Schulzentrum wurde umbenannt
Seit dem 40. Geburtstag heißt die Sekundarschule „Hans-Dietrich-Genscher-Schule“
Wachtberg. Zum 40. Geburtstag gönnte sich das Schulzentrum Wachtberg endlich einen „richtigen“ Namen: Seit Freitag heißt die bisherige Sekundarschule offiziell „Hans-Dietrich Genscher-Schule“. Im Rahmen einer dreistündigen Jubiläumsfeier wurde die Sekundarschule im Beisein von Barbara Genscher, der Witwe des unlängst verstorbenen langjährigen Bundesaußenministers und Vizekanzlers, umbenannt und trägt darüber hinaus den Namenszusatz „Regionale Schule vor Ort – Profilierte Gemeinschaftshauptschule“.
„Nicht die Fassade ist das Wesentliche, sondern das, was in dem Gebäude vermittelt wird“, so hatte es der damalige Gemeindekämmerer und spätere Bürgermeister Fred Münch schon bei der Einweihung 1976 auf den Punkt gebracht, erinnerte sich Altbürgermeister Hans-Jürgen Döring in seiner ebenso kenntnisreichen wie launigen Festansprache. Das sei auch heute noch so, dank der hervorragenden pädagogischen Arbeit, die hier seit vier Jahrzehnten geleistet werde. Mit dem damals 15,7 Millionen Mark (etwa 8 Millionen Euro) teuren Projekt habe die erst sieben Jahre zuvor gegründete Gemeinde Wachtberg ihre Reifeprüfung abgelegt und ihre Leistungsfähigkeit gezeigt. Insbesondere der damalige Kämmerer Fred Münch habe sich auf die Beschaffung von Geld verstanden, was zu dem erfreulichen Ergebnis geführt habe, dass die Gemeinde lediglich einen Eigenanteil von 12,5 Prozent schultern musste.
Von der guten Stube Wachtbergs gehen vielen Impulse aus
Mittlerweile sei die Aula der Schule „die gute Stube Wachtbergs“, von der viele kulturelle Impulse ausgingen. Aber auch für die Gemeindeentwicklung insgesamt sei das Schulzentrum mit seinem guten Ruf ein wesentlicher Motor. Schon zur Einweihung seien etwa 5000 Menschen gekommen – die größte Veranstaltung im Drachenfelser Ländchen sei der legendäre Einweihung des Wachtberg-Ehrenmals im Jahre 1921. In der Aula werde Karneval gefeiert, Theater gespielt, hier seien Konzerte zu hören und Partnerschaftstreffen zu besichtigen. So habe die Schule eine Wirkung weit über den rein schulischen Rahmen hinaus gezeigt. Und sie brächten die Gemeinde nach vorne, denn die Entscheidungen junger Familien und dann Unternehmen, sich in einer Gemeinde anzusiedeln, hänge nicht zuletzt von den weichen Standortfaktoren ab: Landschaft, Einkaufsmöglichkeiten, Sportangebote, Kindergartenplätze, Kultur und vor allem Schule mit einem guten Ruf.
Nach dem kürzlich abgeschlossenen Umbau sei sie jetzt auch optisch noch schöner, schmunzelte Grundschulleiter Norbert Schulten in seiner Begrüßung: „Ich komme jeden Tag gerne hier her!“ Da konnte Sekundarschulleiter Hendrik Heimbach nur zustimmen: „Ich auch!“ Er hatte später die Ehre, die eigentliche Umbenennung im Rahmen der 40-Jahr-Feier vornehmen zu dürfen. Dabei standen ihm Barbara Genscher, Bürgermeisterin Renate Offergeld und Schulpflegschaft-Vorsitzender Volker Gütten hilfreich zur Seite. Sie enthüllten eine Urkunde, die über dem künftigen Namen „Hans-Dietrich-Genscher-Schule“ ein in Grautönen gehaltenes Porträt des Namensgebers zeigt.
Für Freiheit, Demokratie, Menschenrechte und ein vereinigtes Europa
Genscher war erst wenige Monate zuvor zum Ehrenbürger der Gemeinde Wachtberg ernannt worden, die er als sein Zuhause lieben gelernt hatte. In den Jahrzehnten, die er hier zusammen mit seiner Familie erlebt habe, habe er sich stets für „seine“ Gemeinde eingesetzt und sie weit über die Grenzen des Landes hinaus bekannt gemacht, so Heimbach. Als Politiker habe Genscher sich bekanntermaßen zeitlebens für Freiheit, Demokratie, Menschenrechte und ein vereinigtes Europa eingesetzt. Er sei weltweit beliebt und geachtet gewesen, auch bei politisch Andersdenkenden. Ihn wolle man sich als Schule zum Vorbild nehmen, auch bei der aktuell anstehenden Integration von Flüchtlingskindern. „Seine Arbeit besteht durch uns weiter, wir werden versuchen, seine Ideen fortzuführen“, versprach der Schulleiter unter dem tosenden Beifall der Festgäste in der bis zum letzten Platz gefüllten Aula.
Schüler sorgen für ein abwechslungsreiches Programm
Für ein abwechslungsreiches Programm der Jubiläumsfeier sorgten unter der gut gelaunten Moderation von Hans Werner Meurer die Schüler des Schulzentrums. Den Auftakt machten die Klassen 6b und 7a der Sekundarschule mit dem Lied „Willkommen, bienvenue“ aus dem Musical „Cabaret“ von John Kander. Solisten waren dabei Amelie Haves, Natalia Jagiela und Martin Es-Haq, am Schlagzeug wirbelte Jokebed Malewo, der später noch mal mit einem aufsehenerregenden Schlagzeugsolo glänzte. Der Neuntklässler war für seinen Auftritt direkt von seiner Praktikumsstelle in Meckenheim „eingeflogen worden“, so Meurer.
Der Chor der Grundschule begeisterte seine Zuhörer mit den Liedern „Guten Morgen“ und „En d’r Kayjass Nummero Null“. Die Klasse 7a der Sekundarschule ließ den Tanz „Let kiss“ aus den 1970 er Jahren noch einmal aufleben, und die Kinder aus allen Schuljahren der Grundschule sorgen für gute Laune mit einer gelungenen „Aschenputtel“-Märchenvariation. Die Klasse 6b der Sekundarschule faszinierte ihre Zuschauer mit einem Schwarzlichttheater-Auftritt, bevor der erst achtjährige Drittklässler Alexander Wagner mit seinem Klaviersolo zu Wolfgang Amadeus Mozarts Sonate Nummer 5 in D-Dur für großes Erstaunen sorgte.
Die ehemaligen Schüler Vera Merzinger und Nicholas Balley glänzten mit einem Duo für zwei Violinen in Begleitung einiger Mitglieder des Wachtberger Jugendorchesters, bevor noch einmal die Klassen 6b und 7a der mittlerweile umbenannten „Hans-Dietrich-Genscher-Schule“ den Schlusspunkt setzten mit ihren beiden Liedern „We are the World“ und dem Friedenslied auf die Melodie von „Auld Lang Syne“, bei dem alle Festgäste gerne mit einstimmten. JOST
Seit Freitag heißt die Sekundarschule Wachtberg jetzt offiziell „Hans-Dietrich-Genscher-Schule“. Die Umbenennung übernahmen (v.l.) Schulleiter Hendrik Heimbach, Schulpflegschaftsvorsitzender Volker Gütten, Barbara Genscher und Bürgermeisterin Renate Offergeld. Fotos: -JOST-
Der achtjährige Alexander Wagner überzeugte das Publikum mit seinem Klaviersolo.
Ein hörenswertes Schlagzeug Solo legte Neuntklässler Jokebed Malewo hin. Foto: Volker Jost
