Sportschützenverein Buschhoven feierte Patronatsfest
Peter Josef Wolff holte den Königsvogel
Rauswurf des Vereins aus dem Bund Historischer Deutscher Schützen war eines der beherrschenden Themen
Buschhoven. Der Sportschützenverein Buschhoven ermittelte beim Patronatsfest seine diesjährigen Schützenmajestäten. Schützenkönig wurde Peter Josef Wolff, der sich mit dem 136. Schuss gegen vier Mitbewerber durchsetzte. Schützenliesel wurde Tanja Dietzsch nach 150 Schuss, Jungschützenprinzessin ist in diesem Jahr Julia Overkamp nach 131 Schuss und die Würde der Schülerprinzessin errang Vivian Wolff mit dem 145. Schuss. Die neuen Majestäten werden beim Schützenfest am letzten Mai-Wochenende feierlich inthronisiert.
Der Verein ist dabei, sich neu aufzustellen
Eines der beherrschenden Themen beim Patronatsfest war allerdings der Rauswurf des noch relativ jungen Vereins, der 2012 aus der traditionsreichen Sankt Sebastian Schützenbruderschaft Buschhoven von 1927 hervorgegangen war, aus dem Bund Historischer Deutscher Schützenbruderschaften (BHDS). Der Verein müsse sich jetzt neu aufstellen, „wir sind dabei auf einem guten Weg“, so Pressesprecher und Vizepräsident Peter Scheben. Und das kam so: Die Bruderschaft habe vor einigen Jahren händeringend Nachwuchs benötigt, denn die Mitgliederzahl sei konstant gesunken, und der Verein war überaltert. Gottlob habe es eine Reihe von Interessenten gegeben, die aber entweder keiner christlichen Konfession angehörten oder aber geschieden seien. Wer aber Mitglied in einem Verein des BHDS werden will, muss ein Christ sein, das schreiben die Statuten des BHDS vor. Doch die Realität sieht anders aus. Im Laufe der Jahre seien fast 30 treue Mitglieder aus der Kirche ausgetreten, hätten aber dennoch weiterhin ihrem Schießsport in der Bruderschaft gefrönt und ein ganz normales „Mitgliederdasein“ geführt. „Die hätten wir eigentlich alle aus dem Verein hinaus werfen müssen, wenn es nach den Statuten des Verbandes geht - aber das wollten wir natürlich nicht“, stellte Scheben klar.
Auch Andersgläubige können nun Mitglied werden
Deshalb habe man 2012 nach langer Diskussion in der Mitgliederversammlung einstimmig beschlossen, sowohl die Satzung zu ändern als auch den Verein umzubenennen, um dem Dilemma zu entkommen. Aus der St. Sebastianus Schützenbruderschaft von 1927 wurde so der Sportschützenverein Buschhoven e.V., der 2013 ins Vereinsregister eingetragen wurde. Und die neue Satzung ermöglichte es dem Verein, auch „andersgläubige“, konfessionslose und geschiedene Mitglieder aufzunehmen. So hätte eigentlich eine kleine Erfolgsgeschichte beginnen können. Doch es kam anders, denn der Verband mit Sitz in Leverkusen bekam Wind von den „neuen Sitten“ in Buschhoven und forderte die neue Satzung an, um sie auf Verbands-Konformität zu prüfen. Der Passus, dass der Verein konfessionell (und politisch) neutral sei, missfiel den Verbandsoberen, denn das christliche Glaubensbekenntnis sei nun mal Grundvoraussetzung für die Mitgliedschaft im BHDS. Doch die Buschhovener blieben standhaft und bestanden darauf, dass dieser Passus in der Satzung enthalten bleibt.
Hinweis auf Grundgesetz half nicht
Zumal es Mitgliedsvereine gebe, die dies auch in anderer Form bereits so oder ähnlich handhabten, wie Scheben in Erfahrung gebracht haben will. „Uns wollte man das aber nicht zugestehen - vermutlich auch, um ein Exempel zu statuieren“, vermutet er. Auch der Hinweis auf den Gleichheitsgrundsatz nach dem deutschen Grundgesetz habe nichts gebracht, denn der gelte bei einem Verband nicht. Jeder Verein könne sich schließlich seine Mitglieder selbst aussuchen. So wurde das oberste Schiedsgericht des Verbandes angerufen, der nach einer mündlichen Verhandlung den Beschluss fasste, den Sportschützenverein Buschhoven mit sofortiger Wirkung auszuschließen. Darüber wurde auch noch eine Rechnung über 1850 Euro ausgestellt, die zu bezahlen sich die Buschhoven aber bislang standhaft weigern.
Sportlicher Neustart in der nächsten Saison
Deshalb haben sich die Buschhovener mittlerweile den Verband Rheinischer Schützen angeschlossen und sind damit Mitglied im Dachverband des Deutschen Sportschützenbundes. Als Folge könne man leider nicht mehr an den bisher gewohnten Schießwettbewerben des BHDS teilnehmen, weshalb sich viele langjährige Schützen zu anderen Bruderschaften hin orientiert hätten, bedauert Scheben. Doch auch da werde es Abhilfe geben. Ab der nächsten Saison, die voraussichtlich im September startet, werden die Buschhovener Sportschützen in anderen Ligen und auf eine etwas andere Art und Weise schießen als bisher, doch gehe man sehr optimistisch in die sportliche Zukunft.
Den grünen Rock werden die Buschhovener Schützen jedenfalls auch weiterhin tragen, denn das sei schließlich die Entscheidung des Vereins und der einzelnen Mitglieder. Auch die traditionellen Veranstaltungen im Jahresverlauf werde man in gewohnter Form weiterführen, wie etwa die Begleitung der Fronleichnamsprozession, das sei auch mit Präses Pater Friede abgesprochen. Die Traditionsfahnen der einstigen Bruderschaft würden ebenfalls weitergeführt, schließlich seien die 70 Jahre alt und hätten schon einen historischen Wert für den Verein und die ganze Ortschaft.
Veränderungen waren stets Wegbegleiter
Ohnehin sei die Veränderung immer Wegbegleiter der Buschhovener Schützen gewesen, erinnert sich Scheben. Schließlich habe man 1927 als einfacher Kleinkaliber-Schützenverein angefangen und sei erst 1947 zur Historischen Schützenbruderschaft umgewandelt worden. Jetzt führe der Weg eben wieder zurück zu den Ursprüngen, wenn auch unter bedauerlichen Umständen. Scheben jedenfalls ist restlos bedient und kann über die Einstellung des BHDS nur den Kopf schütteln: „Wir sind doch nicht mehr im Mittelalter. Ich konnte mir bislang nicht vorstellen, dass heute noch Menschen in Deutschland wegen ihres Glaubens diskriminiert werden können - beim BDHS ist das aber anscheinend möglich.“
Beim Patronatsfest ermittelte der Sportschützenverein Buschhoven seine neuen Majestäten (v.l.): Schützenkönig wurde Peter Josef Wolff, Schützenliesel ist Tanja Dietzsch, Schülerprinzessin ist Vivian Wolf und Jungschützenprinzessin Julia Overkamp. Der Vorsitzende Marcus Meyer (r.) freute sich mit den Schützen.Foto: JOST
