Sammy, Chuck und das Sommerloch
„Hej Karla, na, schon im Sommerloch?“, lachte meiner Gisela ihr Rudi, als ich ihn vor paar Tagen zufällig im Baumarkt traf. Wie ich seinem belustigten Blick nach unten auf folgte, sah ich es, mein ganz persönliches Sommerlöchlein. Klein, selbstbewusst und mitten auf der Kuppe meines großen Zehs strahlte es mich an. Ich hatte ein Loch im Strumpf. Doch nichts ist so schlecht, als dass es nicht für irgendetwas gut wäre. Und so brachte mich dieses Löchlein auf die Idee, mich mal um die Sommerlöcher der anderen zu kümmern. Schließlich bin ich ein sehr sozialer Mensch, bin in vielen Vereinen und hier und dort ehrenamtlich engagiert. Aber nicht, dass Ihr mich falsch versteht! Ich strebe keine Karriere als leidenschaftliche Strümpfestopferin an!
Viiiiiiiiiiiiiiiel besser! Ich werde mich der Sommerlöcher annehmen, die sich in der Presse breitmachen, sobald das Thermometer die 25 Grad überschritten hat und die Pänz ihre Zeugnisse in der Hand halten. Nach dem 435. Artikel über Geheimtipps zu Badeseen, Biergärten und Balkonia tun die sich ja in einer beängstigenden Größe auf, die an Vulkankrater erinnern.
Und wie ich über eine gelungene Aktion nachdenke, um mal bisschen Schwung in die Hütte zu bringen, fallen mir Sammy & Co. ein. Es gab in den vergangenen Jahren ja reihenweise bissige Giftschlangen, heimtückische Schnappschildkröten, schwarze Panther und gelb-blau gestreifte Killerkröten. Interessanter Weise tauchten die überall da auf, wo Badegäste und Touristen ausblieben.Damit haben wir hier ja keine Probleme. Im Gegenteil. Und genau daraus werde ich Kapital schlagen! Denn mehr Publikum als jetzt kann ich nur Karneval bekommen. Mehr Schlagzeilen als jetzt kann ich nur mit einer kongenialen Büttenrede lostreten. Und so lange will ich nicht warten. Fastnacht war ja grade erst und bis zur nächsten Session dauert es ja noch ewig. Gerade waren Putin, Trump und Erdogan hier und bald sind Bundestagswahlen … Kurz: Wann, wenn nicht genau jetzt, habe ich eine reale Chance, in die Zeitung zu kommen?
Jetzt ist es schlichtweg ideal! Deswegen habe ich beim Ordnungsamt einen offiziellen Antrag gestellt, in meinem Vorgarten einen Alligator zu halten zu dürfen. Bis zum Start der Bundesliga dachte ich. Chuck soll er heißen und die Presse ist auch schon informiert. Den örtlichen Tierschutzverein, die Kita und das Seniorenheim habe ich bereits zum Grillen eingeladen. Soll ja bisschen Action geben fürs Boulevard.
Habt einen schönen Sommer und habt es gut
Hab es gut,
Eure Karla
