Improvisationstheater Springmaus vor vollen Rängen im Steigenberger Kurhaus-Saal
Springmäuse brachten das Publikum auf die Tanne
Improvisationstheater begeisterte mit Programm rund um die schönste Zeit im Jahr
Bad Neuenahr. Mit ihrem aktuellen Weihnachtsprogramm „Merry Christmaus“ gastierte das beliebte Improvisationstheater Springmaus vor vollen Rängen im Steigenberger Kurhaus-Saal. Professionelle Spontanität ist das Markenzeichen des Bonner Ensembles, das sowohl die Wortakrobatik als auch die Situationskomik in Perfektion beherrscht. Mit dem Song „Auf die Tanne, fertig, los“ stimmten Vera Passy, Gilly Alfeo, Yunus Cumartpay und Beka Bediana das Publikum in der Kurstadt auf einen ausgelassenen Abend rund um die schönste Zeit im Jahr ein. In der ersten Programmhälfte trumpfte das Quartett mit einem bunten Blumenstrauß aus Theater und Gesang auf. Dabei waren Schlagfertigkeit und schnelle Verwandlungsgabe gefragt. Denn das Publikum im Kurtheater machte bereitwillig mit und stellte das Springmaus-Ensemble mit seinen Zurufen und Geschichten vor so manche Herausforderung. Da wurde kurzerhand die christliche Tradition des Holzhackens in Japan ersonnen und Yunus Cumartpay entpuppte sich dabei als begnadeter Gebärden-Dolmetscher, sicher einer der Höhepunkt des ersten Teils. Ebenfalls ein besonderer Lacherfolg war die Szene, in der Gilly Alfeo und Yunus Cumurtpay Vater und Sohn beim Tannenbaumschmücken darstellten: in einem brillanten Dialog, in dem sie auf ein Buzzer-Signal einer Besucherin aus dem Saal sprachlich zwischen echtem Deutsch und vermeintlichem Türkisch hin und her wechselten, und das im Sekundentakt. Und wie Weihnachten bei Pia und Jürgen in Rech abläuft, wissen die Zuschauer nun dank der herrlichen Improvisation von Vera Passy und Beka Bediana. Als Gilly Alfeo dann zum Ende der ersten Programmhälfte noch eine „Improvisationsachterbahn“ ankündigte, hatte er nicht zu viel versprochen. Auf Zuruf performte das Quartett den Heiligen Abend in einem Hotel in Bad Neuenahr in verschiedenen Genres. Ob Literatur, Musik, Film oder Musical– keine Herausforderung schien zu groß. Vom Musical über Western bis hin zu Deutschrap und mehr wandelten die Darsteller im Minutentakt und wurden dafür mit kräftigem Applaus in die Pause verabschiedet.
Das Publikum blieb nicht verschont
Im zweiten Teil zeigten die Springmäuse eine ganz andere Art der Improvisation. Zunächst begab sich Gilly Alfeo ins Publikum, um die Akteure für die zweite Programmhälfte zu suchen. Fündig wurde er bei Herrmann und Hildegard, die er lange interviewte und so seinen Kollegen den Stoff zum Nachspielen der Biografie des ausgewählten Paares „bescherte“. Damit sich die drei Protagonisten ein wenig vorbereiten konnten, überbrückte Gilly die Zeit mit einem Medley aus „Waterloo“, „Kölsche Mädche bütze joot“ und „In der Weihnachtsbäckerei“– allesamt Wünsche des Publikums. Und stellte dabei sein außergewöhnliches musikalisches Talent unter Beweis, denn er verwob die drei zugerufenen Songs am Piano zu einem gemeinsamen Werk, in dem die drei Titel aufgingen, was zurecht Begeisterungsstürme auslöste.
Mutige Zuschauer liefern Stoff für die Bühne
Dann wurde die Liebes- und Lebensgeschichte der beiden mutigen Zuschauer, die sich auf die Bühne gewagt hatten, ausführlich erzählt. Die Zwei haben sich bei der Arbeit kennengelernt, beide waren für die RWE tätig. Da lernte man zunächst, wofür das Akronym RWE eigentlich steht, nämlich für „Recht wenig Einkommen“. Vera Passy brillierte als echtes Kölsche Mädche in der Rolle der Hildegard, die etwas Technisches macht, was „aber zu kompliziert zu erklären ist“. Und Beka Bediana eroberte ihr Herz als Herrmann, der Informatiker ohne Fehler, im Sturm. So ganz nebenbei nahm die Situationskomik der Springmäuse auch die Bindestrichstadt aufs Korn, wo das RWE-Pärchen seinen Lebensabend verbringt. Wenn beim Publikum erfragt wurde, ob denn nun Bad Neuenahr oder Ahrweiler der schönere Stadtteil sei, kann die Antwort ja nur falsch sein. Daraufhin streute das muntere Ensemble immer wieder den Namen „Bad Ahrweiler“ ins Programm. Zwei Dinge bewiesen die Springmäuse am Ende eines bejubelten Auftritts: Sie sind immer ein Garant für einen kurzweiligen und unterhaltsamen Abend und dass ganz ohne Drehbuch. Und wenn man es richtig anstellt, geht das Publikum mit, selbst auf die Tanne.
