Interessante Lehrfahrt des Waldbauvereins Mayen-Koblenz e.V. führte in den Kottenforst
Schonende Bewirtschaftung mit dem Holzrückepferd kennengelernt
Kreis MYK. 46 Mitglieder des Waldbauvereins Mayen-Koblenz e.V. nahmen an der alljährlichen Lehrfahrt teil. Bei strahlendem Wetter ging es in den Kottenforst bei Bonn. Nachdem der Bus an der Waldgaststätte am Bahnhof Kottenforst angekommen war, begrüßte der Vorsitzende Walter Kuhl den ortsansässigen Revierleiter Horstmar Schöne. Der Revierleiter begleitete die Gruppe, zusammen mit Diplombiologe Striepen, zu drei Waldbildern. Die erste Station war eine von der EU geförderte „Life Plus“-Fläche. Hier wurde erläutert, wie die geförderte Fläche aus einem Fichtenreinbestand zu einem Mischbestand umgestaltet wird. Da die Fichte anfällig für Windwurf und Käferbefall ist, wurden auf den Freiflächen Eichen und Linden im Verhältnis 3:1 in einem Meter Abstand und drei Metern Reihenabstand gepflanzt. Bis zur ersten Nutzung werden hier jedoch 20 Jahre vergehen. Bei der zweiten Station wurde der Gruppe eine Naturwaldparzelle gezeigt. Hierbei handelt es sich um eine circa zehn Hektar große eingezäunte Parzelle mit einem Eichen-Buchenmischbestand. Deutlich waren die veränderte Bodenvegetation und die Naturverjüngung zu erkennen. In dieser Parzelle leben bis zu 650 verschiedene Käferarten. Sämtliche Nutzung, auch die von Totholz, ist hier untersagt. Dadurch, dass kein Rehwild in dieser Parzelle vorhanden ist, hat die Naturverjüngung großen Erfolg. Horstmar Schöne erörterte aber auch, dass im gesamten Kottenforst eine starke Rehwildreduzierung mit Abschüssen von circa zehn Stück Rehwild je 100 ha durchgeführt wurde und weiterhin angestrebt wird. Damit wurde und wird die Population stark gesenkt, um dem Verbiss von Jungpflanzen zu begrenzen.
Holzrückepferd „Carlos“ bei der Arbeit zugesehen
Bei der dritten Station hatten die interessierten Mitglieder das Glück, ein Holzrückepferd der Fuhrhalterei Stertenbrink in Aktion zu sehen. Zum Einsatz kam Carlos, ein belgisches Kaltblut mit 835 kg Körpermasse. Herr Stertenbrink , der Mitglied der IGZ Interessengemeinschaft für Zugpferde e.V. ist, erklärte den Zuschauern zunächst, wie das Geschirr am Pferd wirkt, danach wurde das Vorrücken der Abschnitte mit dem Pferd vorgeführt. Gearbeitet wird nach dem Kölner Verfahren, das heißt, zunächst erfolgt ein motormanuelles Fällen und Aufbereiten des Holzes in Abschnitte, danach das Vorrücken mit dem Pferd an die Gasse und letztendlich das Endrücken mit der Maschine, sobald die Witterung bzw. die Bodenfeuchtigkeit es zulassen. Der Vorteil liegt in der schonenden Bewirtschaftung und dadurch, dass Rückegassen nicht alle 20 Meter wie bei der vollautomatischen Ernte mit dem Harvester, sondern im Abstand von mindestens 40 Metern gemacht werden müssen. Hierdurch gewinnt man an Holzbodenfläche. Dies rechtfertigt auch die um etwa vier bis sechs Euro höheren Mehrkosten je Festmeter.
Nachdem die vielfältigen Fragen beantwortet wurden, ging es mit dem Bus zurück zur Waldgaststätte am Bahnhof Kottenforst, wo sich alle mit kalten Getränken und leckeren Gerichten stärken konnten. Gut gestärkt fuhr die Gruppe dann in die Bonner Innenstadt, wo jeder nach Lust und Laune den Nachmittag selbst gestalten konnte. Den gemeinsamen Abschluss verbrachten die Teilnehmer im Wirtshaus „Salvator“ bei deftigen bayrischen Speisen und edlen Tropfen, bevor es mit dem Bus wieder nach Hause ging. Für alle Beteiligten war es ein informativer und gelungener Tag.
Erfrischende Mittagsrast in der Waldgaststätte Kottenforst.
