Praktische Fragen der Flüchtlingsarbeit diskutiert
135 Teilnehmer aus dem nördlichen Rheinland-Pfalz beim Fachtag in Plaidt
KREIS MYK. In der Koordination von Flüchtlingshilfen ist der Austausch ehren- und hauptamtlicher Akteure nach wie vor enorm wichtig. Dazu diente der Fachtag „Integration gemeinsam fördern“ in der Hummerich-Halle Plaidt. Dabei wurden auch sehr kritische Fragen diskutiert.
Der Andrang war groß. Der Erste Kreisbeigeordnete Burkhard Nauroth begrüßte 135 Teilnehmer aus sieben Landkreisen und der Stadt Koblenz. Nauroth informierte über konkrete Maßnahmen, die die Kreisverwaltung zur Förderung der Integration der Geflüchteten durchführt wie die frühzeitige Einrichtung der Koordinierungsstelle Flüchtlingshilfen, die Projekte MiKo-MYK (Migration und Koordination) oder LQA (Leben, Qualifizieren, Arbeiten). Da Integration nur vor Ort in den Kommunen stattfinden könne, habe der Landkreis schon seit zwei Jahren eigene Förderkonzepte entwickelt. Das Gelingen der Arbeit der hauptamtlich Tätigen sei dennoch im Wesentlichen vom unterstützenden Engagement der ehrenamtlichen Betreuer abhängig: „Integration ist ein wechselseitiger Prozess, der Anstrengungen von der Aufnahmegesellschaft aber auch von den Migranten verlangt. Die Geflüchteten müssen sich aktiv am Integrationsprozess beteiligen. Ohne Ihre Unterstützung und ohne die enge Verzahnung der haupt- und ehrenamtlich Engagierten wird uns dies nicht gelingen.“
Ausgerichtet wurde der Fachtag unter der Federführung des Projekts MiKo-MYK der Kreisverwaltung Mayen-Koblenz mit der Landeskoordinierungsstelle „Aktiv für Flüchtlinge in RLP“ und dem Arbeitskreis Asyl Rheinland-Pfalz
Jörgpeter Stahr, Leiter der BAMF-Außenstelle in Bingerbrück, berichtete über Maßnahmen, um die „Antragsflut“ zu bearbeiten: Das Personal wurden vervierfacht, Asylverfahren beschleunigt, Aufgaben und Arbeitsschritte geteilt und delegiert. Die Zahl der Asylentscheidungen konnte deutlich erhöht werden. Kritisch hinterfragt wurde, warum viele Originalpässe im BAMF „verloren“ gingen, warum Syrern oftmals nur noch der subsidiäre Schutz erteilt wird einige Bescheide offensichtliche Fehler aufweisen. „Dass auch Fehler gemacht werden, bleibt bei der hohen Zahl der Entscheidungen nicht aus“, so Stahr, „jeder kann jedoch – wie gegen jede behördliche Entscheidung - auch gegen die Entscheidung des BAMF im Bedarfsfall vorgehen.“ Trotz der getroffenen Maßnahmen sei noch viel zu tun, denn bis Ende März will man über alle offenen Asylanträge entschieden haben.
Alltagsfragen der Flüchtlingshilfe
Drei Thementische widmeten sich ganz praktische Alltagsfragen der Flüchtlingshilfe. Der Psychologe Arnd Görres von der Lebensberatungsstelle des Bistums Trier in Mayen informierte über Grundsätze der Traumapsychologie. Sein Tipp: „Versuchen Sie nicht, mit den Betroffenen das Trauma aufzuarbeiten. Sinnvoller ist es, sich in Traumaschulungen weiterzubilden und so sicherer im Umgang mit traumatisierten Menschen zu werden.“
Bernd Drüke, Psychologe und Mitarbeiter in der gab Empfehlungen, wie man auch in stressigen Phasen der Integrationsarbeit weiterhin die Motivation und die Kraft für die Arbeit erhalten kann. Andreas Hesse, Ex-Manager und Doktorand der European Business School in Wiesbaden, untersucht in seiner Doktorarbeit die Wirkung und den Nutzen von neuen Medien in der Flüchtlingshilfe. Er stellte die Onlineplattform „Netzwerk Flüchtlingshilfen“ vor und erläuterte die Vorteile einer gemeinsamen Wissensdatenbank und Austauschplattform: „Social-Media-Plattformen wie das ´Netzwerk Flüchtlingshilfen“ der Kreisverwaltung vereinen viele beteiligte Menschen und Institutionen in komplexen Themen und verbessern so die Zusammenarbeit und das Wissensmanagement für haupt- und ehrenamtlich Engagierte in der Flüchtlingshilfe. Das Internet kann die Flüchtlingsarbeit sinnvoll unterstützen, wenn es richtig genutzt wird“, so Hesse. Gregor Hülpüsch, Mitarbeiter beim Caritasverband Koblenz, berichtete über Hindernisse, bei der Aufnahme einer konkreten Arbeits- und Ausbildungsstelle. Sei es bei der Beantragung einer Arbeitserlaubnis oder bei der Erläuterung der Rechte und Pflichten, die sich aus dem Arbeitsvertrag ergeben. Ohne die Unterstützung von Ehrenamtlichen würden viele Arbeitsverträge gar nicht zu Stande kommen: „Lassen Sie den Geflüchteten nicht alleine zum Vorstellungsgespräch gehen und bereiten Sie die Arbeitgeber frühzeitig darauf vor, dass es in den ersten Wochen zu beiderseitigen Missverständnissen kommen kann, bis es richtig rund läuft.“ Im vierten Teil der Veranstaltung wurden in einer Podiumsdiskussion mögliche „Grenzen der Solidarität zwischen Geflüchteten und den Flüchtlingshelfern aufgezeigt. Wie spreche ich Gewalt gegen den Ehepartner an? Was mache ich, wenn jemand gar kein Deutsch lernen will? An wen wende ich mich, falls ich das Gefühl habe, dass sich jemand radikalisiert? Die Podiumsteilnehmer gaben hierzu jeweils Tipps und nannten mögliche Beratungsstellen. Die Moderation des Fachtages übernahm Dr. Ralf Sänger, Mitarbeiter im „Institut für Sozialpädagogisch Forschung in Mainz“: „Insgesamt konnten wir den Teilnehmern viele hilfreiche konkrete Informationen aus erster Hand bieten. Es ist erstaunlich, wieviel Fachwissen einzelne Ehrenamtliche bereits mitbringen. Die Komplexität des Themas erfordert, dass Informationen gerade in solchen Fachveranstaltungen gebündelt werden.“
Großer Andrang beim Fachtag. Darüber freuten sich v.l.n.r. Arnd Görres (Leiter Lebensberatung Mayen), Jörgpeter Stahr (Leiter BAMF-Außenstelle Bingerbrück), Carmen Dreyer, Abteilungsleiterin Kreisverwaltung Mayen-Koblenz), Gregor Hülpüsch (Projektleiter „FAiR“ im Caritasverband Koblenz), Bernd Drüke (Landeskoordinierungsstelle „Aktiv für Flüchtlinge RLP“), Michael Kock, Flüchtlingskoordinator, Erster Kreisbeigeordneter Burkhard Nauroth, Anette Feilen Referatsleiterin KV), Werner Hehl (Initiative „Fremde werden Freunde Pellenz“), Moderator Ralf Sänger.
