Interessanter VHS-Vortrag in Rheinbach
„Römisches Leben im Rheinland“
Rheinbach. Für rund 500 Jahre prägte die römische Zivilisation das Leben in Bonn und entlang des Rheins. Aber auch der ländliche Raum im Hinterland der Militärlager, zu dem Rheinbach gehörte, wurde natürlich „römisch“ durchdrungen. Dies und noch viel mehr erläuterte kürzlich im Rahmen eines gut besuchten Vortrags der VHS Meckenheim Rheinbach Swisttal mit Wachtberg die Archäologin Jennifer Morscheiser-Niebergall, die als wissenschaftliche Referentin der LVR-Außenstelle Overath tätig ist. Mit etlichen Grabungen im Rheinland bestens vertraut konnte die Dozentin sehr praxisnah, kenntnisreich und lebendig den heutigen Forschungsstand - auch anhand zahlreicher Bilder - darlegen. Dem interessierten und fachkundigen Publikum - die Veranstaltung fand in Kooperation mit dem Freundeskreis Römerkanal e. V. statt - lieferte die Wissenschaftlerin spannende Informationen.
Landwirtschaft und Raubgräber
Einerseits lag Rheinbach an der Fernstraße Bonn-Trier und war deswegen strategisch wichtig; andererseits war sein Umland aber auch fruchtbar, wasserreich und für die Römer klimatisch begünstigt. 6500 Fundplätze habe man erschlossen, mit einem Schwerpunkt nordwestlich von Rheinbach, wo man fast auf jedem Acker fündig werden könnte: Keramik, Glas, Münzen, Schmuck, Grabbeigaben. Luftaufnahmen und Ausgrabungen brächten dort erstaunliche Details zutage: Fruchtbare Sommer und schneereiche Winter sind noch heute an Bodenschichten erkennbar, ebenso Speicher- und Transportmethoden, einzelne Hofgüter, aber auch Streifenhaus-Straßen, und natürlich Wehr- und Wachtürme. Leider, so die Dozentin, seien dort aber auch Raubgräber tätig. Binnen weniger Generationen habe sich die ursprünglich keltische Bevölkerung romanisiert, und das hieß auch römische Sprache und Schrift angenommen, wie Grabsteine und Heiligen-Inschriften erkennen lassen. Der Abend im besten VHS-Stil endete mit einem angeregten Gedankenaustausch zwischen der Archäologin und dem Publikum.
