Sankt Martin in Winningen
Umzug mit protestantischem Hintergrund
Winningen. Am Abend des 10. November fand auch die Winningen ein Martinsumzug statt. Die Kinder der örtlichen Kita treffen sich vorher zu einer Andacht in der evangelischen Kirche und stoßen im Anschluss auf die übrigen Teilnehmer des Umzuges am Marktplatz.
Selbstverständlich hat jedes Kinde seine selbstgebastelte (oder gekaufte) Martinsfackel (heute aus Sicherheitsgründen überwiegend mit LED-Beleuchtung) dabei.
Von dort geht es dann - hinter Sankt Martin auf seinem Pferd - unter den Klängen der Winzerkapelle Winningen durch die Strassen des Moselortes.
Unter anderem vorbei am Altenheim „Haus am Rebenhang“ - welches aus diesem Anlass jedes Jahr mit Lampions und Fackeln festlich geschmückt ist.
Zurück - am Marktplatz ankommend - verteilt die Freiwillige Feuerwehr „Martinsbrezel“ an jedes teilnehmende Kind und im Fall, dass eine ausreichende Stückzahl vorhanden ist, gelingt es auch am Schluß, dass der ein oder andere Erwachsene einen der Zuckerbrezel abstauben kann.
Die Altersabteilung der Feuerwehr entzündet dann auf dem Marktplatz - um der Tradition Willen - ein kleines Martinsfeuer für die Kinder - während sich die Erwachsenen an einem Glas Glühwein wärmen können.
Das war allerdings nicht immer so. Aus der Historie ist bekannt, das Winningen nach der Reformation eine rein protestantisch geprägte Enklave an der Untermosel war. Daraus entstand auch bezüglich des Martinumzuges ein von „den Katholischen“ abweichender Brauch.
In den Tagen vor Martin zogen die „Konfirmanten“ mit einem Wagen durch den Ort um Material für das Martinsfeuer zu sammeln. Um auf sich aufmerksam zu machen riefen sie: „Bauer, Bauer, gib uns was für`s Martinsfeuer. Holz und Stroh und was noch mehr. Wer nichts gibt, das ist ein Dotz, Dotz, Dilledotz!“ (Text ist aus der Winninger Dialektik vom Verfasser ohne Gewähr eingedeutscht).
Gespendet wurden dann überwiegend Reb- und Strohbündel, welche um einen „Mittelstamm“ herum für das Martinsfeuer aufgeschichtet wurden.
Dieses wurde dann auf dem Winninger Berg (heutiger Grünschnittsammelplatz, später auf dem „Brennplatz“, heute Gewerbegebiet) am Martinsabend vor dem Zug (kontrolliert) abgebrannt.
Im Martinsumzug gingen vorneweg die Musikkapelle, dahinter die „Konfirmanten/innen“ - selbige
durften ausschließlich Pechfackeln tragen - dann als weitere Gruppe, die „Katschemäne“, schließlich die übrigen teilnehmenden Kinder mit ihren selbstgebastelten Fackeln. Diese wurden im Anschluss von einem Gremium prämiert. (Zu dieser Zeit nahmen am Martinszug noch mehr Kinder und nicht wie heute oftmals mehr Erwachsene teil!) Während des Umzuges hörte man von den Konfirmanten den Ruf: „Konfirmanten, Konfirmanten, hoi, hoi, hoi. Katschemäne, Katschemäne, pfui, pfui, pfui!“ Zur Erklärung: Die Katechetenzeit dauerte zwei Jahre. Im ersten Jahr war man ein Katschemäne, im zweiten Jahr Konfirmant, abschließend ging man zur Konfirmation. Mit dem vorgenannten Ruf verunglimpfte man folglich die Erstklässler im Konfirmantenunterricht (so die Recherche).
In den letzten Jahren hat sich dann unter dem vordringenden Einfluss „der Katholischen“ durchgesetzt, dass ein St. Martin zu Pferd im Zug mitreitet, während ein weiteres Zurückgehen des alten Brauchtums zu beobachten ist. So wird heutzutage von den Konfirmanten kein Brennmaterial mehr gesammelt und auch kein Feuer mehr auf dem Berg entzündet.
