Rathaussturm in Erpel
Prinzessin Martina I. entriss Cilly Adenauer die Macht
Auch die Unterstützung ihrer drei Kollegen und von VG-Chef Karsten Fehr war beim Rathaussturm nicht von Erfolg gekrönt
Erpel. Der würzige Duft von „Ätzesupp“ umwehte am Sonntagvormittag das Rathaus der Alten und Freien Herrlichkeit Erpel. Ex-Prinz Oli I. hatte die Gulaschkanone der Stadtsoldaten angeschmissen, damit seine Kameraden nicht darben mussten nach getaner Arbeit. Und wie die aussah, dass wusste Bürgermeisterin Cilly Adenauer aus leidvoller Erfahrung, stand doch eine Woche vor dem Karnevalszug der Großen Erpeler KG traditionell der Ratshaussturm auf dem närrischen Programm. Während sich jedoch die Jecken um Prinzessin Martina I. in der nahen Kirche bei Pfarrer Günter Lülsdorf den Ablass für ihren Staatsstreich abholten, hatte die kämpferische Orts-Chefin Verstärkung zusammengetrommelt, hatten ihre Beigeordneten Gisela Stahl, Heinrich Holkenbrink und Friedel Witten in den Vorjahren als Verteidiger doch kläglich versagt.
Als erster war der Bruchhausener Panzerknacker Markus Zimmermann eingetroffen, bevor sein Kollege aus Rheinbreitbach, der kurfürstliche Schultheiß Wolfgang Gisevius, mit dem Unkeler Stadtchef Gerhard Hausen einlief. Ja sogar der Unkeler Verwaltungs-Oberschraat, Karsten Fehr, hatte vorzeitig seinen Urlaub beendet, um, wenn auch noch sonnenbebrillt in Ferienstimmung, der kleinsten Bürgermeisterin des Landkreises unter die Arme zu greifen.
Die verrammelte schnell die Rathaustür, als Stadtsoldaten-Kommandant Felix Weber seine Heerscharen sammelte, darunter auch die Möhnen des Ortes wie die aus Heister, um die Regentin mit ihrem Hofstaat abzuholen. Das bot den Verteidigern die Möglichkeit, sich zu bewaffnen. Während die Bürgermeister aus dem Tal mit einer Staubbiene an langen Stiel, einem Besen und einem Staubwedel in die Schlacht rücken wollten, hatte sich Markus Fischer einen langen 36-er Schraubschlüssel besorgt. Friedel Witten wiederum setzte angesichts der Wasser verschmähenden Karnevalisten auf eine Feuerwehr-Handpume, deren Schlauch er seiner Chefin überließ.
Die baute sich, ihre Verteidiger im Rücken, vor der Rathaustür auf, als ihr um 11.11 Uhr jecke Tön des Tambourcorps das Nahen von Martinas Heerscharen ankündigten, während sich die Heimatordensträger „Alt-Erpilla“ längst im Ratssaal verschanzt hatten. „Gib den Schlüssel freiwillig raus. Du hast doch eh keine Chance“, mahnte Felix Weber, nachdem seine Stadtsoldaten Stellung bezogen hatten. Dieser noch relativ freundlichen Aufforderung wollte Cilly Adenauer aber nicht nachkommen. „Ich werde den Teufel tun, aber ich habe einen Vorschlag für Euch“, entgegnete sie. Was sie den Karnevalisten anbieten wollte, ging jedoch im Donnern und Krachen der Böllerschüssen und Kanonenschläge unter. Die erinnerten den belesenen VG-Chef an „Viel Lärm um nichts“, aber da machte Felix Weber Ernst und befahl den Angriff.
Dem geballten Elan der Stadtsoldaten konnten die Verteidiger nur kurz standhalten, so dass Cilly Adenauer schon nach wenigen Minuten Martina I. den Schlüssel des Ortes aushändigte. Die zog mit ihrem Hofstaat die Treppe hinauf zum Balkon des Rathauses, um von dort Kamelle und andere Süßigkeiten auf ihre jüngste Gefolgschaft herabregnen zu lassen, bevor sie in den Sitzungssaal einzog und als unumstrittene Herrscherin von Erpel vor Kopf am Ratstisch Platz nahm. Begrüßen konnte die abgesetzte Orts-Chefin an diesem auch ihren Vorgänger im Amt, Edgar Neustein, Alt-VG-Chef Werner Zimmermann, Pfarrer Günter Lülsdorf und die Ordensträger um Kapitelsprecher Gregor Noll sowie mit Angela und Ursula Dung die beiden „jüngsten“ Ordensträgerinnen, die Martina I. flankierten. „Der solidarische Schulterschluss meiner Kollegen und von VG-Chef Karsten Fehr hat nichts gefruchtet. Deshalb gilt mein besonderer Willkommensgruß natürlich unserer Prinzessin, der charmanten und humorvollen Vertreterin der GEK“, hob Cilly Adenauer hervor. Leider sei ihr demokratischer Vorschlag ja brutal abgewürgt worden, die Karnevalisten sollten bei den Kommunalwahlen in zwei Jahren als Sammelbecken für unzufriedene Jecken als eigenständige Partei antreten und dann selber den Bürgermeister stellen, bedauerte sie. „Dann könntet Ihr Euch den Rathaussturm sparen und das ganze Jahr über alles auf den Kopf stellen. So müsst Ihr jetzt wenigsten dafür sorgen, dass bis Aschermittwoch im Ort nur noch gelacht, geschunkelt und gefeiert wird“, forderte die entmachtete Bürgermeisterin.
Das sagte ihr Martina I. gerne zu. „Zuwiderhandlungen werden am Samstagmittag beim Pitter om Maat vors Hohe Gericht gebracht, wo unserer Staatsanwälte Jörg Buchmüller und Hansi Freund gnadenlos hohe Strafen für Miesepeter und Muzebüggel von Richter Werner Henneker fordern werden“, so die Prinzessin, die den Pflichtverteidigern Uwe Kochems und Kai Kruse keine Aussichten auf Erfolg machte. Für sie sei ein Traum in Erfüllung gegangen, so die Prinzessin, bevor sie sich nach Angela und Ursula Dung in das Goldene Buch des Ortes eintrug, während Günter Witten und Bernd Süßmilch jecke kölsche Leedcher anstimmte.
DL
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