Kultur im Ringener Rathaus
Stimmungsvolle Autorenlesung mit Wolfgang und Helga Kaes
Kriminalroman „Endstation“ weckt Erinnerungen an einen tatsächlichen Fall
Ringen. Für den Krimiautoren Wolfgang Kaes war die 13. Lesung seines Kriminalromans „Endstation“ ein überaus angenehmer und erfreulicher Abend, denn er musste beeindruckt zugeben, noch nie einen so herzlichen Empfang und eine so liebevoll gestaltete Bühne erlebt zu haben. Gemeinsam mit seiner Frau Helga Kaes war er bereits zum zweiten Mal im Ratssaal der Gemeinde Grafschaft im Ringener Rathaus zu Gast und erfuhr von Bürgermeister Achim Juchem, er sei damit im „südlichsten Vorort von Köln“ gelandet. Mehr als 60 Zuhörer erlebten denn auch bei stimmungsvoller Atmosphäre eine packende Lesung, die eher einem Hörspiel glich und die Zuschauer vom ersten Augenblick an in ihren Bann zog.
Die Leser des Bonner General-Anzeigers, dessen Chefreporter Wolfgang Kaes seit 2011 ist, werden im Roman „Endstation“ sehr viele Parallelen zum tatsächlichen Fall des vermissten Studenten Jens Bleck wiedererkennen. Über diesen mysteriösen Fall hatte Kaes mehrfach ausführlich berichtet und so neue Ermittlungen angestoßen, bislang ohne Erfolg. Ein 19-jähriger Student besuchte nach einer fröhlichen Geburtstagsfeier mit ein paar Freunden zu später Stunde noch eine Diskothek in Bonn. Zwei Wochen später wurde seine Leiche 50 Kilometer flussabwärts am Kölner Rheinufer gefunden. Die Ermittlungsbehörden legten sich schnell auf die Diagnose „Selbstmord“ fest. Ein großer Fehler, wie man mittlerweile weiß. Denn mittlerweile gibt die Staatsanwaltschaft offen zu, dass es sich wohl doch um ein Tötungsdelikt handelte. Die Ermittlungen hat man trotzdem eingestellt mit der Begründung, es seien keine erfolgversprechenden Ermittlungsansätze mehr zu erkennen. „Natürlich hat mich dieser reale Fall, der mir immer noch keine Ruhe lässt, zu ‚Endstation‘ inspiriert“, hatte Kaes in einem Interview zugegeben.
War es wirklich ein Selbstmord?
So spielt das Geschehen in dem Roman auch zunächst im Jahr 2013, als neun Schulfreunde gemeinsam eine Diskothek besuchen. Zwei Wochen später wird einer von ihnen tot aus dem Rhein gezogen. Die Rechtsmedizin findet auch hier keine Hinweise auf Fremdverschulden, die Ermittlungsbehörden mutmaßen Suizid. Die Ermittlungsakte wird geschlossen. Bis 2018, der in Ungnade gefallene LKA-Zielfahnder Thomas Mohr in die neugeschaffene Ein-Mann-Abteilung „Cold Cases“ strafversetzt wird. Für ihn scheint das beruflich die Endstation zu sein, doch so leicht lässt er sich nicht unterkriegen. Auf seinem Schreibtisch liegt zuoberst die geschlossene Akte über den angeblichen Selbstmord des Studenten nach dem Discothekenbesuch. Für ihn ist das reiner Blödsinn. Er stellt sich verschiedene Fragen, die nach und nach Licht ins Dunkel bringen: Warum wurden die Videoaufzeichnungen der Überwachungskameras so lustlos ausgewertet? Warum wurden Zeugenaussagen ignoriert? Warum wurden die Ermittlungen so blitzartig eingestellt? Je mehr Mohr gräbt, desto deutlicher tritt eine Parallelwelt zutage, eine Schattenwelt außerhalb des Ortungssystems der Öffentlichkeit. Ein perfektes System der Angst und des eisernen Schweigens.
Die Zuhörer spendeten lang anhaltenden Beifall und darüber hinaus auch noch ordentlich Geld für die Grafschafter Generationeninitiative „Älter werden in der Grafschaft“. JOST
