Premiere im Schlosstheater Neuwied: Ich – Marilyn
Tausend Scheine für deinen Kuss, doch keinen Cent für deine Seele
Annäherung an ein tragisches Schicksal mit Chris Pichler
Neuwied. Chris Pichler, österreichische Schauspielerin, Sängerin, Regisseurin und Autorin, begeisterte schon vor zwei Jahren mit ihrer eindringlichen Darstellung der Romy Schneider. Jetzt konnte und kann man sie in der Rolle der Marilyn Monroe auf der Landesbühne erleben. Neunzig Minuten lang tanzt sie über sie Bühne, lachend, weinend, zornig und traurig, am Ende verzweifelt. Das Leben einer Hollywood-Ikone zieht am Zuschauer vorüber, lange vor der „Me Too Debatte“, als die Produzenten ihre Darstellerinnen noch im Büro unter Ausschluss der Öffentlichkeit „aussuchten“ und sich ihr Wohlwollen mit Sex bezahlen ließen. Norma Jean Mortensen verwandelt sich auf der Bühne vom Mädchen aus der Provinz Stück für Stück in jene Marylin Monroe, die alle kannten. Oder auch nicht kannten, denn ihr offizielles Gesicht war zu ihren Lebzeiten stets lachend und verführerisch. Dabei war sie im Grunde eine tragische Figur, immer auf der Suche nach Zuneigung und Glück. „Alles, was ich will, ist, dass das Leben nett zu mir ist“. Aber das Leben war nicht nett zu ihr. Drei Ehen, ihre Beziehung zu den Kennedys, Alkohol und Drogen, alles führt in die Katastrophe. 1962 wird sie tot in ihrer Wohnung aufgefunden.
Chris Pichler lässt das Publikum an der tragischen Entwicklung teilhaben. In verschiedenen Szenen, unterstützt von ausgeklügelten Lichteffekten, stellt sie dar, wie die schöne aber tragische Figur im Laufe ihres Lebens immer weiter an den Abgrund gerät und schließlich abstürzt. Dabei zeigt Chris Pichler ihre erstaunliche Vielseitigkeit, gepaart mit natürlichem Temperament. Und obwohl man das Schicksal der Monroe kennt, fesselt den Besucher das Stück an den Theatersessel. Und dass coronabedingt keine Pause sein darf, wirkt sich in diesem Fall eher positiv aus, man hat gar kein Bedürfnis, die Vorstellung unterbrochen zu sehen. 90 Minuten spannende Unterhaltung und das Gefühl, dass man in eine hoffentlich zum Glück vergangene Epoche der Filmwelt schauen kann, lässt das Publikum in den Sitzen verharren.
Die gekonnt und mit viel Verve vorgetragenen Lieder tun ein Übriges, für szenische Effekte sorgen außerdem gezielte Geräuschkulissen sowie die punktuelle Spotausrichtung bei minimal eingesetzten Requisiten.
Das Stück kann noch bis zum 17. Dezember an verschiedenen Tagen gesehen werden – empfehlenswert für alle, die sich für das Schicksal der Filmikone Marilyn Monroe interessieren. -HE-
Am Ende verzweifelt sie an der Suche nach ihrem Lebensglück.
Chris Pilcher „kann“ Marilyn. Spannend und erschütternd zugleich. Foto: Fabian StŸrtz
