Auch dieser Charakterhund soll die Chance auf ein schönes neues Leben erhalten
Rottweiler Moppel „plumpst“ ins Mayener Tierheim
Zum Glück fehlt ihm eigentlich nur noch das richtige Zuhause
Mayen. Mit Rottweiler Moppel ist vor rund drei Wochen ein echtes Schwergewicht ins Mayener Tierheim eingezogen. Ganze 89 Kilo wiegt der sieben Jahr alte Rüde - sowas hatten die Tierschützer auch noch nicht gesehen. Moppel`s Besitzerin war gestorben und ihre Tochter, die mehrere Autostunden entfernt lebt, konnte ihn aufgrund ihrer Wohnsituation nicht bei sich aufnehmen. Da im Mayener Tierheim erst einmal ein Platz frei werden musste, zog Moppel - der in Zukunft Momo heißen soll - zunächst in eine Hundepension, wo man seine Essensration bereits anpasste. „Hier hat er in den etwa vier Wochen schon ein bisschen abgespeckt“, berichtet Kristina Wagner, die die Ankunft des Rüden in Mayen wohl nie vergessen wird: „Die Frau hatte nur ein ganz kleines Auto und hinten drin saß dieser dicke Bär“, schmunzelt sie. Als sie sich dem Wagen genähert habe, habe Moppel kräftig gebellt, „das ganze Auto hat gewackelt.“ Als die Frau den Kofferraum geöffnet habe, sei der Koloss regelrecht aus dem Auto geplumpst - „da habe ich erstmal das Ausmaß seiner Fettleibigkeit gesehen“, wird Kristina Wagner ernst. Es gebe zwar leider immer mehr Tiere, die von ihren Besitzern regelrecht krank gefüttert würden „aber einen so fetten Hund sieht man doch selten.“
Die Tierschützerin versuchte, ihre Verblüffung ein wenig zu überspielen: „Ich wollte der Frau gegenüber nicht unfair sein - schließlich hat sie keine Kosten und Mühen gescheut und sich sehr dafür eingesetzt, dass der Hund zu uns kommt und damit die Chance auf ein schönes neues Leben hat“, stellt sie klar.
Zum Glück bereits viele Unterstützer
Schnell verbreitete sich Moppels Foto per Facebook. Viele User äußerten sich empört, aber es kamen auch Hilfsangebote: Die Physiotherapeutin Susanne Schmitt aus Swisttal bot an, den Hund kostenlos zu therapieren, sollte er in ihre Nähe vermittelt werden, „das gleiche Angebot kam von Therapeutin Bianca Gesellgen aus Mülheim-Kärlich, die unseren gelähmten Rocky nach seinem Bandscheibenvorfall wieder auf die Beine geholfen hat und das ebenfalls komplett kostenlos“, ist Kristina Wagner dankbar.
Der Verein „Rottweilerfans“ hinterlegte bei Bianca Gutgesell kurzerhand einen Gutschein über 200 Minuten Unterwasserlaufband für Moppel und eine Computer - Firma namens „Omekron“ aus Burgwedel lässt dem Tierschutzverein einen monatlichen Unterhalt zukommen, der alleine der Versorgung des „Bären“ zugute kommt. „Wir sind sehr dankbar für die Hilfsbereitschaft“, sagt Kristina Wagner. Denn auf den Verein kommt noch einiges an Kosten zu. „Wenn Moppel noch etwas abgespeckt hat, lassen wir ihm Blut abnehmen und ihn einmal gründlich durchchecken - momentan macht das noch keinen Sinn - die Werte können bei dem Gewicht noch nicht wirklich gut sein.“
Insgesamt ist die Tierschützerin aber sehr zuversichtlich: Moppel sei alles andere als eine lethargische Schnarchnase - „sobald ich mit der Leine komme, hüpft er vor Freude herum.“ Er habe trotz des extremen Übergewichts einen starken Bewegungsdrang und sei schon jetzt ganz verrückt nach Spaziergängen. „Natürlich muss man das ganz vorsichtig angehen - weder darf er sich jetzt körperlich überfordern noch sollte er allzu schnell abnehmen“, denn auch das könne schädlich sein. Konsequent aber langsam soll der Rüde abspecken, „an heißen Tagen lässt er tatsächlich schon einen „Anstandsrest“ im Napf“, lacht die Tierschützerin.
An der rechten Pfote fehlen Moppel die beiden mittleren Zehen: „Was da passiert ist, wissen wir auch nicht so genau“, so Wagner. Angeblich sei seine Besitzerin einmal nachts auf die Pfote getreten, als der Hund in einer dunklen Ecke lag; genau klären wird sich das jedoch nicht mehr. Immerhin macht die Pfote keinerlei Probleme und beeinträchtigt ihn nicht.
„Unser größter Wunsch wäre natürlich, zeitnah verantwortungsbewusste Besitzer für unser Moppelchen zu finden“, sagt Kristina Wagner, „mit einer Pflegestelle wäre uns natürlich auch schon sehr geholfen aber gerne würden wir ihm einen nochmaligen Umzug ersparen.“
Moppels neue Besitzer sollte idealerweise Rottweilererfahrung haben - in jedem Fall aber erfahren im Umgang mit Hunden sein. „Rassetypisch ist er anfangs etwas skeptisch und misstrauisch“, so die Tierschützerin und sie gehe auch davon aus, dass der Rüde auch seine Grenzen austesten wolle. „Aber wenn das Eis gebrochen ist, lieben diese Hunde ihre Menschen bedingungslos und ich bin mir ganz sicher, dass Moppels neue Besitzer sehr viel Freude mit ihm haben werden“, sagt sie und gibt zu, selbst auch schon ein bisschen in den Koloss verliebt zu sein. „Eine souveräne Ersthündin wäre sicherlich eine gute Sache“, meint Kristina Wagner, eher ungünstig wäre hingegen, wenn Interessenten bereits einen sehr agilen Junghund hätten, der den Rottweiler ständig zum Spielen und Toben animieren würde. „Das würde ihn einfach überfordern.“ Nach den Informationen der Mayener Tierschützer hat Moppel mit einer Neufundländer-Hündin zusammen gelebt, die in einem anderen Tierheim untergekommen ist, zudem sei er mit Katzen aufgewachsen. „Das mit den Katzen müsste man testen - unsere Tierheim-Katzen hat er kürzlich
angekläfft“, berichtet Kristina Wagner. Das könne man derzeit aber auch gut ausprobieren - „in
seiner aktuellen Verfassung kommt er noch keiner Katze hinterher.“ Oftmals nehmen Hunde die Situation im neuen Zuhause gelassen und „als gegeben“ hin und vertragen sich problemlos mit
den bereits vorhandenen Tieren. „Toll wäre natürlich ein ebenerdiger Zugang zur Wohnung oder nur wenige Stufen, die er überwinden müsste“, hat Kristina Wagner überlegt, „und vielleicht ein eingezäunter Garten oder kleiner Hof, in den man ihn gerade an sehr heißen Tagen einfach nur kurz zum Pipi machen lassen kann.“ Bei dem Gewicht sei viel Bewegung bei hohen Temperaturen noch sehr ungünstig.
In Kürze will Kristina Wagner die erst Physiotherapie - Einheit für den zukünftigen Momo ausmachen, „außerdem haben wir überlegt, ihm unterstützende Bandagen anfertigen zu lassen - die Firma „Benecura“ in Plaidt macht ganz tolle orthopädische Hilfsmittel und hat uns bereits für einen anderen Hund kostenlos Bandagen angefertigt.“ Insgesamt sind Moppels Zukunftsaussichten rosig: Erst einmal in Form gebracht, wird er vieles, was er in seinem Leben bisher wahrscheinlich vermissen musste, nachholen. Zum Glück fehlt ihm eigentlich nur noch das richtige Zuhause.
Wer will Moppel kennenlernen?
Wer den außergewöhnlichen Hund kennenlernen möchte, kann sich gerne bei Kristina Wagner im
Mayener Tierheim melden (Tel. (0 26 51) 77 43 8 (Außerhalb der Sprechzeiten auf den AB sprechen, er wird regelmäßig abgehört!). Auch über weitere Patenschaften würden sich die Tierschützer sehr freuen. Das ist ab 5 Euro im Monat möglich, Formulare gibt es vor Ort im Tierheim aber auch auf Homepage: www.tierschutzverein-mayen.de.
Charakterhund Moppel fehlt zu seinem Glück nur noch das passende Zuhause. Sandra Ott
