Zehnthaus-Kolumne (15)
Odendorfer Kriegerdenkmal (1)
Odendorf/Essig. Anfang der Dreißigerjahre ist in Odendorf ein Denkmalausschuss eingesetzt worden, der die Errichtung eines Kriegerdenkmals vorantreiben sollte. Vorsitzender war Heinrich Flink, wohnhaft in der Odinstraße. Der Ausschuss kümmerte sich um die Finanzierung des Vorhabens und schrieb einen Ideenwettbewerb aus, den der Bildhauer Jakobus Linden für sich entscheiden konnte.
Für die Finanzierung wurde der Kriegerdenkmalfonds gegründet, Kassierer war Josef Klein. Die Zahlungseingänge stammten sowohl aus Spenden wie auch aus Zahlungen verschiedener Schiedsverfahren. Der Odendorfer Kriegerverein im Kyffhäuserbund (heute Sportschützen Odendorf 1897 e. V.) steuerte laut eigener Festschrift zum 100-jährigen Bestehen einen erheblichen Betrag bei.
Da das Ehrenmal in direkter Nähe zur Kirche stehen sollte, musste vom Generalvikariat in Köln als Grundeigentümer eine Zustimmung für die Errichtung eingeholt werden. Von dort wurde grundsätzliches Einverständnis signalisiert, verbunden mit einer Reihe von Bedingungen.
Daraufhin fasste der Odendorfer Gemeinderat am 9. September 1932 folgenden Beschluss:
„Der Gemeinderat von Odendorf übernimmt von dem Denkmal-Ausschuss das Kriegergedächtnismal nach dessen Fertigstellung und verpflichtet, sich das Denkmal und den Denkmalplatz zu pflegen. Das Denkmal darf in seinem äußeren Aufbau weder politisch noch religiös Anstoß geben. Das Denkmal steht auf dem Grundbesitz der kath. Kirchengemeinde. Das Eigentumsrecht am Denkmalplatz, sowie das Hausrecht der Kirchengemeinde wird anerkannt. Es ist den Vereinen und Privatpersonen gestattet Kränze niederzulegen und Ehrungen der Gefallenen zu veranstalten. Politische Kundgebungen, Kranzniederlegungen mit politischen Abzeichen, sowie Kundgebungen, die das katholische oder allgemeine religiöse Empfinden verletzen, dürfen an demselben nicht stattfinden. Ebenso dürfen keine Kundgebungen stattfinden, die den gewöhnlichen Gottesdienst stören. Wenn das Denkmal entfernt werden sollte, muss der Platz in seinen früheren Zustand hergestellt werden.“
Das war die Basis für die Zustimmung aus Köln.
Lindens Entwurf sah ein schlichtes Denkmal aus Eifeler Lavabasalt in Form eines Altartisches vor. Auf dem Altartisch liegt ein Stahlhelm auf einem Lorbeerkranz. Auf der Vorderseite der Altarplatte findet sich die Inschrift „DEN HELDEN von 1914 = 1918“. Auf den seitlichen Reliefs werden der Auszug und die Heimkehr der Soldaten dargestellt. Zur Linken sieht man in den Krieg ziehende Soldaten, verabschiedet von zwei Frauen und einem Kind, alle gezeichnet vom Schmerz des Abschieds. Rechts sind vier zurückkehrende Soldaten abgebildet, die einen fünften stützen. Sie sind stark gealtert, teilweise mit Bärten, niedergeschlagen und ausgezehrt. Sie werden empfangen von einer trauernden Frau. Hinter dem Altartisch ragt ein schlichtes Kreuz hoch empor. Auf zwei Tafeln links und rechts am Fuß des Kreuzes stehen die Namen der 36 Gefallenen und Kriegstoten des Ersten Weltkriegs aus Odendorf. Auf der Fußplatte des rechten Reliefs stehen die Signatur des Bildhauers J. Linden und die Jahreszahl 1932.
Ungünstige Herbstwitterung verzögerte den Bau des Denkmals, so dass die Weihe erst am Sonntag, 4.12.1932, stattfinden konnte. Die Häuser waren mit Fahnen und Tannengrün geschmückt. Dem Festzug der Ortsvereine gaben eine Musikkapelle und 32 Trommler und Pfeifer des Tambourkorps Loreley den musikalischen Rahmen. Die Fahnen der Vereine umstanden das Ehrenmal. Pfarrer Gottfried Klein nahm die kirchliche Weihe vor. Ausschussvorsitzender Heinrich Flink übergab das Denkmal in die Obhut der Gemeinde. Nach Kranzniederlegungen der Vereine wurde das Deutschlandlied angestimmt und Hauptlehrer Johann Lutterbeck sprach das Schlusswort. Es folgte der Parademarsch, dann ging es zu einer „Nachfeier“ in den Saal Winterscheidt.
Sammlung Zehnthaus
www.verein-zehnthaus.de
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