. Je einfühlsamer und liebevoller die neuen Menschen - desto schneller ist alles Leid vergessen; in fast allen Fällen ist das so. Alte und kranke Tiere haben meist ganz schlechte Chancen, noch einmal ein Zuhause zu finden. Sie brauchen besonders viel Aufmerksamkeit und Fürsorge, Kosten für Tierarztbesuche und Medikamente und die Angst vor einem nahen Abschied schrecken viele Menschen zudem ab. Aber es gibt diese Engel, die gerade alte und gehandicapte Tiere, und die, deren Lebenserwartung nur noch kurz ist, bei sich aufnehmen. Elisabeth Strahlendorf aus Münstermaifeld ist einer von ihnen. Seit 17 Jahren engagiert sie sich im Mayener Tierschutzverein für Tiere, die niemand mehr haben möchte und bietet ihnen eine sogenannte „Gnadenbrotpflegestelle“. Elisabeth Strahlendorf hat in den Jahren unzähligen Tieren ermöglicht, ihren Lebensabend glücklich und beschützt unter ihrer Obhut zuzubringen. „Viele von ihnen hatten nie ein gutes Leben, sind weitergereicht oder misshandelt worden“, bedauert die Tierschützerin. „So bitter die Vergangenheit auch gewesen sein mag - ich möchte meinen Schützlingen wenigstens am Ende ihres Lebens noch eine gute Zeit schenken“, sagt sie. Aktuell leben gemeinsam mit ihr und ihrem Mann Jörg neun Katzen, zwei Hunde und zwei Kaninchen in friedlicher Eintracht miteinander. Der Großteil der Vierbeiner ist auf intensive Betreuung angewiesen, denn die Tiere sind alt, manche von ihnen krank. „Mein Mann ist da sehr an meiner Seite“, ist Elisabeth Strahlendorf dankbar, „er fährt auch mit den Tieren zum Arzt und unterstützt mich überhaupt, wo er kann.“

Ein Lebensabend mit viel Liebe und Zuwendung

Wenn es wieder einmal an der Zeit ist, Abschied zu nehmen und das Leben eines ihrer „Pflegekinder“ zu Ende geht, ist das für die Strahlendorfs immer wieder aufs Neue schlimm – „lernen“ kann man das einfach nicht. „Der Tod gehört selbstverständlich dazu“, sagt Elisabeth Strahlendorf, aber es sei jedes Mal wieder gleich schwer. „Viele Menschen sagen zu mir: Ich könnte das nicht, ich würde durchdrehen! Das Gefühl kann ich nachvollziehen, aber das ist die falsche Einstellung“, ist sich die Tierfreundin sicher. „Wenn ich so denken und mich jedes Mal gehen lassen würde, könnte ich kein Tier mehr aufnehmen. Stellen Sie sich das einmal vor: Das heißt, dass meine Schützlinge ihren Lebensabend im Tierheim fristen müssten und das ist für viele Tiere eine absolute Katastrophe. Auch wenn der Abschied furchtbar schwerfällt: Ich habe den Tieren einen schönen, behüteten Lebensabend bieten können mit ganz viel Liebe und Zuwendung. Das ist ein sehr gutes Gefühl und am Ende auch ein großer Trost. Und ich weiß: Es warten und hoffen schon die nächsten sehnlichst auf einen Platz. So muss man das einfach sehen und dann kann man die Arbeit auch machen.“ Natürlich sei ihr Engagement manchmal nervenaufreibend und es gehe einem „an die Nieren“, wenn ein Tier krank wird und stirbt. „Aber Sie machen auch ebenso oft die Erfahrung, dass bereits totgesagte Tiere neuen Lebensmut finden, gesunden und sich noch Jahre des Lebens erfreuen und sich überhaupt vielleicht zum ersten Mal wirklich freuen können. Je nachdem unter welchen Umständen sie vorher gehalten wurden, ist für solche Tiere der letzte Lebensabschnitt der beste. Wenn das Umfeld stimmt, sie sich psychisch und seelisch erholen können, passieren oft wunderbare Dinge. Das möchte ich Tieren, solange mein Mann und ich fit sind, bieten. Die Pflegestelle ist unsere Lebensaufgabe und die möchten wir nicht mehr missen.“

Das Tierheim Mayen sucht derzeit dringend Pflegestellen, insbesondere für Katzenmütter und deren Kinder. Gesucht sind zudem Pflegestellen, die sich die Aufzucht und kompetente Betreuung von „Flaschenkindern“ zutrauen: Auch in der Nacht heißt das, alle zwei Stunden aufzustehen, um die Kleinen zu versorgen.

Interview mit Kristina Wagner (Tierheim Mayen)

Tierheim-Mitarbeiterin Kristina Wagner beantwortet die wichtigsten Fragen zu Thema.

Was ist eine Pflegestelle?

Es gibt „normale“ Pflegestellen, die Hund und Katze nur für einen gewissen Zeitraum aufnehmen, bis eine endgültige Familie gefunden werden kann. In erster Linie sind das Hunde, die eine postoperative Betreuung benötigen, aufgepäppelt werden müssen oder den Tierheimalltag nur schwer ertragen können. Auch Pflegestellen für tragende Hündinnen werden gesucht, das aber eher sehr selten. Dann gibt es „Gnadenbrotpflegestellen“, so wie Frau Strahlendorf eine betreibt. Sie übernimmt alte, kranke, schwache Tiere, die ihr Leben bis zuletzt in der Gnadenbrotpflegestelle verbringen dürfen. Alle aufwendigen Tierarztkosten übernimmt der Tierschutzverein. Futter und andere Kosten der Unterbringung leistet die Pflegestelle selbst.

Welche Voraussetzungen gibt es? Erfülle ich diese?

Als Pflegefamilie sollte man genügend Zeit haben. Vollzeit berufstätige Menschen sind hier nicht gefragt, sondern diejenigen, die wirklich entsprechend Zeit für die Nachsorge und Fürsorge der Tiere haben. Bei Katzen ist es einfacher. Eine alte Katze kann auch den halben Tag alleine bleiben, beim Hund wirds dann wieder schwieriger, wenn er es nicht gewohnt ist.

Wie werde ich Pflegestelle?

Interessenten können sich am besten telefonisch bei uns melden oder zu den Öffnungszeiten vorbeikommen.

Was sind „Pflegestellenversager“?

„Pflegestellenversager“ sind diejenigen, die das Tier nach einer gewissen Zeit doch selber behalten möchten, weil sie es ins Herz geschlossen haben und daher nicht mehr abgeben können. Bei den Pflegestellen auf Zeit wird dann ein normaler Tierabgabevertrag gemacht, das Tier wird dann komplett auf die Familie umgeschrieben. ei Gnadenbrottieren ist von vornherein klar, dass sie bis zum Tod in der Pflegestelle bleiben.

Warum werden Pflegestellen benötigt?

Gnadenbrot-Pflegestellen gibt es gerade für sehr alte und kranke Tiere, die nahezu keine Chancen auf eine Vermittlung haben. Bevor sie im Tierheim sterben, dürfen sie noch einmal das Leben in einer richtigen Familie genießen. andere Tiere ertragen den Tierheimalltag nur schwer, sind gestresst, jaulen und bellen viel, wollen einfach nicht alleine gelassen werden.

Interessenten wenden sich bitte ans Mayener Tierheim: ww.tierschutzverein-mayen.de, Tel. 7 74 38.

Perserkater „Fussel“ - durch einen Unfall nur dreibeinig.

Perserkater „Fussel“ - durch einen Unfall nur dreibeinig.

Die beiden Hunde „Raja“ (Wolfshundmix) und der bulgarische Zuwanderer „Marlon“ (Schäferhundmix) haben in der Pflegestation ein neues, letztes Zuhause gefunden. Fotos: SOT

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