Vortrag zur „Artenvielfalt vor der Haustüre“
Über Zottelbiene, Natternkopf und unbekannte Nachbarn
Am Dienstag, 27. Oktober, im Pfarrheim Rosenkranz
Bad Neuenahr-Ahrweiler. Warum braucht ein Schmetterling namens Bläuling die Ameise, um zu überleben? Wieso tummeln sich am Natternkopf mehr Insekten als auf der angepriesenen Schmetterlingswiesenmischung? Und weshalb gibt es eine Inflation von Insektenhotels, niemand bedenkt aber, dass die, die dort heimisch werden sollen, auch was futtern müssen?
Natur verändert sich dramatisch. Die Älteren werden sich erinnern. Lange Autofahrten waren früher unweigerlich mit hartnäckigen Putzaktionen der Windschutzscheibe verbunden. Das braucht man heute nicht mehr. Nicht weil sich das Glas selber reinigen würde, sondern weil die Insekten verschwinden. 75 Prozent ihrer Gesamtmasse in den letzten 27 Jahren!
Die Ursachen: menschengemacht. Und nicht ohne Folgen für Flora und Fauna. Man ahnt es, doch kann es nur bedingt erfassen: Die weite Welt der Insekten, die der Kräuter und Unkräuter und die großen Zusammenhänge in Futterketten und Symbiosen, ist und bleibt den Ottonormal-GärtnerInnen fremd.
Der ökumenische AK Schöpfung (Kirche auf der LaGa, Bad Neuenahr-Ahrweiler) will daran was ändern. Bewusstsein schaffen. Sensibilisieren. Er tut das im Schulterschluss mit einer neu entstehenden Kinder- und Jugendgruppe und dem fachlich versierten NABU. Vier Vorträge zu brandaktuellen Themen sind anberaumt, der erste nimmt die Artenvielfalt in den Blick.
Artenvielfalt – wie vielfältig ist die?
Wenn es um die Honigbiene geht, schlagen die Herzen vieler höher. Dass es aber in Deutschland über 550 Wildbienenarten gibt, Schwebfliegen und Hummeln, die für die Bestäubung viel wichtiger sind, wissen nur wenige. Die meisten von ihnen kennen die DurchschnittsbürgerInnen nicht. Viele werden sie wohl auch nie mehr kennenlernen, denn sie verschwinden sang und klanglos.
Etliche sind spezialisiert und auf wenige Futterpflanzen angewiesen. Gifte und landwirtschaftliche Megaflächen lassen sie förmlich heimatlos werden und verhungern. Aber auch sterile Gärten und falsche Bepflanzung tragen dazu bei.
„Das Problem ist grundlegend. Wir müssen uns heute einer regelrechten Naturentfremdung stellen“ so Andrea Brinkhoff vom NABU, „Bei vielen bestimmen Angst und blankes Unwissen ihr Verhältnis zur Natur. Da muss sich dringend was ändern!“
Markus Hartmann vom AK-Schöpfung ergänzt aus Sicht von „Kirche auf der LaGa“: „Da gibt es auch eine ziemliche Schieflage bei den Kirchen und bei einer vermeintlich christlichen Sicht auf die Schöpfung. Papst Franziskus weist ja sehr passend darauf hin, dass wir besser im Buch Genesis lesen sollten: Macht Euch der Erde Untertan. Ich möchte hinzufügen: aber dalli!“
Gründung „Schöpfungsjugend“ und Vortrag
- Vortrag „Artenvielfalt vor der Haustüre- was es gibt und warum es verschwindet“, Dienstag, 27. Oktober, 19:30 Pfarrheim Rosenkranz, Telegrafenstraße 4, Bad Neuenahr. Referent Prof. Thomas Wagner, NABU
- Infotreff einer Gruppe von Kindern und Jugendlichen, die sich für die Umwelt stark machen wollen, vor dem Vortrag, 18 Uhr eben dort. Eingeladen sind alle Interessierten zwischen 6 und 20 Jahren.
Die Vortragsreihe wird im November, Januar und Februar fortgesetzt. Sie mündet in eine vielfältige regionale Pflanzenbörse „Bäumchen wechsel dich“ am 6. März 2021, zu der heute schon interessierte Hobbygärtnerinnen und Gärtner, aber auch Fachleute eingeladen sind.
Weitere Informationen: NABU Kreisverband Ahrweiler, Andrea Brinkhoff info@nabu-aw.de, Tel. (0 26 41) 7 88 85 oder Dekanat Ahr-Eifel markus.hartmann@bistum-tier.de, Tel. (0 26 41) 91 17 072.
