„West Wood Circle“ unter dem Motto „Deep from the Undergrowth“
Rock-Festival in Quirnbach: Ein Versuch, der Mut erfordert
Die schmutzigen Spielarten des Rock begeistern nicht nur das jüngere Publikum in Quirnbach
Quirnbach. Im beschaulichen 500-Seelen-Dorf Quirnbach wird so mancher der Einwohner gedacht haben, was ist denn hier los, ist der Krieg ausgebrochen? In der Hammelberg-Halle hatten sich vier Bands eingefunden, die – um es vorsichtig auszudrücken – keine Anhänger des Genres der leisen Musik waren. Um es auf den Punkt zu bringen: Es gab voll was auf die Ohren, am Eingang wurden sogar kostenlos Ohrenstöpsel angeboten.
Warum? Der Kulturausschuss der Ortsgemeinde Quirnbach hatte den mutigen Entschluss gefasst, der Jugend (und den Junggebliebenen) Hardcore-Rock in allen Facetten anzubieten. Bei der Namensgebung des Events hatten die Organisatoren mit einem Augenzwinkern aber den regionalen Bezug zum Westerwald hergestellt: Die Veranstalter aus Quirnbach nennen sich „West Wood Circle“, was nichts anderes Westerwald-Kreis heißt. Das Motto des Festivals hört sich schwer nach Wacken an, da es „Deep from the Undergrowth“ lautet, heißt aber frei übersetzt, aus den Tiefen des Unterholzes oder Gestrüpps, womit wieder der Bezug zu unserer waldreichen Region hergestellt ist.
Vier aufstrebende Bands aus der Region
Die Bands, die sich in Quinbach vorstellten, waren: „SARKH“, „Mudfinger“, „Stereolith“ und „Liebe. Frau., Gesangsverein“. Wie sich im Laufe des Abends herausstellen sollte, eine gar vortreffliche Auswahl. Jede Band hatte etwa 45 Minuten Zeit, den begeisterten Besuchern die volle Dröhnung zu verabreichen. Um GEMA-Gebühren zu vermeiden, spielten alle Bands ausschließlich Eigenkompositionen.
„Liebe. Frau. Gesangsverein“ ist eine Band aus der Mittelrhein-Region zwischen Koblenz und Köln. Sie bevorzugen die Richtung des deutschen Post-Punks, ihre deutschsprachigen Indietracks wurden intensiv vorgetragen. Die charismatische Frontfrau Ricarda Giefer hatte hart zu kämpfen, um gegen den mächtigen Sound anzukommen. Doch letztendlich gelang es ihr mit Liedern wie „Nächtliche Gespenster“, „Erfunden“ und „Hier sein ist so schwer“ zu überzeugen.
Stereolith aus Koblenz bevorzugen die Stilrichtung des Stoner-Rocks und des Garage-Rocks. Mit Eigenkompositionen wie „Chain right“, „I don’t mind“ und „Even because“ begeisterten sie die Leute, zum erstmalig konnte im Publikum Headbanging beobachtet werden. Klare Gitarrenriffs, unterstützt von harten Drums, das war eine geniale Mischung.
Mudfinger aus Deesen hatten praktisch ein Heimspiel in Quirnbach, sie brachten auch einige Fans mit. Mudfinger spielt Sludge, eine Mischung aus Hardcore Punk, Doom Metal und Stoner-/Groove-Rock. Leadsänger Marcus begeisterte mit seiner kraftvollen Stimme, zudem kam er vom Äußeren James Hetfield sehr nahe. Die Jungs ließen es im Sinne des Wortes richtig „krachen“, obwohl die Band nur aus drei Mitgliedern besteht.
SARKH aus Hachenburg und Weilburg stellten zunächst vor ihrem Gig die Mikrofone zur Seite, da sie ausschließlich Instrumental spielten. Etwas Mystisches lag in der Luft, als sie zu spielen begannen. Die Halle war abgedunkelt und Nebelschwaden zogen über die Bühne. Die Stilrichtung kann man bei Post-Blackened-Metal ansiedeln, in Verbindung mit atmosphärischen Klängen. Auch ohne Gesang begeisterten die Jungs ihr Publikum, sie waren ein würdiger Abschluss eines Rock-Festivals, das den Nerv und Zeitgeschmack vieler Fans traf.
Quirnbach will sich einen Namen machen
Im Gespräch mit „BLICK aktuell“ erläuterte Thomas Volk, Zweiter Beigeordneter der Ortsgemeinde Quirnbach und Vorsitzender des Kulturausschusses, wie es zu der Idee kam, ein solches Festival zu veranstalten: Auch in ländlichen Gegenden müsse es möglich sein, etwas für die Jugend zu tun, sonst wende diese sich immer weiter von zuhause ab, weil nichts geboten werde. Es wurden bereits in den Jahren zuvor zwei Veranstaltungen organisiert, mal mit Cover-Rock und mal mit Irish-Folk.
Für das kommende Jahr ist möglicherweise eine Mischung aus Mainstream-Rock angesagt. Auf jeden Fall sind die „Macher“ bemüht, in Quirnbach eine Musik-Szene für alle aufzubauen, auch wenn das kein leichter Weg sein wird. Thomas Volk glaubt auf jeden Fall an eine Zukunft, man darf gespannt sein, was den Besuchern im kommenden Jahr geboten wird.
Die dreiköpfige Band „Mudfinger“ hatte ein Heimspiel die Jungs brachten die Bude zum Beben.
„Liebe.Frau.Gesangsverein“ in Concert. Fotos: WR
