In Bad Ems strömten Menschen aus vier Richtungen in die Kirche
Religionen vereint im Gebet für den Frieden
Bad Ems/Rhein-Lahn-Kreis. Eine Sure aus dem Koran wird in einer christlichen Kirche gesungen. Für viele Besucher war das einer der bewegendsten Momente beim diesjährigen Sternmarsch für den Frieden in Bad Ems. Gleich fünf Gemeinden unterschiedlicher Glaubensrichtungen beteiligten sich daran sowie der Migrationsbeirat des Rhein-Lahn-Kreises.
Die katholische und die evangelische Kirchengemeinde, die russisch-orthodoxe Gemeinde, die jüdische Gemeinde und die Ahmadiyya-Gemeinde kamen aus allen Himmelsrichtungen mit Kerzen in der Hand zur katholischen Martinskirche spaziert. „Was gibt es Besseres, als in diesen Zeiten für den Frieden auf die Straße zu gehen und zu beten“, sagte der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz, warum er mit Landrat Frank Puchtler und rund 200 anderen Menschen teilnahm. Dass sich Religionen so einträchtig für den Frieden stark machen, sei zudem ja keine Selbstverständlichkeit. „Dass wir hier gemeinsam zum Frieden aufrufen und beten, das ist ein schönes und gutes Zeichen.“ An die viel gestellte Frage, wie Gott so viel Gewalt in der Welt zulassen könne, erinnerte Dr. Hildegard Simons, als sie die Besucher in der katholischen Martinskirche mit aktuellen Zahlen über Kriege, Opfer und gewaltsame Konflikte in der Welt begrüßte.
„Wie kann der Mensch das zulassen?“
„Wie kann der Mensch das zulassen?“, müsse die Frage richtigerweise lauten, so Simons, die den Sternmarsch mit den Vertretern der katholischen, evangelischen, russisch-orthodoxen, jüdischen und muslimischen Gemeinde sowie des Beirats für Migration und Integration des Rhein-Lahn-Kreises organisiert hatte. Das hebräische Wort Schalom zeigt, wie vielfältig die Bedeutung von ,Frieden‘ ist“, sagte der katholische Pfarrer Michael Scheungraber. Es meine Unversehrtheit und Heil, aber auch: Gesundheit, Wohlfahrt, Sicherheit, Ruhe und eben Frieden. „Schalom ist mehr als nur ein wünschenswerter Zustand der einzelnen Person und zwischen Menschen. Es meint auch: wir sind dazu berufen, diesen umfassenden Frieden täglich neu zu schaffen.“
Pfarrerin Jasmin Schönemann-Lemaire erklärte: „Frieden schaffen ist Arbeit. Wer Frieden schafft, erfüllt den Auftrag Gottes. Deshalb sollen wir einander vertrauen, weil Vertrauen die Grundlage unseres Zusammenlebens als Menschen ist“. Es sei nicht naiv, sondern normal, als Norm festzuhalten, ohne Angst über einen Weihnachtsmarkt laufen zu können. Werde dieses Vertrauen aufgeweicht, stehe der Frieden auf dem Spiel. „Deshalb müssen wir allen wehren, die dieses Vertrauen zersetzen“, so die evangelische Theologin. „Frieden schaffen ist unsere Arbeit. Packen wir’s an!“ Gebete und Psalmen in deutscher, hebräischer und arabischer Sprache, Gesänge der russisch-orthodoxen Gemeinde, Fürbitten der christlichen, jüdischen und muslimischen Teilnehmenden schlossen sich an, während in den Bankreihen zwischen Kindern und Erwachsenen die Kerzen für den Frieden leuchteten. Musikalisch wurde das Friedensgebet erstmals auch von der Kolping-Band Nievern-Fachbach-Miellen unter der Leitung von Stephan Denk begleitet. Der von Bezirkskantor Lutz Brenner an der Orgel begleitete Gemeindegesang fiel ebenfalls mehrsprachig aus. Auch das hebräische „Shalom aleichem“, mit dem sich Juden grüßen und das bedeutet „der Friede sei mit euch“, erklang dabei in der katholischen Kirche und wurde unter den Teilnehmenden auf den Heimweg weitergereicht.
Pressemitteilung
Dekanat Nassauer Land
In der katholischen Martinskirche kamen alle zum Gebet zusammen.
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