Allgemeine Berichte | 23.04.2025

Synodaler Weg der römisch-katholischen Kirche und Ökumene

Auf Einladung der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) Andernach hat der Generalsekretär des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Marc Frings, im Gemeindesaal von Maria Himmelfahrt zum Thema „Der synodale Weg und seine Bedeutung für die Ökumene“ einen Vortrag gehalten. Foto: privat

Andernach. Auf Einladung der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) Andernach hat der Generalsekretär des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Marc Frings, im Gemeindesaal von Maria Himmelfahrt zum Thema „Der synodale Weg und seine Bedeutung für die Ökumene“ einen Vortrag gehalten.

Zunächst stellte er das ZdK vor, das aus Vertreterinnen und Vertretern der Diözesanräte, der katholischen Organisationen und weiteren Einzelpersönlichkeiten besteht. Es ist eine anerkannte Vertretung der katholischen Laien in Deutschland, vertritt die Anliegen der Gläubigen und hat aus dem Glauben heraus den Auftrag, Kirche, Gesellschaft und Politik aktiv mitzugestalten. Durch den allgemeinen religiösen Niedergang stehen Kirche und damit auch das ZdK gesamtgesellschaftlich, innerkirchlich und politisch vor großen Herausforderungen.

Eine Antwort darauf sind die Katholikentage, die bereits seit 1848 stattfinden und aus denen sich das ZdK gegründet hatte. Heute werden sie als Beitrag zur Ökumene gesehen. Beim Katholikentag in Erfurt 2024 gab es einen zentralen ökumenischen Gottesdienst. Frings sagte, das sei nicht mehr die Ausnahme, sondern die gelebte Normalität. In der Konsequenz werden Katholikentage immer evangelischer und Kirchentage immer katholischer. Die gegenseitige Gastfreundschaft bei Abendmahl und Eucharistie ist ein besonderes Zeichen. Die Münsteraner Theologin Dorothea Sattler veröffentlichte 2019 mit anderen einen Text, der mit guten theologischen Gründen aufzeigt, dass eine wechselseitige Teilnahme von evangelischen und katholischen Christinnen und Christen an Eucharistie und Abendmahl möglich ist.

Der nächste Punkt ist der synodale Weg in Deutschland, der sich als Reaktion der katholischen Kirche auf die Missbrauchskrise versteht. An seinem Anfang steht die Kernforderung nach Umkehr und Erneuerung. Zunächst debattierten vier Foren vertraulich zu Macht und Gewaltenteilung in der Kirche, priesterlicher Existenz heute, Frauen in Diensten und Ämtern sowie Leben in gelingenden Beziehungen. Der synodale Weg ist kein deutscher Sonderweg. Das ganze Ringen um einen gemeinsamen Weg des ganzen „Volkes Gottes“ – Bischöfen, Hauptamtlichen, Ehrenamtlichen, Jung und Alt – ist ein Ringen in einem geistlichen Prozess. Papst Franziskus erinnert daran, dass Synodalität der Weg ist, den Gott von der Kirche im dritten Jahrtausend erwartet.

Parallel zum deutschen synodalen Weg fand in Rom die Bischofssynode zur Synodalität statt. Ein sehr konkretes ökumenisches Element war die Präsenz ökumenischer Delegierter. Die Teilnahme dieser Delegierten aus anderen Kirchen hat die Beratungen bereichert. Das zeigt: Man ist gemeinsam unterwegs zur vollen Einheit der Christen. Papst Franziskus sagte zu Beginn der Synode: „Wenn wir nicht ökumenisch sind, können wir die Synodalität vergessen.“ Es gab viele Themen: Wie können wir als Kirche heute missionarischer, dienender, geschwisterlicher sein? Was hindert uns, was hilft uns? Die Rolle der Frau, eine inklusive Kirche, der Umgang mit jungen Menschen, die Liturgie, die Ökumene und vieles mehr waren Themen. Das Abschlussdokument sagt deutlich, dass die Partizipationsrechte der Laien garantiert werden müssen. Das Amt des Bischofs und selbst des Papstes wird im Licht der gemeinsamen synodalen Beratung verstanden – nicht isoliert oder autokratisch. Papst Franziskus identifizierte sich voll und ganz mit dem Synodenbeschluss und hat darum kein eigenes nachsynodales Schreiben verfasst. Die Impulse des deutschen synodalen Weges finden sich in abgewandelter Form auch im Weltsynoden-Dokument wieder.

Die Bedeutung der synodalen Prozesse kann man in fünf Punkten zusammenfassen:

1. Sie erneuern das Kirchenbild – weg vom Klerikalismus, hin zum „Volk Gottes“. Damit kommt man der gemeinsamen Basis aller Christen näher.

2. Synodale Prozesse haben konkrete ökumenische Kooperationen angestoßen und befördert.

3. Die synodalen Prozesse stärken das gegenseitige Verständnis und das Vertrauen zwischen den Kirchen. Das einander Zuhören war ein Schlüsselwort auch in Rom.

4. Die synodalen Prozesse in der katholischen Kirche beseitigen Stolpersteine der Ökumene. Da sind z.B. die Themen Amtsverständnis, Frauenordination oder das Verständnis von Ehe. Das Thema Frauen ist ein besonders wunder Punkt. Die massive Unterstützung für Frauen in kirchlichen Ämtern wurde sichtbar, womit auch der Druck wächst, weltkirchlich zu denken.

5. Synodalität schafft einen neuen Stil der Einheit, der dem Anspruch Jesu näherkommt. Eine katholische Kirche, die demütig ihre Schwächen eingesteht und gleichzeitig mutig Reformen anpackt, gewinnt an moralischer Autorität – nicht über andere Christen, sondern mit ihnen zusammen.

Fazit: Der synodale Weg ist kein Selbstzweck. Er dient dazu, das Evangelium von der Liebe Gottes in unserer Zeit glaubhaft zu verkünden – klarer, verständlicher, überzeugter und überzeugender. Und zwar hier und heute, in der Gemeinschaft der ganzen Kirche in ökumenischer Verbundenheit und in relevanter Zeitgenossenschaft.

Auf Einladung der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) Andernach hat der Generalsekretär des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Marc Frings, im Gemeindesaal von Maria Himmelfahrt zum Thema „Der synodale Weg und seine Bedeutung für die Ökumene“ einen Vortrag gehalten. Foto: privat

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