Allgemeine Berichte | 17.01.2023

Zwei Hilfsvereine aus der Voreifel kooperieren

„Rheinbach hilft“ und „Meckenheim hilft“ kämpfen gemeinsam gegen Krieg und Katastrophen

Derzeit sind beide Hilfsorganisationen hauptsächlich mit der Lieferung von Hilfsgütern in die Ukraine beschäftigt – Gegründet als Antwort auf die Flutkatastrophe

Die beiden Hilfsvereine „Meckenheim hilft“ und „Rheinbach hilft“ machen gemeinsame Sache bei ihren Transporten von Hilfsgütern in die Ukraine. Darüber freuen sich die Vorstandsmitglieder (von links) Peter Zachow, Stefan Pohl, Dr. Brigitte Kuchta, Alfred Eich und Andreas Klassen.  Fotos: privat

Rheinbach/Meckenheim. Ähnlich wie zwischen den beiden benachbarten Großstädten Köln und Düsseldorf gibt es seit jeher auch eine augenzwinkernde Rivalität zwischen den Voreifel-Nachbarstädten Rheinbach und Meckenheim. Gerade während der derzeit herrschenden „fünften Jahreszeit“ müssen die Vertreter der jeweils anderen Stadt bei den diversen Karnevalssitzungen so manche Lästerei ertragen. Doch wenn es um die Hilfe für Menschen in Not geht, sind schnell alle Zwistigkeiten vergessen und mit vereinter Kraft eine schlagkräftigere Organisation auf die Beine gestellt. Seit wenigen Wochen gibt es eine intensive Kooperation zwischen den beiden Vereinen „Rheinbach hilft“ und „Meckenheim hilft“, die darüber hinaus auch noch den Bürgerverein Odendorf aus der benachbarten Gemeinde Swisttal mit ins Boot geholt haben. Gemeinsam wollen sie die Menschen in der Ukraine unterstützen, die durch den völkerrechtswidrigen Angriff von Wladimir Putins Russland in Not geraten sind.

Mehr als 20 Fahrten in die Ukraine organisiert

Schon direkt nach der Starkregenkatastrophe vom Juli 2021 hatte sich eine gigantische Welle der Hilfsbereitschaft auch in den beiden Nachbarstädten aufgetürmt, die allerdings Anfang 2022 an Schwung verloren hatte. Die Arbeit zur Unterstützung der Flutopfer war größtenteils getan, zumindest das, was die ehrenamtlichen Helfer leisten konnten. Doch dann kam Putins Krieg, und die Helferorganisationen konzentrierten sich seither darauf, den Menschen in der Ukraine das Leben während des Krieges so erträglich wie möglich zu machen. Zusammengerechnet haben sie bereits mehr als 20 Fahrten mit Hilfsgütern in das Kriegsgebiet organisiert. Doch mittlerweile kommen beide Hilfsorganisationen an ihre Belastungsgrenze, denn die Touren in die Ukraine Kosten sehr viel Zeit, Personal und auch Geld. Der logische Schritt war deshalb die Bündelung der Kräfte, um gemeinsam die Hilfe für die Ukraine noch effektiver zu gestalten.

Dabei existiert der Verein „Rheinbach Hilft“ erst seit Anfang Dezember, nicht zuletzt zur Abgrenzung gegenüber der lose organisierten „Pallotti-Hilfe“, die von Rheinbachs Altbürgermeister Stefan Raetz direkt nach der Flut gegründet worden war und in der ehemaligen, mittlerweile profanierten und leerstehenden Pallotti-Kirche ihr Zentrum und ihr Spendenlager hat. Das Team um Raetz und Alfred Eich hatte sich zunächst auf die Unterstützung von Flutopfern konzentriert, doch nach dem russischen Überfall auf die Ukraine rückten Hilfslieferungen in die Ukraine mehr und mehr in den Mittelpunkt. „Wir haben den neuen Verein auch gegründet, um uns speziell auf diese Hilfslieferungen konzentrieren zu können“, so Eich, der bei der Gründungsversammlung von „Rheinbach hilft“ zum Vorsitzenden gewählt worden war. Ihm zur Seite stehen Andreas Klassen als Stellvertreter, Manfred Böttcher als Schriftführer und Christoph Hein als Schatzmeister im geschäftsführenden Vorstand.

Neuausrichtung nach der Flutkatastrophe

Die Satzung habe der neue Verein vom bereits existierenden Pendant in der Nachbarstadt übernommen, gibt Eich zu. „Da war alles drin, was wir auch wollten – wir mussten eigentlich nur den Namen ändern“, schmunzelt er. Und weil die Zielrichtungen zu 100 Prozent übereinstimmen, lag es nahe, eine enge Kooperation der beiden Hilfsvereine anzustreben. Stefan Pohl, der Vorsitzende von „Meckenheim hilft“, war direkt Feuer und Flamme, denn auch dieser Verein hatte eine fast deckungsgleiche Entwicklung hinter sich. Unmittelbar nach der Flut hatte Pohl den Verein zusammen mit Dr. Brigitte Kuchta gegründet und Bedarfsgüter des Alltags an Flutopfer aus der ganzen Region verteilt. Auch in Meckenheim hatte die Nachfrage von Flutopfern spürbar nachgelassen, die Spendenlager waren aber noch voll. So war die Neuausrichtung nur logisch, und schon kurz nach Kriegsbeginn startete „Meckenheim hilft“ als eine der ersten Hilfsorganisationen einen Konvoi mit Hilfsgütern in die Ukraine. 17 Fahrten sind es mittlerweile geworden, die 18. ist gerade unterwegs.

Während „Meckenheim hilft“ derzeit nur aus gut 20 Mitgliedern besteht, zählte „Rheinbach hilft“ bereits nach wenigen Wochen 50 Mitglieder, und bis Ostern sollen es 100 werden, so hofft Eich. Zumal es auch schon einen guten Kontakt zum Bürgerverein Odendorf um Dr. Arletta Kössling und Kai Imsande gebe. Denn künftig wolle man sich nicht nur um die Ukraine-Hilfe kümmern, „wir helfen und unterstützen nach wie vor auch Flutopfer.“ Und die nächste humanitäre Katastrophe lasse mit Sicherheit nicht allzu lange auf sich warten, auch da wolle man wieder aktiv werden.

Spendenquittungen können jetzt ausgestellt werden

Der wohl größte Vorteil des mittlerweile beim Amtsgericht eingetragenen Vereins „Rheinbach hilft“ ist es nach Eichs Ansicht, dass auch größere Geldspenden entgegengenommen werden können. Einige Spender hätten warten wollen oder müssen, bis das Finanzamt dem Verein die Gemeinnützigkeit anerkannt habe, was Ende Dezember geschehen sei. Damit könnten auch Spendenquittungen ausgestellt werden. Jedes Mitglied zahlt einen Monatsbeitrag von drei Euro. „Damit sind unsere Grundkosten gedeckt, sodass von 100 Euro Spende auch tatsächlich 100 Euro vor Ort in der Ukraine ankommen.“ Wer Mitglied werden wolle oder Spenden möchte, müsse ihn bloß anrufen unter Telefon (0178) 8 58 84 94, oder auf die Homepage des Vereins www.rheinbach-hilft.de gehen.

Auch Stefan Pohl freut sich über die Zusammenarbeit der beiden Vereine: „Bei der Planung und Umsetzung von Fahrten in die Ukraine ergeben sich auf jeden Fall einige Synergie-Effekte“, weiß er. Auch die Lagerhaltung werde durch die Kooperation wesentlich erleichtert. „Meckenheim hilft“ verfügt über ein 8000 Quadratmeter großes Lager in der Buschstraße 15, das Kapazitäten für weitere Hilfsgüter besitzt. Gemeinsam könnten die beiden Vereine viele gute Dinge bewegen, ist Pohl überzeugt. Schließlich seien die durchgeführten Transporte personal- und zeitintensiv. Allein für die Hinfahrt wie auch für die Rückfahrt müssen jeweils zwei ganze Tage kalkuliert werden, bestens gerne noch zwei bis drei Tage vor Ort dazu. Die Transporte kosten aber auch relativ viel Geld, pro Fahrzeug und Tag müsse man mit 200 Euro rechnen, erklärt Eich. Aus diesem Grunde mache es durchaus Sinn, in Zukunft die Transporte gemeinsam zu planen und in die Tat umzusetzen. „Auch für die Menschen in der Ukraine ist es einfacher, wenn wir mit einem großen Hilfstransport kommen anstatt mit vielen kleinen“, weiß Pohl. Denn die Organisation der Begleitung von der Landesgrenze bis an den jeweiligen Bestimmungsort sei stets mit einem großen organisatorischen Aufwand für die ukrainische Seite verbunden.

Bedarf an medizinischen Hilfsgütern und Feuerwehrtechnik

Derzeit gebe es in der Ukraine enormen Bedarf an warmer Bekleidung und an Stromerzeugern. Zudem werden medizinische Hilfsgüter und Material aus dem Bereich der Feuerwehrtechnik dringend benötigt. Weil diese Hilfe besonders wichtig für die Ukraine sei, gehe „Meckenheim hilft“ gezielt auf die Kommunen in der Region zu, um von dort ausrangierte Feuerwehrtechnik als Spenden zu erhalten, so Pohl. Schließlich habe die russische Armee rund 600 Fahrzeuge der Feuerwehr in der Ukraine gestohlen oder zerstört, und die müssen nun ersetzt werden. Sogar komplette Feuerwehrfahrzeuge und Krankenwagen einschließlich der Beladung, die in Deutschland ausgemustert worden seien, habe man schon in die Ukraine schaffen können, ist Pohl stolz. Doch in der Ukraine brenne es nach den russischen Raketenangriffen an allen Ecken und Enden, da sei jede feuerwehrtechnische Unterstützung Gold wert.

Wer bei „Meckenheim hilft“ Mitglied werden oder Spenden möchte, bekommt die notwendigen Informationen auf der Homepage www.meckenheim-hilft.org.

Volker Jost

Ist die Freude der Menschen in der Ukraine, wenn Hilfslieferungen aus Deutschland eintreffen. Hier bringt Alfred Eich Lebensmittel in die „vergessenen Dörfer“ in der Ukraine.

Ist die Freude der Menschen in der Ukraine, wenn Hilfslieferungen aus Deutschland eintreffen. Hier bringt Alfred Eich Lebensmittel in die „vergessenen Dörfer“ in der Ukraine.

Die beiden Hilfsvereine „Meckenheim hilft“ und „Rheinbach hilft“ machen gemeinsame Sache bei ihren Transporten von Hilfsgütern in die Ukraine. Darüber freuen sich die Vorstandsmitglieder (von links) Peter Zachow, Stefan Pohl, Dr. Brigitte Kuchta, Alfred Eich und Andreas Klassen. Fotos: privat Foto: Volker Jost

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