Europäische Sprachwurzeln im Rheinischen
Peter Honnen sprach im Odendorfer Zehnthaus
Swisttal-Odendorf. Wenn der Bonner Sprachwissenschaftler Peter Honnen vom Landschaftsverband Rheinland als Referent angekündigt ist, kann sich der Veranstalter auf einiges gefasst machen. Dann reichen zum einen die sonst üblichen Sitzplätze nicht aus, und zum anderen ist eine Veranstaltung mit guter Stimmung garantiert. Das hat sich wieder einmal gezeigt, als Honnen im Odendorfer Zehnthaus zum Thema „Warum man sich den Pips holt“ sprach. Um es vorweg zu nehmen: Der Pips war eine Verschleimung und ist damit der ältere Begriff gegenüber der Erkältung bzw. dem Schnupfen.
Wer nun einen ärztlichen Ratgeber erwartete, wurde angenehm enttäuscht. Im Mittelpunkt seiner Ausführungen standen Untersuchungen, inwieweit das Rheinische durch sprachliche Einflüsse benachbarter Völker geprägt wurde. Honnen begann tief in der Geschichte zu graben und wandte sich zuerst den Kelten zu.
Da diese aber noch keine Schriftsprache kannten, musste er sich auf das verlassen, was die Römer über die Bewohner der von ihnen besetzen Gebiete berichteten. Das Römische bzw. das Lateinische war damit die nächste Quelle der Untersuchungen.
Viele Begriffe meinte man der napoleonischen Franzosenzeit zuordnen zu können, wie z.B. Ramsch (Plunder) oder Trumpf (Triomphe). Honnen wies aber nach, dass viele dieser Wörter aus früheren Jahrhunderten stammten. Auch das Niederländische, das Spanische und das Italienische wurden diesbezüglich untersucht. Italienische Sprachwurzeln wurden nicht etwa erst durch die Gastarbeitergeneration nach dem Zweiten Weltkrieg gesetzt.
Auch früher schon waren italienische Spezialisten wie Stuckateure und Banker im Rheinland aktiv. Das Polnische, Tschechische, Österreichische und Englische waren für Honnens Untersuchungen wenig ergiebig. Interessant war aber das Jiddische, das zahlreiche Wörter im Rheinischen prägte. So finden hier die Worte schicker (betrunken), schäkern, mosern und malochen ihre Wurzeln. Jiddisch war die Sprache für das einfache Volk, und so hat es sich in der Alltagssprache durchgesetzt.
