Jürgen Mittler holte die Urgesteine der Kölner Musikszene traditionell in die ausverkaufte Laacher-See-Halle nach Mendig
Paveier und Gäste begeisterten Publikum bei Kölscher Weihnacht
Mendig. Trotz 40-jährigem Jubiläum – und da gäbe es für die kölschen Musiker der Band Paveier sicher eine Menge im kleineren Kreis zu feiern und jeden Tag ein Jubiläumskonzert zu spielen– gastierte Frontmann und Sänger Sven gemeinsam mit seinen Bandkollegen traditionell in der ausverkauften Laacher-See-Halle. In der Vorweihnachtszeit gehört es zum Pflichtprogramm der Fans kölscher Musik- und Lebensart, die Kölsche Weihnacht der Paveier zu besuchen. Wer aus dem Rheinland kommt und ganz großzügig und frech zählt Mendig von der Mentalität her dazu, „der muss sich die letzten Jahrzehnte im Keller versteckt haben“, wenn er die Paveier nicht kennt.
„Dat is su liebevoll und ehrlich hier!“
Veranstalter Jürgen Mittler hatte es geschafft, die kölschen Originale wiederholt nach Mendig zu locken. Seit 2016 arbeitet der Inhaber eines Mendiger Bestattungshauses mit den Paveiern zusammen. Die ersten zwei Jahre trat die Kölner Band in Thür auf, seit 2019 ist Mendig ihr Auftrittsort. „Wir spielen gerne in Mendig, weil die Leute einfach total herzlich sind. Dat fängt beim Jürgen (Mittler, Anm. der Redaktion) an und geht beim Ambiente weiter. Die Leute lachen einfach von Herzen, wenn es lustig ist. Sie hören zu. Und es kommt auch mal ein Tränchen, wenn traurige Sachen kommen. Dat is so liebevoll und ehrlich hier. Wir kommen einfach gerne hier hin!“, betonte Sven und hielt die Begeisterung für sein liebgewonnenes Publikum nicht „hinter´m Berg“.
Paveier begeistern Jung und Alt mit bekannten Hits zum Feiern, Schunkeln und Nachdenken
Die Paveier zählen zu den Urgesteinen der Kölner Musikszene und stehen nun schon seit vier Jahrzehnten und mit zwölf Beinen fest im Geschäft. Den Gründungsmitgliedern Detlef Vorholt, Bubi Brühl und Klaus Lückerath ist mit der Verpflichtung von Sven Welter, Johannes Gokus und Markus Steinseifer die Verjüngung und damit der Generationenwechsel sehr gut gelungen, so dass man sich um den Fortbestand der Band keine Gedanken machen muss. Nach wie vor begeistern sie Jung und Alt mit bekannten Hits zum Feiern, Schunkeln, Schmunzeln und Nachdenken, verrät die Homepage. „Dabei bleibt die Band sich immer treu, bodenständig und nah an den Fans“, so der Internetauftritt weiter. Und das lebt die Kölsche Band mit „Hätz un Siel“. Vom ersten Moment an waren die besondere Magie und das interaktive Zusammenspiel zwischen Musikern und Publikum zu spüren. Vom ersten Moment an hatten die kölschen Originale ihre Fans in der ausverkauften Laacher-See-Halle in ihren Bann gezogen und begeisterten in ganz unterschiedlichen musikalischen Genres und bewiesen zudem komödiantisches Talent.
Kurzum: Die Stimmung war bestens und eine herzliche Atmosphäre machte sich breit.
Mal heiter, mal wolkig: Die Stimmung wechselte zwischen Humor und emotionaler Rührung
Es war mal zum Schreien komisch, laut und schräg, um im nächsten Moment wieder ganz leise, emotional, nachdenklich und melancholisch zu werden. Wer „zu nah am Wasser gebaut ist“, konnte nicht umhin, sich bei Liedern wie dem Paveier-Weihnachtssong „Do steiht ne Stään am Himmel“, der vom Stern von Bethlehem als Sinn und Weg handelt, das ein oder andere Tränchen zu verdrücken. Besonders bezaubernd waren Lea und Pia, die beiden Kinder der Musikschule „Cölner Akademie für Tanz und Musik“. Am Anfang des Programm präsentierten sie ganz selbstverständlich zwei tolle Titel, als wäre kein Lampenfieber im Spiel, vor so vielen Menschen in einer großen Halle aufzutreten. Bei „Wenn ich groß bin“ und „Et hätt jeschneit“ saß Tatjana Comes genannt „Tanja“, die gemeinsam mit ihrem Mann Gerd die Musikschule leitet, im Mittelgang vor der Bühne. Sie gab für die Mädchen den Takt vor und hätte bei Texthängern sofort unauffällig helfen können. Spätestens beim ergreifenden Evergreen „Hallelujah“ von Leonard Cohen, der unterstützt durch das Kölner Rundfunk-Streichquartett die perfekte vorweihnachtlich getragene Stimmung hervorrief, musste das Publikum die Taschentücher zücken.
Die sechs StadtRänder toppten die bis dahin emotional aufgeladene Atmosphäre
Besonders hervorzuheben ist die Einlage der nicht mehr ganz so neuen Newcomer Band StadtRand. „Eine junge und lebendige Kölner Pop-Rock-Band von sechs sympathischen Freunden rund um Sänger Roman Lob, in deren Liedern man die Leidenschaft zur Musik spürt!“, heißt es auf der Rückseite der Autogrammkarte. So berührend, dass fast alle Dämme brachen, performten die Jungs aus dem weiteren Umland der Domstadt die beiden Titel „Wunder“ und „Hin und widder“ ihres ersten Albums Kapitel Eins. „Un hin un widder küss de naachs vorbei. Dann sinn mer för uns nur mir zwei allein. Dann weed ich wach und mir weed klor, dat et alles nur jedräump wor. Wie ald su off… Do fähls mir su sehr“, lautet der Refrain des zweiten Liedes, das vom Vermissen eines über alles geliebten Verstorbenen handelt. Die Eltern von Tommy Mesenholl hatten es hingegen gut getimt, dass der Schlagzeuger in Mendig seinen 40. Geburtstag feiern konnte.
Mer muss och jünne künne!
Echte Größe und „mer muss och jünne künne“ bewiesen die Paveier, dass sie ihren Gästen so viel Raum gaben und von Herzen gerne die weihnachtlich geschmückte Bühne mit ihnen teilten. So auch bei der engelsgleichen Sopranistin Constanze Störck im schwarzen Spitzenkleid, die als echter Star angekündigt wurde und hielt, was versprochen wurde. Unterstützt durch die Streicher performte die ausgebildete Sängerin ihr Lieblingsweihnachtslied „Weihnacht“ sowie „Oh holy night“. Nach ihrem Auftritt gab es beim Publikum kein Halten mehr und an diesem Abend zum ersten Mal Standing Ovations im Saal. Frontmann Sven „wollte nach dem Mädchen gar nicht mehr singen“, sagte er mit ironischem Unterton, als wäre er ein wenig eingeschüchtert.
Seine witzige Idee, das schwarze Abendkleid der Sopranistin anzuziehen, sorgte für lautes Gelächter in den Stuhlreihen. Lustig wurde es auch immer bei den komödiantischen Einlagen von Klaus und Sven. Auch der erfahrene und „positiv bekloppte“ Komiker Marc Metzger unterhielt das Publikum in gewohnter Manier.
Nach den beiden Zugaben am Ende der „Weihnachtshsow“ und nicht enden wollenden stehenden Ovationen, sagte Sven sein Kommen auch für 2024 zu. Nahbar und natürlich waren die Paveier „zum Anfassen“ im Anschluss im Foyer, wo sie den Fans für Fotos und Autogramme zur Verfügung standen.
Soziales Engagement
Der Erlös des Konzertes und die großzügig aufgestockte Spende des Bestattungshauses Mittler wird auch in diesem Jahr einem guten Zweck zugeführt: Jeweils 500 Euro kommen den Jugendfreizeiten des Mendiger Kinderhortes sowie der Kirchengemeinde zu Gute.
Noch nicht im Bühnenoutfit aber dafür sehr konzentriert bei der Sache probten die Paveier beim Soundcheck mit Lea und Pia, den beiden Nachwuchssängerinnen der Colonia Akademie, den „Ernstfall“.
Das Kölner Rundfunk-Streichquartett sorgte für die die perfekte, vorweihnachtlich getragene Stimmung in der Laacher-See-Halle.
Sorgten für Gänsehautmomente: Die junge und lebendige Kölner Pop-Rock-Band StadtRand performte leidenschaftlich.
Sopranistin Constanze Störck verzauberte mit ihrer engelsgleichen Stimme und sang ihr Lieblingsweihnachtslied „Weihnacht“.
Tiefe und Emotion pur: Sänger Roman Lob von StadtRand legte all seine Gefühle in den Titel „Hin un widder“, der von einem schmerzlich vermissten Menschen handelt.
Wie in jedem Jahr spendet Veranstalter Jürgen Mittler die Erlöse der Kölschen Weihnacht plus eine großzügige Spende für gemeinnützige Zwecke.
Der „positiv bekloppte“ Marc Metzger sorgte für zahlreiche Lacher.
