40. Töpfertage in Adendorf
Töpferfamilien erhalten die Tradition
Handwerk zwischen Kunst und Alltag
Wachtberg-Adendorf. Traditionell öffneten am zweiten Oktoberwochenende in Adendorf wieder Handwerksbetriebe ihre Tore und gewährten Schaulustigen einen Einblick in ihr Können. Zu entdecken gab es nicht nur klassische getöpferte Steinkrüge und sonstige Gegenstände des täglichen Gebrauchs. Auch manches Kunstwerk sprang den Neugierigen ins Auge. So fand man getöpferte, innen beleuchtete Kugeln, kunstvoll verzierte Gartenkeramik und originelle handgetöpferte Geschenkideen. Auch thematisch zu den bevorstehenden Feiertagen Passendes gab es zu bewundern.
In den beiden Töpfereien Hansen und Günther waren Neugierige und Tatendurstige eingeladen, unter Anleitung selbst einmal das Handwerk des Töpferns für sich zu entdecken. Gefühl für das Material und immer die richtige Menge Wasser seien das A und O für den Erfolg bei der Töpferei, erklärte Paul Günther. Er verhalf zusammen mit der Schwiegertochter in spe Anfängern wie Hobbytöpfern an der Töpferscheibe zu ansehnlichen Ergebnissen.
In der Töpferei Hansen verzierten erwachsene wie kleine Besucher vorgefertigte Kugeln. Den Brand erledigen die Töpfereien später im großen Ofen, sodass die Besucher bald ihre Werke in den Händen halten können.
Einen der Öfen konnten die Gäste ebenfalls in Augenschein nehmen. Seit dem 18. Jahrhundert hat sich die Technik des Brennens zwar im Kern nicht verändert. Doch auf den Wandel des Energiemarkts haben die Töpfer reagiert. Berge von Holz mussten früher verbrannt werden, um die richtige Brandtemperatur zu erreichen. Heutzutage wird der Ofen umweltfreundlich mit Flüssiggas befeuert.
Der kleine Ort, in dem im 18. Jahrhundert vermehrt Töpfer zu siedeln begannen, hat sich im Laufe der letzten Jahrzehnte stark gewandelt. Während vor zwei Jahrzehnten noch das Brauchtum florierte und die Anzahl der Töpferbetriebe in Adendorf im zweistelligen Bereich lag, sind heute nur noch zwei Handwerksfamilien am Start.
Je mehr der Werkstoff Plastik manche ehemals tönerne Haushaltsgerätschaften verdrängte, desto mehr ließen sich einige Töpfer einfallen, um ihrem Handwerk zu neuem Schwung zu verhelfen. Eine Töpferei am Ortsrand wandte sich früh der industriellen Fertigung von Tonwaren zu und entwickelte sich zu einem weltweit handelnden Unternehmen mit weit über die Ortsgrenzen bekanntem Ruf. Andere spezialisierten sich auf Gartenkeramik oder schlugen den künstlerischen Pfad ein.
Gemeinsam haben sie alle, dass ihre Produkte von besonderer Qualität und Originalität sind, die ihresgleichen suchen. Den Vergleich mit den industriell gefertigten Waren müssen die handwerklich hergestellten Töpfe nicht scheuen. Nach dem Brand bei einer Temperatur von 1280 °C sind Teller, Becher, Tassen und weitere Küchenutensilien problemlos spülmaschinenfest und mikrowellengeeignet.
Die beiden Töpfereien, die die Tradition der Töpfertage zusammen mit der KG Hetzbröde aufrechterhalten, werden bereits in der dritten Generation bzw. seit 1854 als Familienbetriebe geführt. Die Nachwuchsfrage stellt sich bisher in beiden Familien nicht. Paul Günther hat die Führung seines Betriebs in diesem Jahr an seinen Sohn übergeben und in der Töpferei Hansen führen die beiden Brüder Hansen bereits seit 15 Jahren das Unternehmen von Vater und Großvater weiter. Die im Ort sehr aktive Karnevalsgesellschaft Hetzbröde unterstützte die Töpfer bei der Veranstaltung und sorgte für Speis und Trank.
Die Karnevalsgesellschaft Hetzbröde unterstützt die Töpfer mit allem, was Leib und Seele schmackhaft zusammenhält.
Hochkonzentriert arbeiteten Groß und Klein an den Kugeln. Auf der Töpferscheibe entsteht eine Vase.
