Rock am Sumpf bringt den Thürer Dorfplatz zum Kochen
Thür. Im Urlaub verblüfft der Sohn die Eltern mit der Ankündigung: „Ich gründe eine Band.“ Um sie zwei Stunden später ähnlich wortkarg noch mehr zu verblüffen: „Die Band steht.“ Und kein Jahr später feierte diese, Donnerwerk, ihr öffentliches Debüt beim Rock am Sumpf 2026 in Thür. Als Schirmherrn der Veranstaltung versprachen VG-Bürgermeister Jörg Lempertz und für den Kreis Pascal Badziong nicht zu viel, als man den Abend vor Fassbieranstich (Kölsch) eröffnete mit der Aussage, dass die Kombination von jugendlichen und erfahrenen Bands den Erfolg förmlich garantiere.
Es spielten (entgegen dem Logo der Veranstaltung nicht im Sumpf, sondern in der morastfreien Dorfscheune am Gemeindezentrum) bei bestem Wetter vier Bands, alle aus der lokalen Musikszene hervorgegangen – zwei aus dem Mayener Gymnasium, eine aus den Initiatoren des Rock am Sumpf selbst.
Mit Donnerwerk als Opener kam gleich die raueste Band des Abends, etwas rau aus Unerfahrenheit, größenteils aber absichtlich rau. Trockene, harte E-Gitarrenakkorde, bewusst ungeschliffener Gesang - Punk- und Grunge-Einflüsse bestimmten den Sound. Erstaunlich: der Umfang des Repertoires, die Sicherheit vor Publikum und ein souveränes Auftreten des Sängers, dem eine einnehmende Bühnenpräsenz angeboren scheint.
Darauf folgten die Andys – elf Musiker, alleine fünf Sängerinnen und ein Sänger. Ihre Musik als etwas melodiöser und gefälliger zu beschrieben, soll keineswegs ein Werturteil darstellen. Bei der breiten Palette gesanglicher Möglichkeiten und einer Prise Soul und Funk in ihrer Musik überraschte es nicht, dass sie auch ein „Hold The Line“ von Toto coverten.
Die Red Dots als Kultband der Veranstaltung wirkten mit fünf Musikern deutlich kompakter als die Vorgänger, vom Lebensalter her erwachsener und absolut professionell. Bei dem schlackenlosen Auftritt, den knochentrocken und satt sitzenden Grooves zwischen Klaus Lage, Tina Turner und ABBA („Gimme Gimme Gimme“), der flüssigen Moderation und dem gewandten Auftritt der Sängerin könnte man sich diese Formation auch bei Rock am Ring vorstellen. Bloß spielte in Thürer niemand eigene Songs, was dem mitsingbereiten und völlig textsicheren Publikums zupass kam. Das abgegriffene Bild trifft es hier genau: Die Red Dots brachten den mittlerweile absolut gefüllten Dorfplatz zum Kochen.
Die Moonshiners aus Abschluss des Abends boten nochmals eine Steigerung an Groove. Mit Bläsersatz und ihrer Mischung aus Elementen von leichtem Jazz, Latin, Funk und Blues mit denen einer treibenden Rockband verbanden sie wie einst Little Feat zwei Welten miteinander: Verschachtelte Latin-Anklänge trafen auf ein rockiges Nena-Medley - eine seltene Mixtur.
Selten auch, dass in einem recht kleinen Dorf ein Festival aus Eigeninitiative zur Tradition wird, die von 19 Uhr bis nach Mitternacht packende Rockmusik bietet – ehrenamtlich organisiert und für einen guten Zweck: Bei freiem Eintritt geht von jedem Getränk, jedem Essen und vom Verkauf der lila Festival-Armbänder Geld an die Eltern krebskranker Kinder. Der noch junge Bürgermeister Lukas Ellerich war selbst Teil des Teams, das das kleine Festival vor 12 Jahren startete; Mitglieder der Red Dots waren heute zugleich auch noch im exzellent eingespielten Bühnenteam unterwegs, das für sensationell schnelle Umbauten in den Pausen sorgte. Das ist ein Festival made in Thür – und eins, auf das man stolz sein kann.
ML
Veranstalter und Bands freuten sich über das erfolgreiche Event.
Fotogalerie: Rock am Sumpf 2026
Die Benefizveranstaltung "Rock am Sumpf" brachte den Thürer Dorfplatz zum Kochen.
VG-Bürgermeister Jörg Lempertz und Erster Kreisbeigeordneter Pascal Badziong beim Fassanstich. Foto: ML