Rathaussturm in Unkel
Prinzessin Hannah I. eroberte mit närrischer List und Tücke Rathaus
Auch als selbsternannter Wildschütz konnte Gerhard Hausen seinen Sessel nicht verteidigen
Unkel. „Leev Fraulöck, leev Kääls! Ech han jehürt, dat de Jecke met ihrem janze Schmölzje et aale Rothuus von Unkel am Sonndaach noh de Kölsche Mess erobere wolle. Ävver dat losse mer net zo, dat mösse mer op jede Fall verhindere. Dröm mööt Ihr all helefe, us Rothuss ze verteidije“, hatte der Bürjemiester von de Rhing- und Wing-Stadt, Gerhard Hausen, wie jedes Jahr vor dem traditionellen Rathaussturm um Hilfe gefleht. „Mer han uch ze baschte ze drenke, domet ihr joode Stimmung krije dät und düchtich verteidije könnt“, hatte der grünberockte Oberschraat versprochen. Auf besonders fruchtbaren Boden waren seine Versprechungen jedoch nicht gefallen. Gekommen waren natürlich sein Erster Stellvertreter, „Rat-Hausmeister“ Wolfgang Plöger, und sein Nachbar, Verbandsbürgermeister Karsten Fehr im Ringelhemdche sowie ein kleines Häufchen ruder und schwatter Clowns, Hexen und Musketiere, Hippies, Ritter und Piraten. Große Chancen, seinen Sessel gegen die Heerscharen von Hannah I. „aus dem hause Kröll“ zu verteidigen, konnten ihm da nicht eingeräumt werden.
Die versammelten sich da schon nach der von Pfarrer Herbert Breuer zelebrierten Kölschen Mess vor Sankt Pantaleon, um sich vom Musikkorps der KG vor das Rathaus führen zu lassen. Dort wurden die „leev Jecke op d’r Strooss“ um den Vorsitzenden Manfred Himmelbach, allen voran natürlich de jecken Wiever von de Herzblättche, de Unkelsteincher un de Heisterer Möhne“ von Gerhard Hausen begrüßt, ohne dass dieser registrierte, dass et Leevste, wat Unkel zur Ziet zu bete hät, die Tollität mit ihren Pagen, samt Präsident Markus Winkelbach durch Abwesenheit glänzte.
„Hier steh´ ich voller Selbstvertrauen, lass´ mir nicht mein Rathaus klauen, ich, der erste Jäger uns’rer Stadt, ich, der Waidmann Hausen Gerhard, mach Euch Angreifer einfach platt“, schmetterte er den Aufständigen trotzig entgegen. „Von hier, dem Forsthaus Hausenau, mach´ ich ganz ohne große Schau, jeden Widerstand zur Sau!“, behauptete er scheinbar siegessicher. Dabei griff er auf eine Politikern nur zu bekannte List zurück: Gegner mit ellenlangen Worthülsen so einzulullen, dass die von ihren Plänen ablassen.
„Forsthaus Hausenau“ nicht kampflos hergeben
„Wo Ihr auch steht, liegt oder sitzt, stets bin ich so sehr gewitzt, dass meine Büchse treffend blitzt. Jeder Schuss der sitzt, so dass Ihr Blut und Wasser schwitzt. Was vor die Flinte mir gerät, wird zack, zack von mir umgemäht!“, warnte der selbsternannte Ginsterjäger völlig büchsenlos die Karnevalisten. Als er dieses Manko erkannte, befahl der Wortakrobat: „Der Rathaussturm, der wird Euch nicht gelingen! Man mag mir meine Flinte bringen. Über Kimme, über Korn, nehme ich Euch Alle da vorn, zielgenau in mein Visier. Was Euch bleibt, ist – Hasenpanier!“, höhnte er aus seinem Bürofenster hinaus, um umgehend mit seiner Munition zu prahlen. Die sei aus ganz besonderem Saft und besitze deshalb Zauberkraft, weil sie fair gehandelt worden sei, pries er seine Mango-Fruchtgummis und Schokokugeln. „Ihr wollt aus meinem Revier mich treiben, wollt Euch das Rathaus einverleiben. Ihr wollt an meine Kasse fassen, den Stadtsäckel räuberisch verprassen! Könnt´ nicht verhehlen, dass Ihr den Stadtschlüssel möchtet stehlen“, stellte Gerhard Hausen zurecht fest, um den Belagerern dann zu erklären: „Zu allem steh´ ich hier bereit, bei lecker Kölsch und bei Schabbau, hier im Forsthaus Hausenau! Bedenkt nur, Jagdfürst Gerhard schießt stets scharf. Waidmannsheil und Unkel – Alaaf!“
Überaus geduldig hatte die Narrenschar diese 20-minütigen Tiraden des Reimmonsters über sich ergehen lassen. Dann forderte der Vorsitzende ebenfalls in geschliffener Versform: „Mensch Gerhard, hör doch auf zu schwätzen und häng die weiße Fahne raus. Viele Karnevalisten stehen hier vor dem ehrenwerten Haus!“ Natürlich bleib es nicht aus, dass sich Manfred Himmelbach auch dem grünen Outfit des Stadtchefs widmete. „Die Meldung schlägt schon hohe Wogen: Bürgermeister hat schon zukünftige Freizeitkleidung angezogen!“ höhnte er. Gerhard Hausen wolle wohl schnell nach Hause gehen, um mit Günter Küpper im Wald nach Wildschweinen zu sehen. Aber auch die Amtsstubenhocker bekamen ihr karnevalistisches Fett als „Humor-Vernichter“ weg, die man als passionierte Büroschläfer wecken müsse.
Durch die Hintertür
Für diesen Zweck hatten die Karnevalisten dieses Jahr Fremdenlegionäre aus dem fernen Iserlohn angeheuert, die mit ihrem „Paulinchen“ eine Kanone mitgebracht hatten. Der Donner dieses Mords-Geschützes ließ nicht nur das Rathaus, sondern vor allem dessen Insassen erbeben. „Mensch Hausen, bei dem Geschrei und Krach, schau dich mal um, werd endlich wach!“, forderte Manfred Himmelbach. „Kanonen und Truppen, die brauchen wir nicht mehr hier. Wir kommen auch so ins Rathaus und zwar durch die Hintertür“, erklärte er, während sich bei diesen Worten in der ersten Etage zwei Fenster öffneten, aus denen Hannah I. und ihre Pagen, Ayla Brown und Lana Willburger, zusammen mit dem KG-Präsidenten den Karnevalisten fröhlich zuwinkten. „Mensch Hausen! Ist es bei dir noch nicht angekommen? Wir haben das Rathaus doch längst eingenommen“, klärte der KG-Vorsitzende den roten Waidmann auf, bevor er seine Heerscharen aufforderte: „Wir gehen jetzt rein. Die Tür ist eh schon auf!“ Als Bürgernaher-Kommunalpolitiker auf Transparenz bedacht, wollte der Ginsterjägers die Schlüsselübergabe jedoch nicht klammheimlich im Ratssaal vollziehen, sondern seine erneute Niederlage öffentlich bekennen. Entsprechend erschien er nach der Besetzung des Schraatetempels, en wiesses Spitzenbützje schwingend, mit dem charmanten Dreigestirn auf der Rathaustreppe, wobei er sich ganz offensichtlich immer noch immer nicht von dem Schlüssel der Stadt trennen konnte.
DL
Strahlend zeigte sich Hannah I. mit Ayla Brown und Lana Willburger sowie dem KG-Präsidenten über den verdutzten Ratshausverteidigern.
