Allgemeine Berichte | 07.03.2017

Theaterprojekt des Jobcenters begeistert Publikum in der Koblenzer Kulturfabrik

Stehende Ovationen für junge Flüchtlinge

„Sieben Zungen für Salim“ übertraf die kühnsten Erwartungen

Mit begeistertem Applaus reagierte das Publikum auf die Leistung der jungen „Schauspieler“ beim Stück „Sieben Zungen für Salim“.ArtMacKenzie

Koblenz. Am Ende waren alle überwältigt: das Publikum von der großartigen Leistung der Truppe, die jungen Schauspieler von der Begeisterung ihrer Zuschauerinnen und Zuschauer, die Organisatoren vom enormen Interesse an ihrem Projekt. Die Premiere des Theaterstücks „Sieben Zungen für Salim“ in der Koblenzer Kulturfabrik übertraf die kühnsten Erwartungen – und bescherte auch dem Jobcenter Stadt Koblenz und seinem Kooperationspartner defakto als Träger einen eindrucksvollen Erfolg.

Waddah hat früher in einer Bank gearbeitet und

würde das in Zukunft auch gern wieder tun. Aghyad will später als Medizintechniker arbeiten. Sein Bruder Mohamad wäre gern Physiotherapeut. Und Reham kann sich eine Zukunft als Zahnarzthelferin oder Apothekerin vorstellen. Doch an diesem Abend sind die vier jungen Leute, die vor nicht allzu langer Zeit als Flüchtlinge nach Deutschland kamen, etwas ganz anderes: Schauspieler. Schlüpfen in die Rollen von Lehrern, Königinnen, Narren und Soldaten. Gemeinsam mit ihren zwölf Mitspielerinnen und Mitspielern führen sie das Stück „Sieben Zungen für Salim“ auf, das auf einem Roman des deutsch-syrischen Schriftstellers Rafik Shami basiert. Monatelang haben sie für diese Premiere geübt. Denn nicht nur die Schauspielerei war ihnen bis vor Kurzem fremd, auch die Sprache, in der sie nun ihre Szenen vortragen, war es. Deshalb stand ihnen nicht nur eine Theaterpädagogin zur Seite, sondern auch eine Sprachtrainerin.

Lampenfieber bei den jungen Schauspielern

Am Nachmittag, bei der Generalprobe, war klar: Die Fortschritte, die die 16 Projektteilnehmer im letzten halben Jahr gemacht haben, sind enorm. Alle beherrschen ihren Text. Ihr schauspielerisches Talent ist bemerkenswert. Das Lampenfieber ebenfalls. Mehr als 200 Zuschauer haben sich angekündigt, die Nachfrage nach Karten war deutlich höher als die Zahl der vorhandenen Plätze. Vielleicht hätte der eine oder andere der jungen Leute angesichts so viel Aufmerksamkeit kurz vor dem Startschuss gern noch einen Rückzieher gemacht…

Begeisterter Zuspruch

Doch dann geschieht, was keiner der jungen Darsteller erwartet hat: Es gibt den ersten Szenenapplaus, das Publikum ist sichtlich berührt. Wohlwollen und Anerkennung tragen die jungen Leute durch ihr Stück, spornen sie an, provozieren Bestleistungen und machen alles ganz leicht. Die Zuschauer honorieren es je nach Anlass mit atemloser Stille oder begeistertem Zuspruch. Der Funke ist übergesprungen. Gelungene akrobatische und musikalische Einlagen runden das Bild ab. Am Ende gibt es stehende Ovationen, die von den Schauspielern - und ihren stolzen Familien - ebenso überrascht wie glücklich entgegengenommen werden. Dass ihre Leistung auf so viel Anerkennung treffen würde, haben sie nicht erwartet.

Projektteilnehmer hoffen auf eine Arbeitsstelle

Nach den Anstrengungen der letzten Wochen machen die jungen Talente nun erst einmal eine Pause, bevor das Projekt nach Karneval in eine neue Phase eintritt: Statt Theater stehen dann berufliche Praktika und Vorstellungsgespräche auf dem Stundenplan. Denn einen Beruf zu lernen und eine Arbeitsstelle zu finden, ist nach wie vor das wichtigste Ziel der jungen Flüchtlinge. Die Erfahrung, gemeinsam ein Theaterstück einstudiert und aufgeführt zu haben, will aber nach dem enormen Erfolg der Premiere keiner von ihnen mehr missen. Und wer weiß: Womöglich saß ja im Publikum auch der eine oder andere Arbeitgeber, der nun davon überzeugt ist, dass aus einem tollen Schauspieler mit ein wenig Engagement von allen Seiten ein wertvoller Mitarbeiter für sein Unternehmen werden kann.

Pressemitteilung Agentur für

Arbeit Koblenz-Mayen

Mit begeistertem Applaus reagierte das Publikum auf die Leistung der jungen „Schauspieler“ beim Stück „Sieben Zungen für Salim“ .Foto: ArtMacKenzie

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