Ausstellung „Die Klabers - Geschichte einer jüdischen Familie aus dem Rheinland“ im Rathausfoyer eröffnet
Stefan Raetz fordert zu mehr Toleranz auf
Rheinbach. Rund 70 Interessierte konnte Bürgermeister Stefan Raetz zur Eröffnung der Ausstellung „Die Klabers - Geschichte einer jüdischen Familie aus dem Rheinland“ im Rathausfoyer der Stadt Rheinbach begrüßen. „Die große Resonanz zeigt deutlich, dass in der Bevölkerung das Bedürfnis groß ist, sich mit dem Schicksal jüdischer Bürger in der Zeit des Nationalsozialismus auseinanderzusetzen“, so Raetz. Angesichts der aktuellen Flüchtlingssituation könne und müsse ein Blick auf die NS-Vergangenheit, in der aus rassistischen und anderen Gründen Menschen erniedrigt und ermordet wurden, zu mehr Toleranz und Solidarität mit anderen bewegen. Deshalb appellierte Raetz auch besonders an die jüngere Generation, sich diese gelungene Ausstellung anzuschauen. Er dankte Astrid Mehmel, Leiterin der Gedenkstätte für die Bonner Opfer des Nationalsozialismus an der Synagoge und ihren Mitarbeitern, dass sie es möglich machten, diese von ihnen konzipierte und bereits in Bonn gezeigte Ausstellung nun auch den Rheinbachern zu präsentieren. Er hob anerkennend hervor, dass von der Gedenkstätte speziell für diese Ausstellung zwei neue Thementafeln zu den Klabers angefertigt wurden. In ihrer Einführung erläuterte Mehmel, dass Fotos und Erinnerungsstücke, die Nachkommen der Familie Klaber der Gedenkstätte zur Verfügung gestellt hatten, die Grundlage für die Ausstellung bildeten. Anhand dieser Objekte wird nun die Geschichte einer jüdischen Familie im Rheinland zwischen Kaiserreich und Nationalsozialismus dargestellt. Während die Klabers schwerpunktmäßig in Zülpich und Bonn zu Hause waren, lebten auch in anderen Städten des Rheinlands Mitglieder der Familie. So heiratete Hermann Klaber 1929 die Witwe des Rheinbacher Anstreichermeisters Simon Marx, die in ihrem Haus auf der Hauptstraße ein Tabak- und Spielwarengeschäft führte. Klaber hatte im Ersten Weltkrieg als deutscher Soldat gekämpft und dabei ein Bein verloren. Politisch war er in der SPD aktiv und wurde im März 1933 in den Kreistag gewählt. Er nahm sein gewonnenes Mandat aber, vermutlich aufgrund des immer stärker werdenden antijüdischen Drucks, nicht an. Auch war er zunächst Spitzenkandidat für die Rheinbacher Stadtratswahl. Als er jedoch im Lokalteil des Westdeutschen Beobachters diffamiert worden war, wurde er auf den aussichtslosen dritten Listenplatz gesetzt. Während des Novemberpogroms wurde auch das Geschäft der Klabers zerstört, Hermann daraufhin in das Konzentrationslager Dachau verschleppt. Nach über einem Monat Haft kehrte er nach Rheinbach zurück. Ihr Geschäft musste die Familie aber aufgeben. So blieb ihnen nur übrig, das Haus in der Hauptstraße zu verkaufen und nach Köln in ein Ghettohaus zu ziehen. Von dort wurden Hermann und Clementine Klaber in das Ghetto Litzmannstadt deportiert. Im Mai 1942 wurden vermutlich beide in das Vernichtungslager Kulmhof gebracht und ermordet. In Rheinbach lebte auch Fanny Sommer, Tante von Hermann Klaber. Ihr Mann Lazarus führte in der Kriegerstraße eine Metzgerei. Während er bereits 1940 verstarb, wurden Fanny und Tochter Frieda zusammen mit vier weiteren jüdischen Bürgern, die mittlerweile auch in der Kriegerstraße lebten, von Rheinbach über Köln in den Osten deportiert. Fanny wurde im September 1942 in Treblinka, Frieda zwei Monate früher im Vernichtungslager Maly Trostinez bei Minsk ermordet. Die Ausstellung ist noch bis Donnerstag, 30. April, im Rathaus der Stadt Rheinbach zu sehen. Öffnungszeiten: Montag bis Mittwoch 8 bis 12 Uhr und 14 bis 17 Uhr, Donnerstag von 8 bis 12 Uhr und 14 bis 18 Uhr, Freitag von 8 bis 12 Uhr. Eine Führung ist für Donnerstag, 30. April, um 17 Uhr angesetzt. Um Voranmeldung im Stadtarchiv unter Tel. (0 22 26) 91 75 50 wird gebeten.
Im Lichthof vor der Installation zum Gedenken an die in der NS-Zeit ermordeten Rheinbacher Juden fand die Ausstellungseröffnung statt.
