Überregionales Angebot für Waldbestattungen im „Ruheforst Bell am Laacher See“
Trost und Harmonie in der Ruhe des Waldes
Bell. Die Bestattungskultur befindet sich genauso wie die Gesellschaft im Wandel. Familienbande sind nicht mehr so eng wie noch vor einigen Jahren. Alternative, pflegelose Bestattungsformen gewinnen an Zuspruch. Die Waldbestattung liegt hier im Trend. Verbraucherumfragen zeigen, dass sich immer weniger Menschen eine Beisetzung auf einem herkömmlichen Friedhof wünschen.
Der Beller Gemeinderat beschäftigte sich unter der Leitung des 2019 gewählten Ortsbürgermeisters Stefan Zepp seit 2020 mit der Schaffung eines Waldfriedhofs oberhalb des Schützenplatzes in Richtung Gänsehals. Ebenso wie alle anderen Kommunen stand auch Bell vor der Aufgabe, neue Strategien für eine künftige Waldnutzung zu entwickeln. Probleme wie Klimawandel, die Globalisierung der Holzmärkte, die energetische Nutzung von Holz sowie den demografischen und gesellschaftlichen Wandel galt es zu bewältigen.
Am Donnerstag, dem 13.07.2023 war es denn endlich soweit: Ortsbürgermeister Stefan Zepp begrüßte anlässlich der Eröffnung des „Ruheforst am Laacher See“ relativ viele Personen und Gruppen, die zum Gelingen des vorbildlichen Projektes beigetragen hatten. Dazu zählen u.a. die Kreisbeigeordnete Birgitt Meyreis (stellvertretend für Landrat Dr. Alexander Saftig), VG-Bürgermeister Jörg Lempertz, der mit seinen Beigeordneten Alfred Nett und Alexander Müller vor Ort war, Pastor Dr. Artur Schmidt und Pfarrer André Beetschen, Jost Arnold (Geschäftsführer der Firma Ruheforst) und dessen Mitarbeiter Matthias Budde. Ein weiterer Gruß des Beller Bürgermeisters ging an die Mitarbeiter der Ortsgemeinde Bell, Selden Rothbrust und Doris Haack (Ansprechpartner bei Fragen rund um den Ruheforst), Jan Soetebier und Oswald Schneider (Bauhof) sowie an die Mitarbeiter der Verbandsgemeindeverwaltung Mendig und der Kreisverwaltung, die ebenfalls zum Entstehen des Ruheforstes beigetragen hatten und viele weitere Männer und Frauen, die bei der Verwirklichung des Projekts mit Rat und Tat zur Verfügung standen.
Die Einweihungszeremonie des Ruheforstes wurde vom Kirchenchor Cäcilia Bell unter der Leitung von Claus Heuft und vom Musikverein Bell unter der Leitung von German Heuft musikalisch begleitet.
Auf die Idee, in Bell einen Waldfriedhof einzurichten, kam Bürgermeister Stefan Zepp vor sieben Jahren, als seine Ehefrau verstarb. Nach informativen Gesprächen mit dem Revierleiter Stefan Braun wurde das angedachte Projekt den Gremien vorgestellt, die sich durchweg positiv äußerten. Gemeinsam mit Otmar Schüller von der VG-Verwaltung wurde die Genehmigungsfähigkeit geprüft und schon bald hatte die Kreisverwaltung von der ursprünglich vorgesehenen Waldfläche etwa die Hälfte genehmigt. Auf einer Fläche von knapp fünf Hektar sind insgesamt 170 Ruhebiotope mit bis zu 2000 Grabstätten, die einen Kreis um die jeweiligen Bäume bilden, geplant.
Weiterhin wurde in ausführlichen Beratungen von der Ortsgemeinde Bell entschieden, das Vorhaben gemeinsam mit einem erfahrenen Partner, zu stemmen. „Bei dem Prüfverfahren setzte die Firma Ruheforst GmbH sich durch und ich möchte Ihnen, Herr Arnold an dieser Stelle noch einmal sagen, dass wir sehr glücklich über unsere Entscheidung sind, zumal die bisherige Zusammenarbeit hervorragend geklappt hat“, so Ortsbürgermeister Zepp, der hinzufügte: „Wir nennen unsere Grabstätten Ruhebiotope (Bio: das Leben und Topos: der Ort) und der Begriff Ruhebiotop verbindet Leben und Tod. Besonders stolz bin ich darüber, dass wir nun der erste Waldfriedhof im Kreis Mayen-Koblenz sind, der öffentlich über die Grenzen von Bell hinaus genutzt werden kann. So werden wir in Kürze die Beisetzung eines Verstorbenen aus New York vornehmen und es fand inzwischen die erste Beisetzung eines Sternenkindes an einem unserer Regenbogenbiotope statt.“ Den würdigen Rahmen der Feier unterstrich Stefan Zepp durch das Vorlesen eines Briefes des evangelischen Pfarrers i.R. Sven Dreiser aus Rieden. Dieser hatte mit wunderbaren Worten über „seinen Baum 136“ berichtet, den er sich bereits ausgesucht hat und unter dem er bestattet werden möchte.
Vor einem Grußwort der Kreisbeigeordneten Birgitt Meyreis erinnerte VG-Bürgermeister Jörg Lempertz in seiner ebenfalls gefühlsbetonten Ansprache mit den Worten daran: „Der Verstorbenen zu gedenken, gehört zu den wertvollsten und wichtigsten Aufgaben der Lebenden. Es hilft, Trauer zu bewältigen, Erinnerungen zu wahren und Vergängliches in unserem Herzen weiterleben zu lassen. Mit der Einweihung des Ruheforstes Bell zieht eine neue Bestattungsform in unserer Verbandsgemeinde ein.
Sie ist Symbol der Verbundenheit zwischen Natur und dem ewigen Gedenken an unsere Verstorbenen. Der Ruheforst ist ein Ort der Stille, der Erinnerung und des Trostes. Er wurde geschaffen, um den Menschen eine naturnahe Alternative zu herkömmlichen Begräbnisstätten zu bieten. Dieser Waldfriedhof ist nicht nur ein Ort der Trauer, sondern auch ein Ort des Lebens. Er bietet Raum für Besinnung, für Spaziergänge und für das Erleben der Natur in all ihrer Pracht.
Durch den Erhalt dieses Waldgebietes können wir nicht nur unsere Verstorbenen ehren, sondern auch einen Beitrag zum Schutz unserer Umwelt leisten. Möge der Ruheforst ein Ort des Trostes und der Kraft für uns alle sein.“
Nach den Worten des Geschäftsführers der Ruheforst GmbH, Jost Arnold ist der Ruheforst Bell der erste Bestattungswald in Rheinland-Pfalz, in dem Klimaschutzleistungen des Waldes berechnet wurden. „Mit dieser neuen Zusatzleistung geht der Ruheforst Bell am Laacher See neue Wege, die den Bestattungswald umweltpolitisch neu bewerten lassen“, so Jost Arnold, der darauf hinwies, dass sein Unternehmen in Bell seinen 82. Ruheforst in Deutschland eröffnet hat.
Im Rahmen einer ökumenischen Andacht wurde der Ruheforst Bell durch Pastor Dr. Artur Schmidt und Pfarrer André Beetschen eingesegnet.
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Der Kirchenchor Cäcilia Bell beeindruckte unter der Leitung von Claus Heuft (Mitte) wieder einmal mit seinen herausragenden Gesangsdarbietungen.
Ruheforst-Geschäftsführer Jost Arnold überreicht ein aus Holz gearbeitetes Namensschild.
Eine Hinweistafel am Aufgang zum Ruheforst verschafft einen Überblick.
(v.l.): Pastor Dr. Artur Schmitt, Jost Arnold, Geschäftsführer der Firma Ruheforst, die ehrenamtliche Kreisbeigeordnete Birgitt Meyreis, VG-Bürgermeister Jörg Lempertz, Ortsbürgermeister Stefan Zepp, Udo Krayer, Erster Beigeordneter der Ortsgemeinde Bell, und Pfarrer André Beetschen durchschnitten das rote Band und übergaben damit den Ruheforst Bell am Laacher See seiner Bestimmung. Fotos: FRE
