Zwei Kundgebungen gleichzeitig in Rheinbach
Stille Mehrheit war gegenüber den Spaziergängern in der Minderheit
Während zwei Dutzend Befürworter der Corona-Maßnahmen still und im Stehen demonstrierten, machten etwa 100 „Spaziergänger“ auf ihre gegenteilige Sicht der Dinge aufmerksam
Rheinbach. Was als „stille Mehrheit“ angekündigt war, entpuppte sich am Montagabend als zahlenmäßig deutlich unterlegene Minderheit: Nur etwa zwei Dutzend Leute waren dem Aufruf des Grünen-Ortsverbandes Rheinbach gefolgt, für das Befolgen der Coronaschutzmaßnahmen schweigend zu demonstrieren. Damit wollten die Veranstalter um Margret Freund einen Kontrapunkt setzen gegen den Gegnern der Coronamaßnahmen, die wie schon an den vergangenen Montagabenden mit einem gemeinsamen, angeblich unorganisierten Spaziergang durch die Rheinbacher Innenstadt auf ihre Sicht der Dinge aufmerksam machen wollten.
Fast 100 Spaziergänger hatten sich auch an diesem Abend bei stürmischem Wetter vor dem Rathaus eingefunden, um sich um 18 Uhr gemeinsam auf den Weg zu machen, einige mit Fahnen der Friedensbewegung und umgehängten Lichterketten. Und weil die aus allen Altersgruppen bestehenden, unangemeldeten Spaziergänger keine Lust auf die Konfrontation mit den angemeldeten „Gegendemonstranten“ hatten, machten sie einen weiten Bogen um die „stille Mehrheit“, die sich vor der Außenstelle des Gesundheitsamtes in der Grabenstraße positioniert hatte. Dort hatte der Weg der Spaziergänger in den vergangenen Wochen immer vorbeigeführt.
Mehrheit steht hinter den Maßnahmen
„Die Mehrheit der Menschen steht hinter den Maßnahmen gegen Corona, und trotzdem bekommen die Spaziergänger die ganze Aufmerksamkeit. Das geht gar nicht“, begründete Margret Freund die Aktion. Auch die Anwohner und Geschäftsinhaber in der Rheinbacher Innenstadt vermissten eine sichtbare Gegenposition, wusste sie. Natürlich sei es absolut legitim, die Entscheidungen der Regierung zu kritisieren, „aber nur mit Impfungen und weiteren Maßnahmen zum Schutz vor Ansteckungen kommen wir auf Dauer überhaupt aus dieser Pandemie heraus“, erklärte sie. „Jeder von uns möchte gesund bleiben. Deshalb fühlen wir uns für das Wohl des Anderen mitverantwortlich und helfen durch das Impfen denen, die sich nicht impfen lassen können, nicht zu erkranken.“ Das trage dazu bei, die in der Pflege Tätigen zu entlasten, die Krankenhäuser offen, die Wirtschaft in Gang zu halten und die Gesellschaft aufleben zu lassen. Auch sie verstehen, dass die Maßnahmen, die von der Bundes- oder Landesregierung beschlossen werden, nicht immer so ganz verstanden würden. „Dennoch sind wir zuversichtlich, dass die Vorgaben im Allgemeinen sinnvoll sind, uns mittelfristig aus der Pandemie führen und uns wieder ein gewohntes Leben ermöglichen werden.“
So verhalten, dass andere geschützt werden
Bürgermeister Ludger Banken gesellte sich zusammen mit seiner Lebensgefährtin, der Ärztin Katrin Lewit, zu der „stillen Mehrheit“. Er hatte zuvor aber auch mit den „Spaziergängern“ gesprochen und sah seine Anwesenheit nicht als Zeichen gegen die Spaziergänger, sondern als Demonstration für die Einhaltung der Corona-Maßnahmen. „Ich bin bekennender Impfbefürworter und habe stets für das Impfen geworben. Ich unterstütze die Sache, weil wir unserer Verantwortung gerecht werden müssen, uns gegenseitig vor dem Virus zu schützen.“ Deshalb sollten sich alle so verhalten, dass andere geschützt werden, so sein Appell.
Bei beiden Kundgebungen gab es keinerlei Zwischenfälle, lediglich die Spaziergänger müssen nach Angaben der Polizei mit einer Anzeige rechnen, weil ihr Zug nicht angemeldet war und so das Versammlungsrecht gebrochen worden sei. Die „stille Mehrheit“ will aller Voraussicht nach am Montag, 7. März, noch einmal um 18 Uhr vor der Außenstelle des Gesundheitsamtes in Rheinbach für die Einhaltung der Corona-Maßnahmen demonstrieren. Über die Pläne der Spaziergänger ist indes nichts offiziell bekannt. JOST
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