Allgemeine Berichte | 11.07.2019

In Koblenz arbeiten über 8000 Vollzeitbeschäftigte im Niedriglohnsektor

Urlaub Zuhause ist nicht immer eine freie Wahl

Koblenz. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt ist statistisch betrachtet nach wie vor gut. Doch die Statistik hat einen Schönheitsfehler, denn Deutschland hat einen der größten Niedriglohnsektoren in Europa. Laut einer DIW-Studie sind inzwischen – unter Berücksichtigung der Teilzeit und Nebenjobs – bundesweit mehr als 9 Millionen Menschen davon betroffen. Der Bruttolohn von 10,80 Euro ist die nach internationalen Standards in Deutschland geltende Grenze für Niedriglohn.

„Bei einem so geringen Einkommen muss jeder Euro umgedreht werden. Für Urlaub ist das Geld dann oft zu knapp. Vollzeit arbeiten gehen und trotzdem zu wenig Geld zum Leben – das ist ein Skandal“, so Sebastian Hebeisen vom DGB Koblenz.

In ganz Rheinland-Pfalz waren 2017 im Jahresdurchschnitt 146.885 Menschen in Vollzeit beschäftigt zu Stundenlöhnen von weniger als 10,80 Euro. In der Stadt Koblenz arbeiten etwas mehr als 8000 Menschen in Vollzeit im Niedriglohnsektor. Das entspricht 16,9 Prozent aller Vollzeitbeschäftigten.

Besonders hoch ist in Koblenz dabei der Anteil bei Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern ohne Berufsabschluss (45,4 Prozent), bei Frauen (21,5 Prozent) und bei Menschen, die nicht die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen, (45,3 Prozent), wie die beigefügte Grafik zeigt.

Der Gegensatz von extremem Reichtum von Wenigen, deren Einkommen immer weiter steigt und Millionen von Menschen, die trotz Arbeit keine Chance auf ordentliche Entlohnung haben, muss viel wirksamer bekämpft werden. Niedriglöhne schüren soziale Ängste und Unsicherheiten und verhindern eine fundierte Daseinsvorsorge für das Rentenalter.

Zentraler Punkt ist die Stärkung der Tarifbindung, denn immer mehr Arbeitgeber sind ohne Tarifvertrag – auch durch so genannte Mitgliedschaften ohne Tarifbindung – in den Arbeitgeberverbänden.

Stärkung heißt vor allem Erleichterung von Erklärungen zur Allgemeinverbindlichkeit, Verbesserung der Nachwirkung von Tarifverträgen, sowie Einführung von umfassenden Tariftreueregelungen im Rahmen der öffentlichen Auftragsvergabe.

Zugleich muss die Erklärung der Allgemeinverbindlichkeit von Tarifverträgen erleichtert werden. Denn gerade in den Branchen, die Niedriglöhne zahlen, ist die Tarifbindung extrem gering, wie z.B. in der Gastronomie. Außerdem muss der gesetzliche Mindestlohn perspektivisch auf ein existenzsicherndes Niveau angehoben werden.

Notwendig ist auch ein deutlich verbessertes Anreiz- und Unterstützungssystem, welches Geringqualifizierten hilft, einen beruflichen Abschluss zu erwerben. Denn zu oft gehen niedrige Löhne einher mit niedriger Qualifikation.

Daher fordert Hebeisen alle handelnden Akteure, aber vor allem die Arbeitgeber dazu auf, Geringqualifizierten Weiterbildungsmöglichkeiten anzubieten, um ihnen damit den beruflichen Aufstieg und eine anständige Entlohnung zu ermöglichen. Zugleich kommt es darauf an, auch die berufsbezogene Sprachförderung für Menschen mit Migrationshintergrund als Voraussetzung für eine spätere abschlussorientierte Qualifizierung noch stärker zu forcieren.

Pressemitteilung

DGB Region Koblenz

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