Allgemeine Berichte | 26.01.2023

Universität Koblenz erforscht Familiengeschichten

Der Präsident des rheinland-pfälzischen Landtags Hendrik Hering (li.),Projektleiterin Dr. Inka Engel von der Universität Koblenz und Projektverantwortlicher Peter-Erwin Jansen M.A. von der Hochschule Koblenz starten eine spannende Kooperation.  Foto: Landtag Rheinland-Pfalz / Hannah Walker

Koblenz. Der rheinland-pfälzische Landtag lässt die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus in einheimischen und migrantischen Familien in Rheinland-Pfalz durch die Universität Koblenz erforschen. Die dritte und vierte Generation nach der Ära des Nationalsozialismus steht dabei besonders im Fokus.

Laut der repräsentativen Studie „MEMO Deutschland - Multidimensionaler Erinnerungsmonitor“ aus dem Jahr 2020 im Auftrag des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung (IKG) an der Universität Bielefeld verneinen fast 68 Prozent, dass ihre Vorfahren unter den Täter*innen während der NS-Zeit waren. Über 50 Prozent der Befragten verneinen, dass Vorfahren von ihnen Mitläufer*innen waren.

„Einige Menschen möchten nichts von der Rolle ihrer Vorfahren im Nationalsozialismus wissen und haben offensichtlich einen Schutzwall des Nicht-Wissens gebildet. Ich erachte es jedoch als unsere Verantwortung, Risse in diesen Schutzwall zu bringen und Erzählungen zu hinterfragen“, erklärt Landtagspräsident Hendrik Hering. Zugleich gebe es aus den nachkommenden Generationen das Bestreben, die Spuren der Vorfahren wieder aufzunehmen. „Dies ist eine Chance, Erinnerungs- und Gedenkkultur in einer heute heterogenen Gesellschaft begreifbar zu machen und nachvollziehbar zu erhalten“, so Hering.

Vor diesem Hintergrund hat der Landtagspräsident ein etwa 15-monatiges Forschungsprojekt initiiert. In einem zweistufigen Vergabeverfahren konnte sich die Universität Koblenz, die das Projekt hauptverantwortlich und federführend durchführt, durchsetzen. Die Koblenzer Universität kooperiert dabei mit der Hochschule Koblenz und der Touro University Berlin. Prof. Dr. Claudia Quaiser-Pohl, die neue Vizepräsidentin für Forschung und Transfer der Universität Koblenz, begrüßt das Transferprojekt als wichtigen Beitrag zur Erinnerungskultur. Für die wissenschaftliche und organisatorische Durchführung ist Dr. Inka Engel von der Universität Koblenz verantwortlich. Von Seiten der Hochschule Koblenz als Kooperationspartner wird das Projekt von Peter-Erwin Jansen M. A. betreut.

Online-Fragebogen und Interviews in Familien

„Wir werden zunächst durch einen Online-Fragebogen ein Stimmungsbild zur Thematik in Rheinland-Pfalz erarbeiten und anschließend, darauf aufbauend, zehn Familien im städtischen und ländlichen Raum zu ihren Familiennarrativen interviewen. Die Forschungsergebnisse werden auf verschiedene Arten weiter genutzt. Wir setzen hier einen Schwerpunkt auf Citizen-Science und möchten beispielsweise eine Wanderausstellung zum Projektende konzipieren“, so Engel.

Citizen Science meint den aktiven Einbezug von Bürger*innen in die Prozesse des Forschungsprojektes. Auch als Bürgerwissenschaft bezeichnet, fördert Citizen Science die Partizipation und Stärkung der Zivilgesellschaft. „Heute zeigt sich ein vielschichtiger Bezugsrahmen von Erinnerungskultur und Gedächtniskonstruktionen, die einerseits aus dem zeitlichen Abstand zum Holocaust resultieren, andererseits überlagern Familiennarrative von Menschen anderer Herkünfte die Bezüge zur deutschen Vergangenheit“, so Jansen. Beide Forschende sind sich einig, dass die Erinnerung an die Menschheitsverbrechen des Nationalsozialismus ein wichtiger Bestandteil der demokratischen Gesellschaft bleiben muss.

Als wissenschaftliche Berater stehen dem Forschungsvorhaben Prof. Dr. Peter Klein und Prof. Dr. Stephan Lehnstaedt von der Touro University Berlin zur Seite. Das Projekt mit dem Hashtag weitergedenken, so betonen die beiden Professoren und ausgewiesenen Holocaust-Forscher, habe einen wichtigen Stellenwert in der Erforschung der aktuellen Holocaust-Communication.

Die Teilnahme an der Online-Befragung ist unter https://uni-ko.de/weitergedenken möglich.

Pressemitteilung der

Universität Koblenz

Der Präsident des rheinland-pfälzischen Landtags Hendrik Hering (li.),Projektleiterin Dr. Inka Engel von der Universität Koblenz und Projektverantwortlicher Peter-Erwin Jansen M.A. von der Hochschule Koblenz starten eine spannende Kooperation. Foto: Landtag Rheinland-Pfalz / Hannah Walker

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare
  • Walter Knieps: Warum erst jetzt ?!?!
  • K. Schmidt: Das "Sicherheitskonzept" überzeugt. Ein Polizeieinsatz, "geringe Anzahl" Rettungsdienst, keine Feuerwehr nötig. Im Haushaltsplan 2025 hatte Boppard 10.000 Euro für ein Sicherheitskonzept vorgesehen, in...
  • W. Harkort: Danke für diesen Kommentar. Gab es auch Einwendungen wegen seltener Ameisen? Irgendwann in naher Zukunft werden diese Leute ihre Entscheidung bereuen. Dann ist es aber zu spät.
Dauerauftrag 2026
Image Anzeige
125 Jahre Kaufhaus Moses in Bad Neuenahr
Familienfest freiwillige Feuerwehr Ringen-Bölingen am 01.05.26
Titel-Eckfeld - Bestellung Nr. 4300003863
Innovatives rund um Andernach
Innovatives rund um Andernach
125 Jahre Kaufhaus Moses in Bad Neuenahr
Empfohlene Artikel
Die „Koppelaner“ bedanken sich bei Magdalene und Ralf Ueberall, die die Kosten des Frühstücks gespendet haben.  Foto: Ralf Ueberall
20

Rheinbreitbach. Seit vielen Jahren pflegen und reinigen die „Koppelaner“ das Koppel-Plateau und die umliegenden Fußwege „Weinbergsweg“ und „Unterm Heilig“. Die „Koppelaner“, eine ehrenamtliche Gruppe von 25 rüstigen Rentnern, trafen sich Anfang April und eröffneten voller Tatendrang und bei Sonnenschein auf dem Koppel-Plateau die Pflegesaison. Es wurden fleißig die Beete neu bepflanzt und alles herausgeputzt.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Symbolbild.
48

Astrologische Vorschau für die KW 19: Gesundheit, Liebe und Erfolg im Fokus bei den Sternzeichen

Sterne im Blick: Horoskop für die Woche 4. bis 10. Mai 2026

Die zweite Maiwoche bringt spürbar mehr Licht, mildere Abende und eine zunehmende Dynamik im Alltag. Mit dem Übergang in die wärmere Jahreszeit verschieben sich Prioritäten: Außenaktivitäten gewinnen an Bedeutung, Beziehungen werden intensiver beleuchtet und berufliche Entwicklungen nehmen Fahrt auf. Gleichzeitig zeigen sich bei einigen Sternzeichen auch Spannungen zwischen Aufbruchsstimmung und innerer Unruhe.

Weiterlesen

Symbolbild.
294

Diez. Die Feuerwehren aus Diez, Altendiez und Heistenbach löschten den Brand zügig. Entgegen der ersten Meldungen kam es nicht zu einem Vollbrand des Mehrfamilienhauses oder einer einzelnen Wohnung. Das Feuer brach auf einem Balkon im Erdgeschoss aus, griff jedoch nicht direkt auf die Wohnung über.

Weiterlesen

Ralf Schweiss
Imageanzeige
Dauerauftrag 2026
Gesundheit im Blick
Maifest in Gönnersdorf
Maifest in Dedenbach
Handwerker im Außendienst
Save the Dates
Maifest Gönnersdorf
Erzieher
125 Jahre Kaufhaus Moses in Bad Neuenahr
125 Jahre Kaufhaus Moses in Bad Neuenahr
SB Wahlen
100 Jahre Eifelverein Dernau