Lauschvisite im Keramikmuseum
Nordische Klanglandschaften
Höhr-Grenzhausen. Eine lauschende Gemeinschaft neugieriger Konzertbesucher erlebte am vergangenen Freitag in den Räumlichkeiten des Keramikmuseums Westerwald eine besondere Veranstaltung. Die Konzertreihe Lauschvisite lud im Rahmen des Kultursommers Rheinland-Pfalz zu einem Konzert mit gleich zwei ausländischen Gastmusikerinnen ein. Die Kontrabassistin Nina de Heney reiste aus Göteborg an, Klarinettistin Heather Roche aus London, und zum Trio komplettiert wurden sie durch die in Wirges lebende Akkordeonistin Eva Zöllner. Die Musikerinnen waren spürbar glücklich, nach langen Zeiten der Reisebeschränkungen endlich wieder gemeinsam auf der Bühne stehen zu dürfen. Zu hören war zeitgenössische Musik von Komponistinnen aus Nordeuropa, die von eigenen Stücken der Bassistin de Heney umrahmt wurde. Sie ist in ihrer Schwedischen Heimat eine der Schlüsselfiguren der Szene für improvisierte Musik, und so entstand die Musik aus dem Moment heraus, nahm Bezug auf die anderen Stücke des Programms, auf den Raum und auf die Atmosphäre. Die Musikerin tanzte förmlich mit ihrem Kontrabass und entlockte ihm nicht nur gestrichene und gezupfte Töne, sondern auch Perkussives und Geräuschhaftes. Im Zusammenspiel mit dem Zöllner-Roche-Duo entfalteten sich wundersame Klangwelten, in denen die Klänge der Instrumente miteinander verschmolzen, und es war eine besondere Energie zwischen den Musikerinnen spürbar.
Das Konzert fand mitten in der aktuellen Ausstellung mit Arbeiten der norwegischen Keramikkünstlerin Marit Tingleff statt. Ihre großformatigen, farbintensiven Arbeiten bildeten den Bühnenhintergrund. Ähnlich wie die abstrakte zeitgenössische Musik regen sie die Fantasie an, eröffnen neue Perspektiven jenseits der Keramik-Tradition und bildeten so einen passenden Rahmen.
Ein besonderes Stück brachten Heather Roche und Eva Zöllner auf die Bühne: Der Schwede Johan Svensson komponierte es für Klarinette, Akkordeon und sechzehn kleine, blinkende Mini-Lautsprecher, die auf dem Boden verteilt um das Duo herum auf dem Boden lagen. Im abgedunkelten Raum entfalteten diese Klang- und Lichtquellen in Kombination mit den beiden fein aufeinander abgestimmten Instrumenten eine magische Wirkung, die - wie der Titel des Werks andeutete - an Glühwürmchen erinnerte.
Das Publikum lauschte fasziniert den neuen Klangwelten, die die drei Musikerinnen auf der Bühne eröffneten. Die Resonanz machte deutlich, dass zeitgenössische Musik im Westerwald ihren Platz gefunden hat und lässt die Veranstalter motiviert in die Zukunft schauen: Für das Jahr 2022 sind vier weitere Lauschvisiten in Montabaur und Umgebung geplant.
