Ausstellungseröffnung im Kunstpavillon Burgbrohl
„Sei mein Gast“
Artist-in-Residence- Künstlerin Yingmei Duan präsentierte partizipatorisches Kunstprojekt
Burgbrohl. Zur Eröffnung der außergewöhnlichen Ausstellung „Sei mein Gast!“ waren viele Menschen in den Kunstpavillon gekommen. Die Artist-in-Residence- Künstlerin Yingmei Duan hat seit dem 12. September über sechs Wochen mit 20 Einheimischen in der Region Brohltal, von Lützingen und Burgbrohl bis Oberzissen und Waldorf, kreativ zusammen gearbeitet, vielfältige Impulse gegeben und auch Staunen und Fragen hervorgerufen. Die künstlerische Leiterin des ArtLab im Kunstpavillon Burgbrohl Karin Meiner lernte die chinesische Künstlerin Yingmei Duan im Herbst 2015 anlässlich der „Kunst der Begegnung“ kennen, wo neun chinesische Künstler auf ihrer Europatour zehn Tage Station im ArtLab in Lützingen machten, hier auf sechs deutsche und eine französische Kollegin trafen und in dieser Zeit gemeinsam LiveArt/ Performances in der Kaiserhalle, Burg Olbrück, dem Ludwigmuseum Koblenz und dem Ahrweiler Marktplatz zeigten.
Da Yingmei Duan seit 1998 in Braunschweig lebt und dort an der Hochschule für Bildende Künste studierte, unter anderem bei Marina Abramovic und mit Christoph Schlingensief zusammenarbeitete, spricht sie Deutsch. Sie half bei deutsch-chinesischen Übersetzungen, und durch ihre ganz besondere Art lockerte sie die Atmosphäre. Die Kommunikation wurde dank Yingmei sehr lebendig und offen.
Da es das Anliegen der künstlerischen Leiterin des ArtLab ist, die „Welt auf das Land“ zu holen und einen Austausch zwischen internationalen Künstlern und der hiesigen Region anzuregen und zu unterstützen, lud sie Yingmei Duan zu einem Gastkünstleraufenthalt (Artist-in-Residence) nach Lützingen ein. Am 24. Sept. gab Yingmei mit einer „Multi-Kulti-Kochaktion“ einen Einblick in ihre Arbeitsweise, wobei sie ihre Kunstarbeiten präsentierte und eine Ahnung von dem gab, was für sie Kunst ist, nämlich Kommunikation, Interaktion und Kollaboration.
Auf Spaziergängen ungezwungen Menschen kennengelernt
Auf ihren Spaziergängen rund um Burgbrohl lernte sie ganz ungezwungen Menschen kennen und sprach sie an. Sie klingelte bei den Nachbarn und lernte so Karl und Marliese Nebgen kennen, die mit ihr Plätzchen backten, die dann liebevoll arrangiert in der Ausstellung präsentiert wurden, bereit, ganz interaktiv genascht zu werden.
Auch der Ausstellungsbeitrag der Nachbarin Birgit Netz konnte interaktiv genutzt werden – eine Meditationsecke zum Durchatmen. Aus der weiteren Nachbarschaft steuerte Sabine Bermel einen besonders individuell gestalteten Tisch mit englischen Tassen, Blumen und eigens beschriebenen Papierstreifen bei. Mit Herbert Rheintal und Petra Deus sind ganz neu Hinzugezogene bei Yingmeis partizipatorischem Kunstprojekt dabei. Petra Deus zeigte vor neugierigem Publikum eine eigens konzipierte Performance, ebenfalls interaktiv, indem sie das Publikum beim Mikado-Spiel mit einbezog.
Maria Müller und Tekklit lernte Yingmei bei der Kochaktion kennen, und sie blieben weiterhin in Kontakt. Maria Müller sprach über ihr persönliches Anliegen und Engagement in der ökumenischen Flüchtlingshilfe hier in der Region und spann dabei metaphorisch mit der Spindel einen Faden aus Wolle. Tekklit aus Eritrea trug zerknüllte, in seiner Heimatsprache beschriebene Papiere bei, die angebrannt auf dem Boden lagen. Ein universales Thema, das jeder Mensch kennt: Nämlich Liebesbriefe an eine Liebe, die nicht erwidert wird.
Eberhard Müller zerlegte ein Hermann-Hesse-Zitat in einzelne Wörter und ließ den Betrachtern diese Wörter – interaktiv – wieder zu einem Satz zusammensetzen. Außerdem trug er zur Freude der Anwesenden eigene Geschichten und Aphorismen vor.
Michael Annasenz lernte Yingmei im Kunstpavillon kennen. Er ist vielen bekannt durch seine spiel- und erlebnispädagogischen Angebote für Kinder in den Ferienfreizeiten. Für die Ausstellung installierte er ein Vogelhäuschen vor der Glastür, woraus Vogelgezwitscher tönte.
Mit einem Foto aus seinem familiären Umfeld trug Omid Habibi aus Afghanistan, nun in Burgbrohl lebend, zu dem vielschichtigen Gesamtkunstwerk bei, das Yingmei Duan anregte.
Zwei weitere Fotos zeigen Sarah Kaufmann mit ihrer Tochter auf einem Spaziergang an der Brohltalbahnstrecke. Auch Karl Esser lernte Yingmei unterwegs kennen, und sie besuchte die Essers und den Kahlenbergerhof öfters. Karl Esser schilderte am Eröffnungsabend seine Begegnungen mit Yingmei Duan und hielt einen unterhaltsamen Vortrag über seinen Ausstellungsbeitrag: den Apfel. Und die Äpfel der Essers waren überaus interaktiv, sogar einverleibbar. Genauso wie die Essers lernte Yingmei Werner Gail, den Landwirt mit den Schafen in Lützingen, kennen. Er gab ihr Fotos seiner Tiere, die Yingmei gekonnt und ungewöhnlich in Stroh und im Karton, wie in einer Futterkrippe, präsentierte. Jeanne Lessenich, durch eine Lesung im November 2015 dem Kunstpavillon verbunden, zeigte ein Bild und hielt den Vortrag „Die Wanderung auf dem Bausenberg“, Gedanken zu Besonderheiten der hiesigen Region mit vielen ethnologische Bezügen.
Auch die jüngste Generation war vertreten
Auch die jüngste Generation war mit dem achtjährigen Alexander Tech und Arian Beck vertreten. Ihre eigenen und die in Kollaboration mit Yingmei entstandenen Zeichnungen präsentierten sie gemeinsam an den Glasscheiben mit Weitblick, und man durfte sie umhängen und neu arrangieren.
Bei der Kochaktion lernte Yingmei auch Uwe Sülflohn kennen, und bei einem Besuch sah sie seine vielfältigen Sammlungen. Als Beitrag zur Ausstellung wählte Uwe Sülflohn zig gerahmte Trockenblumenbilder, die er auf Flohmärkten fand.
Trockenblumen in „altmodischen“ Bilderrahmen, die seriell am Boden an der Wand entlang auslagen und auch interaktiv vertauscht werden konnten.
Petra Ochs steuerte eine Stoffcollage bei, die als Vorhang im Raum hing und der sie den ironischen und bedeutungsvollen Titel „Kann keine Kunst“ gab. Denn genau darüber kann bei diesem interaktiven Kunstprojekt von Yingmei Duan intensiv diskutiert werden.
Jeder Beitrag hat eine eigene Geschichte
Insgesamt ist zu bemerken, dass jeder Beitrag eine ganz eigene Geschichte hat und dass es die international sehr renommierte Künstlerin Yingmei Duan in ihrer ganz außergewöhnlichen Art und Weise verstanden hat, Menschen zwischen acht und 88 Jahren, unterschiedlicher Lebenswelten und Kulturen, zusammen in ein ganz außergewöhnlich frisches und inspirierendes Gesamtkunstwerk einzubinden. Als Artist-in-Residence hat sie dem Kunstpavillon und der Region Impulse gegeben und den Kunstraum weiter geöffnet und bekannt gemacht.
Kontakt: Kunstpavillon Burgbrohl, Karin Meiner, Herchenbergweg 6
D 56659 Burgbrohl, Tel. (0 26 36) 26 40; info@hammes-meiner.de, www.kunstpavillonburgbrohl.de.
