Historischer Brunnen in der Heimerzheimer Kirchgasse wird wieder zugeschüttet
Seltener Fund nach Wasserrohrbruch
Bis vor etwa 100 Jahren trafen sich hier die Frauen zum Klaaf über Klatsch und Tratsch
Heimerzheim. „Bis vor 100 Jahren haben sich an diesem Brunnen die Frauen von Heimerzheim getroffen - nicht nur, um Wasser zu holen, sondern auch zum Klaaf über Klatsch und Tratsch rund um die Kirchstraße“, wusste Georg Schmidberger, der Vorsitzende des Arbeitskreises Heimat im Ortsausschuss für Heimat- und Kulturpflege Heimerzheim, zu berichten. Er brachte zumindest ein wenig Licht ins historische Dunkel rund um einen Brunnen, der jetzt in der Heimerzheim Kirchstraße wiederentdeckt wurde.
Die Gemeindeverwaltung war in der Woche vor Ostern alarmiert worden, weil der Versorgungsträger eRegio bei der Beseitigung eines Wasserrohrbruchs vor dem Haus Nummer 31 auf einen alten, offensichtlich stillgelegten Brunnenschacht gestoßen war. „Von einem Brunnen an dieser Stelle war uns bis dahin nichts bekannt“, musste Bürgermeisterin Petra Kalkbrenner zugeben. Dabei handelt es sich um einen recht eindrucksvollen Brunnenschacht mit einem Durchmesser von 1,20 Metern und 18 Metern Tiefe. Er ist komplett von der Sohle bis zur Spitze mit Backsteinen ausgekleidet und enthält noch das Steigrohr aus Metall, auf dem einst ein fast drei Meter hoher Schwengelbrunnen aus Gusseisen gestanden haben soll.
Etwa 200 Jahre alt
Wie alt der Brunnen genau ist, konnte auch Uwe Steinkrüger vom Amt für Bodendenkmalpflege des Landschaftsverbands Rheinland nicht beantworten. Dessen Fachleute hatten sich den Brunnen in den vergangenen Tagen genau angeschaut. „Klar ist nur, dass es sich um einen neuzeitlichen Brunnen handelt, der etwa 200 Jahre alt ist“, sagte er bei einer Pressekonferenz an Ort und Stelle. Das lasse sich unter anderem aus dem Rohr schließen, mit dem einst das Wasser nach oben gepumpt wurde. Der Brunnen sei nach der Begutachtung eingemessen und in die amtlichen Landkarten eingetragen worden, mehr könne und wolle der Landschaftsverband allerdings derzeit nicht tun. Von größerer historischer Bedeutung sei der Brunnen nach derzeitiger Erkenntnisstand nämlich nicht, so Steinkrüger.
Deshalb haben sich die Verantwortlichen dazu entschieden, den Brunnen komplett mit Rollkies zu verfüllen, um die Sicherheit zu gewährleisten. „So konnten wir den nicht lassen, das wäre ein erhebliches Risiko gewesen“, stellte die Bürgermeisterin fest. Die Verfüllung ermögliche es auch späteren Generationen, bei Interesse den Rollkies wieder mit einem Saugbagger zu entfernen, um sich das Brunnenbauwerk noch einmal genauer anzuschauen. Ende der Woche, so hofft die Gemeindeverwaltung, sind die Verfüllungsarbeiten abgeschlossen und die Fahrbahn und der Gehweg wieder hergerichtet. Die Kosten hierfür hielten sich in einem überschaubaren Rahmen und würden von der Gemeinde übernommen, erklärte Kalkbrenner.
Auf einer historischen Aufnahme aus dem Jahr 1919 ist die Pumpe des Brunnens noch zu sehen, obwohl der Brunnen bereits 1912 stillgelegt wurde, so Schmidberger. Damals war Heimerzheim an das Trinkwassernetz angeschlossen worden, hauptsächlich aus Brandschutzgründen. Sämtliche Brunnen im Ort wurden stillgelegt. „Das hat uns aber nicht davon abgehalten, als Kinder noch bis in die dreißiger Jahre beim Spielen den Pumpenschwengel zu bedienen und uns gegenseitig mit dem Wasser nasszuspritzen“, schmunzelt Katharina Wolf (88), die in direkter Nachbarschaft aufgewachsen ist und zusammen mit ihrem Ehemann Fritz einst jahrzehntelang ein Bekleidungsgeschäft betrieben hatte. Heute sind in dem Wohn- und Geschäftshaus „Mellis Ballonidee“ und „Werbetechnik Breuer“ beheimatet.
Die Pumpe, die wohl so ähnlich aussah wie diejenigen, die heute noch in Ollheim an der Kirche oder in Essig in der Sternstraße zu sehen sind, wurde erst 1937 abgebaut, als die Kirchstraße ausgebaut wurde. Der Arbeitskreis Heimat war bislang der Ansicht gewesen, der Brunnen sei damals auch zugeschüttet worden, was sich nun aber als Irrtum entpuppte. Was mit der Pumpe geschehen ist, könne niemand mehr nachvollziehen, so Schmidberger. Wahrscheinlich sei sie auf einem der umliegenden Schrottplätze gelandet, denn Gusseisen sei damals ein begehrter Rohstoff gewesen.
Kein Wasser, kein Goldschatz
Wasser führt der Brunnen heute allerdings keins mehr, das sei bei einer Kamerabefahrung des Brunnenschachts festgestellt worden. „Und auch keinen Goldschatz“, bedauerte Kalkbrenner mit einem Augenzwinkern. Nicht einmal Wasserränder seien zu finden. „Dennoch handelt es sich um ein Stück Heimerzheimer Geschichte, denn heute benutzen wir überhaupt keine Brunnen mehr in der Gemeinde Swisttal.“ JOST
Auf diesem historischen Foto aus dem Jahr 1919 aus dem Archiv von Boeselager ist rechts noch schemenhaft die Pumpe des Brunnens, der 1912 bereits stillgelegt wurde, zu erkennen.Foto: Archiv von Boeselager
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