Allgemeine Berichte | 21.10.2019, 15:44 Uhr

300 Menschen setzten in Koblenz ein eindrucksvolles Zeichen gegen Antisemitismus, Rassismus und Hetze

#ShalomKoblenz

300 Menschen setzten in Koblenz ein eindrucksvolles Zeichen.Quelle: Pulse of Europe
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Koblenz. 300 Menschen aus Koblenz und Umgebung, aus allen Bevölkerungsschichten, aus allen Altersgruppen, Einheimische wie Zugezogene und unterschiedlichster politischer Couleur sind dem gemeinsamen Aufruf Koblenzer Gruppe von Pulse of Europe Koblenz und des DGB Koblenz gefolgt. Sie haben auf dem Koblenzer Zentralplatz aus Anlass des am Mittwoch davor stattgefundenen Terroranschlags gegen die Synagoge in Halle demonstriert und somit ein eindrucksvolles Zeichen gegen Antisemitismus, Hass und Hetze gesetzt. Bei diesem Anschlag wurden zwei zufällige Passanten getötet. Noch Schlimmeres wurde nur dadurch verhindert, dass es dem Attentäter nicht gelungen war, gewaltsam durch die Tür in die Synagoge einzudringen.

In seinen einführenden Worten gedachte Hans-Peter Etzold, einer der Initiatoren der Koblenzer Gruppe von Pulse of Europe, der Opfer des Anschlages von Halle, der „fassungslos und wütend“ macht: „Unsere Gedanken sind bei allen Mitgliedern der jüdischen Gemeinde, allen Betroffenen, Angehörigen der Opfer in und um den Imbiss und an den weiteren Anschlagszielen sowie bei allen, die sich längst nicht mehr sicher fühlen können. Zwei Menschen kamen bei dem Terroranschlag ums Leben. Die Mitglieder der jüdischen Gemeinde sind nur knapp einem Massaker entgangen. Inzwischen ist klar, dass der Täter aus antisemitischen und rassistischen Motiven handelte. Die Tat mag er allein verübt haben, ein Einzeltäter ist er deswegen nicht - die Tat steht in einem Zusammenhang: Jüdinnen und Juden, Musliminnen und Muslime, People of Colour und alle, die nicht in das menschenverachtende Weltbild der Rechten passen, können sich ihres Lebens nicht mehr sicher sein; mehr als 200 Menschen kamen seit 1990 durch rechte Gewalt ums Leben.“

König Salomon

Der Landesvorsitzende der jüdischen Gemeinden in Rheinland-Pfalz und Vorsitzende der Jüdischen Kulturgemeinde Koblenz Avadislev Avadiev dankte den Initiatoren und Teilnehmern der Kundgebung für die breite Solidarität. Er erinnerte an das Einweihungsgebet von König Salomon, das dieser anlässlich der Einweihung des Tempels in Jerusalem verfasste, in dem dieser aufrief, alle Völker zum Gebet zuzulassen, das so auch über dem Eingang der jüdischen Synagoge in Koblenz steht und damit auf die Offenheit der jüdischen Gemeinde hinweist. Auch Avadiev wandte sich gegen den grundlosen Hass, wie man ihn am Mittwoch zuvor in Halle erlebt hat, und bezog sich auch insoweit auf König Salomon, der schon vor 2500 Jahren beklagt hatte, dass viele Kriege aus grundlosem Hass entstünden.

Serkan Genc, Vorsitzender des Beirats für Migration und Integration in Koblenz und stellvertretender Vorsitzender der Türkischen Gemeinden in Rheinland-Pfalz, schlug den Bogen vom Attentat in Halle zum Mord an Walter Lübcke, den Übergriffen von Chemnitz und der wiederholten Bedrohung der NSU-Opferanwältin Basay-Yildiz und konstatierte: „Wir haben ein Problem mit dem Rechtsextremismus.“

Sebastian Hebeisen, Vorsitzender des DGB Koblenz, erinnerte in dem Zusammenhang an eine Tat mit gleichfalls rechtsextremistischem Hintergrund, die in Koblenz stattgefunden hatte, den Mord an Frank Boenisch im August 1992 in unmittelbarer Nähe des Veranstaltungsortes auf dem Zentralplatz..

Der Koblenzer Bundestagsabgeordnete Detlev Pilger (SPD) forderte in einem engagierten Redebeitrag auf, Antisemitismus, Hass und Hetze sowie dem Rechtsextremismus entschieden zu begegnen. Sein Amtskollege Josef Oster (CDU) ergänzte insoweit: „Und deshalb ist es gut, das nun 700 neue Stellen im Kampf gegen den Rechtsextremismus geschaffen werden.“

Alina Welser, Sprecherin der Koblenzer Grünen, wandte sich angesichts rechter Gewalt und der Versuche von rechts - dabei namentlich der AfD - unser Weltbild zu verschieben gegen das Vergessen: „Das ist schon einmal passiert, schleichend und dann ganz plötzlich. Wir dürfen das nicht zulassen und wir dürfen das nicht unterschätzen. Denn wir haben versprochen: Nie wieder!“

Als Angehöriger der größten Fraktion stellvertretend für den Koblenzer Stadtrat thematisierte Ratsmitglied Gordon Gniewosz (Grüne) ebenfalls die politische Grenzverschiebung, die auch den Rat erreicht habe: „Mittlerweile die zweite Legislatur haben wir mit der AfD eine Gruppierung auch im Koblenzer Stadtrat sitzen, die diese Grenzverschiebung betreibt und damit ganz maßgeblich für die Verbreitung von Ablehnung, Vorurteilen und gruppenbezogenem Hass verantwortlich ist.“ Er betonte und beschwor daher den Konsens der Demokraten.

„Diese Demonstration soll dafür ein Zeichen sein!“

Diesen zum Glück breiten Konsens betonte Obermeister David Langner, der hervorhob, dass jüdisches Leben ein wichtiger Teil unserer Gesellschaft und es daher eine Selbstverständlichkeit sei, Antisemitismus und Rassismus überall entgegenzutreten. Darin sah er denn auch die Bedeutung der Veranstaltung: „Diese Demonstration soll dafür ein Zeichen sein!“

Abschließend verurteilte der Filmemacher Robert Krieg nicht nur den Anschlag von Halle, sondern auch den zeitgleich mit diesem Anschlag die Nachrichten beherrschenden Angriff der Türkei auf die Kurden in Nordsyrien. Die Menschen dort und deren Lebenssituation sind dem engagierten Filmemacher und Dokumentarfilmer aufgrund seiner Arbeit bekannt.

Musikalisch umrahmt wurde die Kundgebung durch das hebräische Friedenslied Shalom Aleichem und die gemeinsam gesungene Europahymne, mit der jede Veranstaltung von Pulse of Europe schließt.

Pressemitteilung von

Pulse of Europe

300 Menschen setzten in Koblenz ein eindrucksvolles Zeichen.Quelle: Pulse of Europe

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