Auf dem kulturhistorischen Tatzelwurmweg in Kobern-Gondorf
Sagenumwobene Wanderung in den Mai
Kobern-Gondorf. Wie ein Wurm schlängelte sich die Wandergruppe den Weinberg hinauf, erklomm die Höhe bis zum ersten Stopp an der Niederburg. Mehr als 40 Kultur- und Naturfreunde hatten sich morgens in Kobern-Gondorf am Tatzelwurmbrunnen getroffen, um traditionell am 1. Mai gemeinsam zu wandern. Aber nicht nur einfach wandern - diesmal präsentierte sich der Weg sagenumwoben. Die Idee dazu hatte die Weinkönigin Katharina Dötsch mit ihren Prinzessinnen Franziska, Maria und Johanna.
Auf dem Marktplatz am Brunnen begrüßte Katharina Dötsch die Wanderer. „Sagen wir mal so: Sie müssen nicht abergläubisch sein und auch nicht an den Tatzelwurm glauben, um der Wahrheit ein Stück näherzukommen.“ Es war ihr herzliches Willkommen zur Wanderung auf dem Tatzelwurmweg und auf den Spuren des Tatzelwurmes, das neugierig machte. Was erwartete die Wanderer?
Zunächst eine musikalische Einlage des niederländischen Spielmannszugs „Aurora“ aus Spielbergen. Dann wurde ein wichtiges Utensil verteilt, das unterwegs zum Einsatz kommen sollte: ein Weingläschen. Denn auf dem Programm stand auch der Genuss von Koberner Wein aus dem Hause Dötsch, dem Elternhaus der Weinkönigin. Auch ein Programmpunkt war die Eröffnung des Zuwegs zum Tatzelwurmweg am „Grittebasje“, wo ein Pfad durch den Weinberg zur Burg führt. Der Überlieferung nach erinnert der Pfad an eine alte Kobernerin (Margarete Naunheim), die am Anfang des Pfades wohnte. Ältere Menschen wurden früher liebevoll „Bas“ genannt, daher der Name „Grittebasje“.
Im Vordergrund stand aber die Sage um den Tatzelwurm, die der Buchautor Stefan Gemmel in Etappen vorlas. In seiner bekannt unkonventionellen Art leitete er die Wanderlesung ein: „Als ich einmal seriös gekleidet durch Kobern-Gondorf ging, wurde ich von zwei Agenten gekidnappt und mit einer Augenbinde an einen geheimen Ort gebracht, wo ich am Sterbebett des damaligen Geheimnisträgers die wahre Legende des Tatzelwurm zu hören bekam. Pech für den - mittlerweile verstorbenen - Geheimnisträger: Ich habe darüber ein Buch geschrieben.“
Was ist die Wahrheit? Vielleicht seine Geschichte über den Tatzelwurm, die er auf Wunsch des Ortes zum Themenwanderweg nach einer überlieferten Sage fantasievoll ausschmückte und ein „Happy End“ dazudichtete. In der überlieferten Legende kämpfte Kreuzritter Heinrich von Cobern-Isenburg mit dem Tatzelwurm. Er brachte ihn zur Strecke, indem er ihm zwei Fässer Wein bringen ließ, die das Tier trank und einschlief. Dann stieß ihm Ritter Heinrich sein Schwert in die Rippen. Ein Zeugnis, dass die Sage einen Wahrheitsgehalt hat, ist das Relief in einem der Kapitelle an den Säulen im Innern der Matthiaskapelle.
Die kulturhistorische Wanderung startete unter der musikalischen Begleitung des niederländischen Spielmannzugs vom Marktplatz zum „Grittebasje“. Eng ist der Pfad, der zu den Weinbergen führt, steil der Aufstieg zur Niederburg. Trittsicherheit, festes Schuhwerk und Schwindelfreiheit waren erforderlich, spektakuläre Aussichten, abwechslungsreiches Gelände auf naturbelassenen Pfaden der Lohn für alle Mühe. Dazu der Blick auf Weinberge und Burgen. Die fast acht Kilometer lange Wanderung führte über die Niederburg, die Matthiaskapelle weiter zum Sauerbrunnen. An jedem Stopp ließ Stefan Gemmel seine Zuhörer an der Tatzelwurmlegende teilhaben, sie lauschten mit einem Gläschen Wein in der Hand. Passend zum Thema war der Start am Tatzelwurmbrunnen, passend war auch das Ende im Rittersaal. Dort warteten ein Imbiss und viel Informatives über den Tatzelwurm auf die Wanderer. EP
Im Vordergrund der Wanderung stand die Legende des Tatzelwurms, Buchautor Stefan Gemmel las in Etappen aus seinem Buch vor.
Steil war der Aufstieg, trittsicher und schwindelfrei mussten die Wanderer sein, wurden aber mit einem spektakulären Ausblick belohnt.
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