12 Azubis lieferten ihr Gesellenstück ab – In der Sparkasse ausgestellt
Tischler-Innung hatte zur Freisprechung der Gesellen eingeladen
Neuwied. Zwölf Auszubildenden des Tischlerhandwerks im Bezirk Neuwied wurde der Gesellenbrief ausgehändigt. Historisches lag bei der Freisprechung in der Luft. Der Tag hat seinen Ursprung in der Freisprechung der Lehrlinge in den handwerklichen Zünften. Mit der Freisprechung schied der Handwerker aus dem Familienverband des Meisters aus und trat in ein sach- und lohnbezogenes Verhältnis zur Werkstatt. Er wurde in das Gesellenbuch der Zunft eingetragen. Zur Feier des Tages musste der neue Geselle damals ein Mahl bezahlen. Heute ist das nicht mehr so. Die Tischlerinnung hat mit der VR-Bank und der Sparkasse starke Partner an ihrer Seite, die sich in der Ausrichtung der Freisprechungsfeier im jährlichen Rhythmus abwechseln. „Wir sind immer gern Gastgeber, denn ihre Gesellenstücke sind nicht nur Handwerk sondern auch Kunsthandwerk und damit eine Bereicherung für unsere Kunden und unser Haus“, sagte Sparkassen Vorstand Dr. Hermann Josef Richard. Die Gesellenstücke sind noch in den nächsten Tagen in der Sparkasse Neuwied zu begutachten. Dr. Hermann Josef Richard unterstrich, dass das Handwerk und die Sparkasse gemeinsame historische Wurzeln haben. Abschließend gratulierte er den jungen Leuten zur Freisprechung und dem erfolgreichen Erreichens des großen Ziels. Wie schwer der Weg dahin gewesen sein muss zeigt, dass anfänglich fünfundzwanzig Ausbildungsverträge unterschrieben wurden. „Wobei nicht alle durch die Prüfung gefallen sind. Manche mussten feststellen, dass der Beruf nicht der richtige ist und brachen die Ausbildung ab“, stellte Obermeister Norbert Dinter klar. Er forderte die Gesellen dazu auf, den Gesellenbrief nur als eine Etappe im Berufsleben zu sehen. „Hören sie nicht auf zu lernen“, ermunterte Norbert Dinter und bat gleichzeitig darum, das neu erworbene Wissen weiterzuvermitteln. Die Freisprechung bezeichnete er als entscheidendes Ereignis im Leben der jungen Menschen. Drei Jahre hatten sie mit Fleiß und Disziplin auf diesen Tag hingearbeitet. „Ab heute können sie sich nicht mehr verstecken. Nun sind sie gefordert, anderen Lehrlingen zu helfen“, so der Obermeister. Er rief die Gesellen dazu auf, in der Region zu bleiben. Im Kreis Neuwied gebe es ganz hervorragende Perspektiven und Möglichkeiten. Die Anwesenheit von Familien und Vertretern der Ausbildungsbetriebe nutzte er, um sich bei ihnen zu bedanken. Die Eltern hätten die jungen Menschen mit den notwendigen sozialen Kompetenzen in die Lehre geschickt. Den Betrieben und den Berufsschulen sprach der Obermeister seinen Dank für deren Engagement aus.
Schulklasse wie ein Wald
„Diese Klasse ist wie ein Wald“, erklärte Ullrich Mandelkow. Er betreute die Tischler an der David Roentgen Schule. Er bescheinigte einen weitestgehend und vergleichsweise problemlosen Umgang mit der Klasse. Das Alter reichte zu Beginn von minderjährig bis Mitte Dreißig. Die Schüler seien genauso vielfältig wie die Natur und hätten alle unterschiedliche, individuelle Gesellenstücke geschaffen. Zum Abschied riet er den Gesellen flexibel wie ein Baum zu sein, der sich im Wind bewegt und nicht umfällt. „Seien sie so neugierig wie ein Baum, der mit seinen Ästen das Licht einfängt“, so Ullrich Mandelkow. Seit 1994 ist er Berufsschullehrer für Tischler. Was ihn an dem Beruf begeistert ist, immer wieder neues und nie da gewesene präsentiert zu bekommen. Zur Gratulation war auch Oberbürgermeister Nikolaus Roth, gleichzeitig Verwaltungsratsvorsitzender der Sparkasse Neuwied, gekommen. „Sie können heute stolz sein und von nun an neue Ziele ansteuern“, so Nikolaus Roth. Nach der Zeit des Nehmens sei nun die Zeit des Gebens gekommen. Gemeint ist die produktive Leistung für den Arbeitgeber, der in vielen Fällen zuvor der Lehrherr war. Der Oberbürgermeister bezeichnete das duale Ausbildungssystem in Deutschland als weltweit führend. Durch die partnerschaftliche Beziehung zur Neuwieder Partnerstadt Suquian weiß er, dass die Chinesen das deutsche System gern bei sich einführen möchten. Nachdem nämlich der Turbokapitalismus aus China abzieht und sich neue Billiglohnländer sucht, steige die Zahl der Arbeitslosen. Die Menschen seien von den multinationalen Arbeitgebern zwar angelernt worden, eine fundierte Ausbildung sei dagegen nicht vorhanden.
Kevin Franz war der Beste
Prüfungsbester in diesem Jahr ist Kevin Franz (Ausbildungsbetrieb: Schreinerei Peter Rychlik & Enkel). In der Addition der Berufsschulnoten (50%) sowie der Arbeitsprobe und dem Gesellenstück (jeweils 50%), schnitt er am erfolgreichsten ab. Ebenfalls mit einem Sonderpreis ausgezeichnet wurde Julian Lang (Joachim Robert Laser). Er gewann bei der Nominierung zur „guten Form 2016“. Freigesprochen wurden außerdem: Thorsten Becker (Holz in Form, Neuwied), Michael Boendgen (Stefan Bornheim, Rheinbreitbach), Michael Delcroix (Heinrich Haus GmbH, Neuwied), Isabelle Fehre (Service GmbH, Rheinbrohl), Dennis Fernau (Wilfried Heuper-Jirousek, Neuwied), Matthias Helbing (Schreinerei Mertesacker, Leutesdorf), Jan Hertling (Anita Hertling, Waldbreitbach), Alexander Hüsing (Heinrich-Haus, Neuwied), Leonard Balduin Lemper (Gregor Sommer, Breitscheid) und Lukas Zimmermann (Helmut Bockshecker, Unkel). FF
Obermeister Norbert Dinter gratuliert im Beisein von OB Roth und SK-Direktor Dr. Hermann Josef Richard dem Prüfungsbesten Kevin Franz.
