Die Große Linzer KG stellte ihren zukünftigen Prinzen vor
Papstschühchen und Moonboots für Hajo I. „von den Ufern des Alwiesbachs“
Hans-Joachim Marx wird die Strünzer Jeckenschar regieren
Linz. Zur Vorstellung des neuen Dreigestirns hatte die Große Linzer Karnevalsgesellschaft um ihre Präsidentin Yvonne Adams-van Beek Ende voriger Woche ins Linzer Brauhaus eingeladen. Begrüßen konnte die Exprinzessin der Session 2017/18 dort nicht nur die großen Fastelovend-Familie um den noch amtierenden Prinzen Baffy I. „vum Stippeföttche-Corps“ (Thomas Baars) mit seinen Adjutanten Ralf „Shelly“ Scheid und Frank „Franky“ Keller, sondern auch Pastor Lothar Anhalt. Trotz des geistlichen Beistands musste Hans-Joachim Marx eingestehen: „Dat Lampenfieber weed immer jrößer!“ Dass er der Prinz in Lauerstellung war, war längst kein Geheimnis mehr in der Bunten Stadt am Rhein, in der das Grün die vorherrschende Farbe sein wird bis Aschermittwoch, gehören die Tollität in spe und die Adjutanten Anton „Toni“ Derek und Kevin Schopp doch zum Husarencorps Grün-Weiß um Kommandant Nihat Kökce und den Vorsitzenden Sebastian Genz.
„Zweitälteste Tollität“
„Die roten Husaren werden zwar diese Session 65 Jahre alt, haben aber den zehn Jahre jüngeren Grün-Weißen beim Prinzen den Vortritt gelassen, nicht zuletzt weil deren Musikzug sein 45-Jähriges feiern kann“, so Yvonne Adams-van Beek, bevor sie Hans-Joachim Marx als Hajo I. „von den Ufern des Alwiesbaches“ präsentierte. Und schon erklang der Schlachtruf: „Hajo, Hajo, jo, jo, jo, Hajo!“, der in der Bunten Stadt häufiger zu hören sein wird. „Unser Prinz in Lauerstellung, der 76. der Großen Linzer KG und der neunte der Grün-Weißen, ist am 19. Januar 1959 in Unkel geboren und wird damit nach offizieller Rechnung als die zweitälteste Tollität in die Geschichte des Linzer Karnevals eingehen“, so die Präsidentin. Der gelernte Industriekaufmann, der seine wahre Berufung aber als Masseur, medizinischer Bademeister und Physiotherapeut gefunden hat, ist seit 33 Jahren mit Marlene verheiratet, mit der er zwei Söhne hat. „1995 trat Hajo“ – was erneut den Schlachtruf hervorrief – „dem Husarencorps Grün-Weiss als Aktiver bei und spielt dort im Musikzug die Trööt, die er nur ungern zur Seite gelegt hat“, verriet Adams-van Beek. Mit seiner Proklamation in zwei Wochen gehe für ihn ein Wunsch in Erfüllung, von dem er selbst lange gar nichts gewusst habe, unkte sie.
Ein echter „Imi“
Adjutant „Toni“ ist ein echter Imi, also en imiteete Strünzer, wurde er doch 1950 in Heimbach-Weis geboren. „Dort wurde ihm der Fassenacht-Bazillus in die Wiege gelegt, sodass er ab dem fünften Lebensjahr bei den Karnevalszügen mitgemacht hat und jahrelang als Büttenredner aktiv war“, so die Präsidentin. Zusammen mit seiner Frau Ulrike kam der „Banker“ Anton Derek im Sommer 1987 aus beruflichen Gründen nach Linz, wo er schnell gelernt habe, das man im Fastelovend nicht „Ömmer parat“, sondern „Alaaf“ rufen würde. Den Lernprozess unterstützt hatten die Grün-Weißen Husaren, in deren Corps „Toni“ schon nach einem Jahr in der Bunten Stadt eingetreten war und dessen Vorsitz er relativ schnell übernahm. 2015 habe der „eingebürgerte Strünzer“, der seit 2010 Ehrenvorsitzender des Husarencorps ist, bei seinem Sohn, Prinz Tobi „vun de jröön-wiesse Husarenfamillich“, das Amt des Prinzenfahrers übernommen. Dass Adjutant Toni im zukünftigen Dreigestirn für die Nüssele zuständig ist, war jedem klar.
Vom Pagen zum Adjutanten
Also übernimmt sein Kollege Kevin die Funktion des „Terminators“, eine Arbeit die dem selbstständigen Transportunternehmer leicht fallen dürfte. Das 38-jährige Nesthäkchen des Trios, das zwei Tage nach dem Prinzen Geburtstag hat, „machte vor 25 Jahren als Page seines Vaters, damals Prinz Werner I. von Remagen, erste Schritte im Karneval“, so die Präsidentin. In Leubsdorf wohnend, trat er mit 18 Jahren in das Funkencorps Blau-Gold ein, in dem er bis zum Tanzoffizier aufstieg. Nachdem er dort auch im Vorstand aktiv war, trat Schopp vor sieben Jahren in das Husarencorps ein, hielt seinem ersten Karnevalsverein jedoch als inaktives Mitglied die Treue. Bei den Grün-Weißen tanzte er zwei Jahren in der Männertanzgruppe und spielt nun im Musikzug.
„Geilen Fastelovend“ erhalten
„Ich bin gefragt worden: Warum deisde dir dat aan? Die Antwort ist doch klar: Weil wir eben einen geilen Fastelovend haben, der über die Stadt hinaus bekannt ist und weil diese Tradition nicht auf der Strecke bleiben darf, da sonst etwas verloren gehen würde, was das Leben lebenswert macht und die Welt ein ganzes Stück kälter würde“, erklärte Hajo I., dem sofort vor Augen geführt wurde, wie jeck der Linzer Fastelaer tatsächlich ist. Die „Alt-Husaren“ Karl-Hubert und Cornelius Dütz hatten sich bereit erklärt, der Tollität die roten Prinzenschuhe zu stiften. „Bei den Papst-Schühchen wollten wir es aber nicht belassen“, erklärte Ehrenkommandant Hubi, den Nihat Kökce 2010 als Kommandant abgelöst hatte, und überreichte Hajo I. überaus niedliche Moonboots. Dessen Überraschung dauerte nicht lange. „Als der Hubi 1990 Prinz war, war et eisig kalt, und da hab ich vorm Antreten Moonboots angezogen. Als wir uns dann zum Abmarsch aufgestellt haben, hat der Nihat gewettert: So gehst du nicht mit. Als ich ihm dann aber meine Trööt in die Hand gedrückt habe, hat er doch klein beigegeben, und ich hab bei dem Zug als einziger Husar nicht gefroren“, erinnerte die Tollität in spe, die gleich in einen roten Schuh und in einen der Moonboots schlüpfte.
DL
Vorsichtig enthüllten die Adjutanten von Hajo I. den Sessionsorden.
Nicht nur ruude Prinzen-Schühcher hatten die Dütz-Brüder für Hajo I. besorgt.
