Event-Premiere auf der Hermann-Geisen-Straße war ein großer Erfolg
Pralles Leben beim „Vorhofflimmern“
Höhr-Grenzhausen. Hermann Geisen kam 1899 in Grenzhausen auf die Welt. Er lernte den Beruf des Keramikers. 1933 flieht er vor den Nationalsozialisten, zuerst ins Saargebiet, dann nach Frankreich. Im Spanischen Bürgerkrieg kämpfte der Westerwälder gegen die Franco-Putschisten. 1941 fällt er in Belgien den Nationalsozialisten in die Hände und wird 1943 in Berlin-Plötzensee hingerichtet. In Höhr-Grenzhausen ist eine Straße nach ihm benannt, die Hermann-Geisen-Straße. „Pasaremos - wir werden es schaffen!“ war der Leitspruch des Freiheitskämpfers. „Pasaremos“ hatten sich auch die Geschäftsleute in der Hermann-Geisen-Straße gedacht, die dort am vergangenen Samstag eine Veranstaltung völlig neuen Typs Premiere feiern ließen: das „Vorhofflimmern im Herzen Grenzhausens“.
Was sich zunächst wie ein Herzfehler anhört, wird von den Machern ganz anders interpretiert: „Vorm Hof, also auf der Straße, flimmert es, also da ist mächtig was los!“, sagen Birgit Weiler von der gleichnamigen Metzgerei und dem Bistro Tafelglück und Nicole Thoss von „Fundstücke“, zwei der Organisatorinnen. Zu „Fundstücke - Altes neu entdeckt“, gehört noch Susanne Altzweig dazu. Zur Metzgerei noch Peter Weiler und Susanna Schaub-Weiler. Weitere teilnehmende Geschäfte sind der Bioladen „Kornecke“ von Judith Schiesser, die Galerie H1 - Buch & Kunst von Thomas Röttcher, die spanische Taberna Espanola von Bastian und Rosa, das Friseurgeschäft „Freestile by Jaz“ von Jasmin Letschert, die Buchbinderin Cornelia Kurtz.
In der Ankündigung ihrer Veranstaltung hatten die Geschäftstreibenden in der Hermann-Geisen-Straße fast schon poetische Worte für ihre Titelgebung gefunden: „Wer zur richtigen Zeit in die Hermann-Geisen-Straße gerät, der begreift schnell, dass er hier, im Herzen Grenzhausens, am richtigen Ort ist, dass etwas in der Luft liegt, dass das Miteinander friedlich flimmert und vibriert ... und das darf ordentlich gefeiert werden! Deshalb: alle raus auf diese Straße!“ Und dem Aufruf folgten unglaublich viele Menschen. Am Samstagnachmittag war die Hermann-Geisen-Straße ähnlich voll mit fröhlichen Gästen wie der Kölner Hauptbahnhof an manchen Messetagen.
Ab 11 Uhr am Vormittag durfte die Hermann-Geisen-Straße für den Autoverkehr gesperrt werden und die Straßenfest-Macher konnten mit dem Aufbau beginnen. Vor jedem Geschäft standen Tische, Stühle und manchmal sogar bequeme Polstermöbel zu bequemen Sitzen auf der Straße. Das Wetter machte auch, was die Veranstalter sich erbeten hatten: die Sonne schien aus Leibeskräften und ermöglichte ein Open-Air-Straßenfest vom Feinsten. Wirklich gerechnet mit einem so großen Andrang beim ersten „Vorhofflimmern“ hatten Birgit Weiler und Nicole Thoss nicht. Sie sagen: „Wir wurden tatsächlich positiv überrascht!“ Für die kleinsten Besucher war eine Kinderspielecke im Freien eingerichtet worden, durch die Gasse schlenderten zwei engagierte Straßenmusikanten aus Freiburg. Und am Nachmittag erfreute der Hillscheider Projektchor die Menschen auf der Straße mit seinen Liedern. Für das Kulinarische war reichlich gesorgt, von Kaffee und Kuchen über Bratwürstchen, vegetarische Suppe, Sangria und Cocktails bis zu original spanischer Paella.
Nach dem ganzen Spaß auf der Gass ging die Party weiter im Café Libre. Das kleine Lokal in den Räumen der ehemaligen Merkelbach-Manufaktur liegt zwar etwas abseits, nämlich ums Eck in der Brunnenstraße, „gehört aber irgendwie mit dazu“, sagt Birgit Weiler im Gespräch mit „BLICK aktuell“. Ab 20 Uhr wurde dort nochmal ordentlich aufgespielt: Sängerisch und musikalisch anspruchsvoll, und doch nicht immer ganz ernst gemeint, brachten die „Weichspieler“ aus Bonn Hits aus Heavy Metal, Hardrock, Grunge und Punk zu Gehör. Insgesamt sind die Veranstalter sicher: „Hermann Geisen wäre sicherlich stolz auf dieses vielfältige Miteinander in seiner Straße. Er setzte sich immer wieder vehement für Freiheit, Menschlichkeit und Solidarität ein.“ Das Gemeinsame ihrer Veranstaltung wollen die Grenzhäuser Geschäftsleute auch in Zukunft pflegen. Sie haben schon eine Internetseite mit dem Namen „Streifzug Grenzhausen“ gebaut. Auch, um den Tourismus noch zu steigern, der für Höhr-Grenzhausen eine große Rolle spielt.
Ein munteres Völkchen, die Geschäftsleute in der Grenzhausener Hermann-Geisen-Straße.
Die Straßenmusikanten Beni und Taio aus Freiburg trugen musikalisch zum Vorhofflimmern bei.
Die Kinder hatten ihren Spaß in der eigens für sie eingerichteten Spielecke in der Hermann-Geisen-Straße.
