Allgemeine Berichte | 26.03.2019

Verkehrsminister Dr. Volker Wissing traf sich in Koblenz auf der Südbrücke mit Mitarbeitern des Landesbetriebs Mobilität

„Respekt. Bitte!“

Vor den Containern des LBM-Baubüros: v li. Wolfgang Breidtscheidel,Dieter Gras, Volker Wissing, Stephan Waldecker, Bernd Winkler. Fotos: BSB

Koblenz. Zuständig für die Planung, den Bau und den Unterhalt des mehr als 18.000 Kilometer umfassenden Straßennetzes in Rheinland-Pfalz ist der Landesbetrieb Mobilität („LBM“). Rund 3.800 Mitarbeiter sind im Einsatz, um Autobahnen, Bundes-, Landes- und Kreisstraßen und auch Radwege inklusive aller Tunnel, Brücken, Stütz- und Lärmschutzwände fit für den Verkehr zu machen.

Oftmals gefährliche Arbeit trifft nicht immer auf Verständnis

Die oftmals gefährliche Arbeit, die Straßenwärter und Bauaufseher erbringen, um einen verkehrssicheren Betrieb zu gewährleisten, trifft bei Autofahrern allerdings nicht immer auf Verständnis. Baustellen und damit einhergehende Staus zerren an den Nerven. Der entstehende Frust wird an den LBM-Mitarbeitern ausgelassen. Sie werden „angepöbelt, beschimpft und manch einer lenkt sein Auto bewusst mit extrem wenig Abstand an ihnen vorbei“, informiert das Verkehrsministerium, das dem Verhalten entgegensteuernd jetzt die Regierungs-Kampagne „Respekt. Bitte!“ begleitet, mit der für mehr Respekt gegenüber Mitarbeitern im öffentlichen Dienst und Verständnis für ihre Arbeit geworben werden soll.

In diesem Zusammenhang traf sich Verkehrsminister Dr. Volker Wissing jetzt in Koblenz mit Mitarbeitern des Landesbetriebs an der auf der Südbrücke bis mindestens 2021 eingerichteten Baustelle auf der Bundesstraße 327, wo gerade die Außenkappen der Brücke erneuert werden. Die fast täglichen Anfeindungen mit zunehmender Aggressivität stellen hier wie dort eine unerträgliche Situation dar. In Anbetracht dessen, was die Arbeiter mit hohem persönlichen Einsatz für die Allgemeinheit leisten, ist das mehr als respektlos. Dass ein Stau und damit ein Zeitverlust kaum Freude bringt, ist jedem klar. Doch Wissing betonte, wie wichtig die Einhaltung von Geschwindigkeitsbegrenzungen, insbesondere an Baustellen ist, wo sie in erster Linie zum Schutz der Mitarbeiter eingerichtet werden. Auf der Südtangente gilt derzeit ein Tempolimit von 40 km/h. Das verlangt das Arbeitsschutzrecht aufgrund des geringen Abstands zwischen Verkehr und Baustelle, erklärt Bernd Winkler, Geschäftsbereichsleiter Planung/Bau beim LBM Koblenz.

Emotionen kochen schnell hoch

Die Reduzierung von drei auf zwei Fahrspuren, die zudem verengt sind, wirkt gerade im Berufsverkehr als Stauverursacher. Da kochen die Emotionen schnell hoch, wie Dieter Gras, Streckenwart bei der Straßenmeisterei Koblenz, berichtet. Seit dreißig Jahren macht er den Job des Wächters über die Verkehrssicherheit auf rund 150 Kilometern Straße. Mit hohem Risiko für seine eigene Gesundheit, denn die Arbeiten auf der Straße bei laufendem Verkehr sind mitunter lebensgefährlich, besonders wegen der zunehmend „rücksichtslosen Raserei“. Dagegen sind Hupen, Beschimpfungen und der gezeigte Mittelfinger verhältnismäßig harmlos im Alltag auf der Straße.

Obwohl Gras sich in dieser Hinsicht ein dickes Fell zugelegt hat, empfindet er das Verhalten als rüpelhaft. Manche Autofahrer regen sich über die Nebenwirkungen einer Baustelle derart auf, dass sie sogar anhalten und den Verkehr damit noch mehr blockieren. Wenn Gras gerufen wird, um einen Schaden zu beheben, oder ein Hindernis auf der Straße zu beseitigen, erlebe er, sobald sich ein Stau bildet, den „täglichen Wahnsinn“. Trotz des mit Leuchtpfeilen und Blinklichtern ausgerüsteten Instandhaltungs-Fahrzeuges könne er sich bei seiner Arbeit nie sicher fühlen.

Warum die Aggression im Straßenverkehr so hoch ist, wird oftmals mit erhöhtem Verkehrsaufkommen und großem Zeitdruck der Fahrzeugführer erklärt. Aber auch die Anonymität spielt vermutlich eine Rolle. Aus dem vermeintlichen Schutz des Autos heraus wird die Wut über die Situation an einem unbekannten Menschen ausgelassen, dem man vermutlich kein zweites Mal Auge in Auge begegnen wird.

Minister Wissing stellt eine zunehmende Emotionalisierung in allen Lebensbereichen fest, was sich besonders in den sozialen Netzwerken bemerkbar mache. Auch den LBM treffen immer wieder regelrechte Shitstorms, in denen sämtliche Mitarbeiter wie Idioten behandelt werden. „Das sind wir nicht!“. Hinter jeder verkehrsrelevanten Maßnahme stehe ein durchdachtes Konzept, und alles habe einen guten Grund, so Wissing.

Transparent sein

Allerdings sind die Zusammenhänge oft sehr komplex und kompliziert, sodass sie nicht allen Verkehrsteilnehmern bekannt sein können. Deshalb rät er, im Zweifel einfach nachzufragen. „Wir bemühen uns, transparent zu sein und zu erklären“, versprach er. Das Bild, das sich genervte Autofahrer vom LBM machen, muss besser werden. Auch „weil der LBM in Zukunft weiterhin Leute haben möchte, die ihre Arbeit gut und gerne machen. BSB

Hier ist deutlich zu sehen, wiedicht die Autos am Baustellenbereich vorbeifahren.

Hier ist deutlich zu sehen, wie dicht die Autos am Baustellenbereich vorbeifahren.

Dieter Gras spricht mit Minister Wissing (re.)über den „täglichen Wahnsinn“ in Baustellenbereichen.

Dieter Gras spricht mit Minister Wissing (re.) über den „täglichen Wahnsinn“ in Baustellenbereichen.

Vor den Containern des LBM-Baubüros: v li. Wolfgang Breidtscheidel, Dieter Gras, Volker Wissing, Stephan Waldecker, Bernd Winkler. Fotos: BSB

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