Ein besonderes musikalisches Geschenk zum Jahresausklang:
Sven Scheueren spielte am Klavier
Bad Breisig. Den Musikfreunden der Quellenstadt wurde zum Jahreswechsel ein besonderes Geschenk gemacht: Im Rahmen der Tätigkeit des Vereins „Forum Kultur“ fand ein pianistisches Festkonzert statt, ausgeführt von dem wieder einmal seine Virtuosität auf den Klaviertasten beweisenden Sven Scheuren. Der von seiner großen Fangemeinde überaus bewunderte und verehrte Pianist (und Organist) hatte sich für das Konzert das weite Feld der weihnachtlichen Gesänge vorgeknöpft und diese in einem dicken Strauß fantasievoller Variationen verpackt. Aber Sven Scheuren musiziert nicht nur, er ist ein ebenso Charmanter wie musikalisch beflissener Plauderer, der durch einführende Moderationen seine Darbietungen noch tiefer erleben lässt, als es überdies sein virtuoses Klavierspiel vermag. So begann die Vortragsfolge, mit einer versöhnlichen, alle Gefühlswelten in Anspruch nehmenden Fantasie über „Oh du fröhliche...“. Grandios, wie Sven Scheuren aus einem zunächst unentwirrbar scheinenden Themengeflecht immer wieder die Melodie aufblitzen lässt und sie schließlich in Form einer Fuge in den Mittelpunkt stellt. Zu dem Lied „O Tannenbaum“ macht er überzeugende stilistische Anleihen bei Mozart, also der verspielten musikalischen Form des Rokoko - und er erzählt dem überraschten Publikum von der Herkunft dieser Melodie, die noch zu Wolfgang Amadeus‘ Zeiten ein studentisches Lied war, das die Liebestreue beschwor. Diese Fantasie über „O Tannenbaum“, der tänzelnde Stil des Rokoko, die artistischen Tastenläufe, die Triller und fantasievollen Schnörkel - man könnte sich schon vorstellen, dass es ein solcher Vortrag war, womit das Wunderkind Wolfgang Amadeus seinerzeit die Kaiserin Maria Theresia bezauberte. Sven Scheuren verzauberte damit das nahezu atemlos zuhörende Publikum im Saal des Hotels Rhein-Residenz. Genau so spannend das Geflecht von kontrapunktischem Melodienzauber, das sich der Ausnahme - Pianist über das Thema „Vom Himmel hoch, da komm ich her...“ ausgedacht hat. Aber dem Zuhörer kommt in den Sinn: Muss der Künstler bei solcher Perfektion im Fantasieren überhaupt noch denken, oder ist solche Beherrschung des Instruments nur noch Intuition. Sven Scheuren erklärt in einer Konzertpause: Was so leicht hingezaubert aussieht, ist das Ergebnis ständigen Übens, täglich zwei bis drei Stunden am Klavier - sonst machen Geist und Finger nicht mit! Weiter im Programm: „Stille Nacht“, verpackt in unterschiedlichen Stilen: So würde Mendelssohn es spielen, so Chopin, so etwa klänge es bei Buxtehude... Eine überaus reizvolle Begegnung mit diesen Giganten der Musik. Bei dem Lied „Alle Jahre wieder...“ kommt es zur Begegnung mit Georg Boehm, dem Zeitgenossen Bachs. Der Pianist verpackt seine Fantasie über das Lied in eine typische Fuge mit kontrapunktischen Melodienläufen. Viel erstaunliche musikalische Einfälle auch bei der Verarbeitung des Motivs „Lobt Gott, ihr Hirten...“. Bei „Süßer die Glocken nie klingen...“ ein Pech: Der kleine Stoppke, der begleitend die Porzellanglocke erklingen lassen soll, lässt sein Instrument aus der Hand gleiten - Scherben! Gehen wir davon aus, dass sie Glück bringen. Das Konzert, das mit einem gemeinsam gesungenen „Oh du Fröhliche“ ausklingt, hat jedenfalls alle glücklich gemacht, die dabei waren. Der Beifall für den großartigen Pianisten wollte nicht enden.
FA
