Weißenthurm feierte das Fest des heiligen Martin
Sankt Martin führte hoch zu Ross den Umzug an
Weißenthurm. Die Dunkelheit ist hereingebrochen, aber der Platz vor der katholischen Pfarrkirche Heiligen Dreifaltigkeit in Weißenthurm ist dennoch hell erleuchtet. Dort haben sich Hunderte von Kindern in Begleitung ihrer Eltern, Großeltern oder Bekannten mit leuchtenden Laternen eingefunden um am traditionellen Martinsumzug teilzunehmen. Die Feuerwehrkameraden mit ihren Pechfackeln nehmen Aufstellung, die Blaskapelle dahinter macht ihre Instrumente bereit, und pünktlich um sechs erscheint Sankt Martin hoch zu Ross. Er setzt sich an die Spitze des immer länger werdenden Lindwurms aus Menschen, Laternen und Fackeln, der sich langsam in Bewegung setzt. Die Musikkapelle beginnt mit der Intonierung von Martinsliedern, eifrig stimmen viele Kinderkehlen laut in die bekannten Weisen ein und sorgen so für festliche Stimmung auf der Straße.
Ziel des Umzugs ist das Martinsfeuer auf der Kirmeswiese, der Weg ist lang, aber die Kinder tragen tapfer ihre Laternen vor sich her, wissen sie doch genau, dass dort neben dem magischen Feuer auch ein süßer Martinsweck auf sie wartet. Mitglieder der Jugendfeuerwehr haben in der Zwischenzeit das Feuer auf dem Festplatz entfacht, hoch schlagen die Flammen und weisen dem Laternenzug den Weg in der Dunkelheit. Kinder und Erwachsene versammeln sich jetzt neben dem lodernden Martinsfeuer an einem abgesperrten Bereich, in dem ein Bettler leicht bekleidet frierend auf dem Boden sitzt.
Sankt Martin lässt sein Pferd anhalten, er steigt herab, teilt seinen langen roten Umhang mit einem Schwert in zwei Teile und legt einen Teil dem frierenden Bettler um die Schulter, um ihn damit zu wärmen.
Das Brauchtum ist in der christlichen Welt schon uralt, jeder kennt die Geschichte der Mantelteilung des heiligen Martin aus Tours: Vor rund 1600 Jahren begegnete der Soldat Martinus hoch zu Ross mitten in einem außergewöhnlich harten Winter, in dem viele vor Kälte starben, am Stadttor von Amiens einem nackten Armen, der die Vorbeigehenden um Erbarmen anflehte. Doch alle liefen an dem Elenden vorbei. Nur Martin war barmherzig und, da er nichts außer Waffen und dem einfachen Soldatenmantel bei sich hatte, teilte er den Mantel mit seinem Schwert mitten entzwei. Den einen Teil gab er dem Armen, mit dem anderen bekleidete er sich selbst. Er wurde später Priester und Bischof, Helfen und Teilen war sein Motto, das ihn das ganze Leben begleitete. Nach der Erzählung der Geschichte verteilten Helfer die Weckmänner an die Kinder, daneben konnten sich die Teilnehmer des Umzugs an mehreren Ständen der Feuerwehr mit Glühwein, Kinderpunsch oder einer Bratwurst versorgen als Stärkung vor dem langen Rückmarsch in die Stadt.
Am Feuer auf der Kirmeswiese verfolgten die Kinder gebannt, wie Sankt Martin seinen Mantel mit dem Bettler teilte.
Im Weißenthurmer Martinszug gab es viele phantasievolle Fackeln, viele davon von den Kindern selbst gebastelt.
