Allgemeine Berichte | 20.11.2017

Eindeutiges „Ja“ zur Glasfaser als bester Leitung

VG Montabaur gibt Gas auf der Autobahn ins Internet

Informationsveranstaltung für die Orte der Verbandsgemeinde – VGM-Net war 2012 Vorreiter beim Ausbau

Stefan Heibel von der VG-Net Montabaur erklärte, wie seine kommunale Gesellschaft das Internet in die Dörfer gebracht hat. KER

Montabaur. Bürgermeister Edmund Schaaf hat den Eindruck, dass alle das schnelle Internet fordern, aber kaum jemand bereit ist, dafür zu bezahlen. Mit dieser These eröffnete er eine Informationsveranstaltung im Rathaus, in der die Orte in der Verbandsgemeinde informiert werden sollten, welche Datenautobahn die schnellste ist. „Digitalisierung nur mit Glasfaser?“ stand als Frage in der Einladung zu der nicht öffentlichen Veranstaltung. Die Antwort der Experten im Podium war klar: ja!

Redner an dem Abend waren neben Bürgermeister Schaaf der Chef der kommunalen Netzgesellschaft VGM-Net Stefan Heibel, der heimische CDU-Bundestagsabgeordnete Dr. Andreas Nick, Bernd Gowitzke, Geschäftsführer der Kevag Telekom GmbH, und Dr. Stephan Albers, Geschäftsführer des Breitbandunternehmen-Branchenverbands Breko.

Edmund Schaaf hatte gesagt, die Verbandsgemeinde Montabaur habe das schnelle Internet für viel Geld auf eigene Kosten ausgebaut. Jetzt täten andere Kommunen das Gleiche mit kräftiger Unterstützung aus Berlin. Und: Viele Unternehmen würden das so dringlich geforderte schnelle – und teurere – Internet nur zögerlich nutzen. Der Bürgermeister stelle als Folgerung die etwas ketzerische Frage: Haben wir in Montabaur richtig gehandelt? Auch hierauf gaben ihm die anwesenden Experten eine eindeutige Antwort: ja!

So wurde Montabaur zum Speed-Surfer

2012 hatten die politischen Entscheidungsträger in der Verbandsgemeinde Montabaur das kommunale Unternehmen VGM-Net gegründet, eine sogenannte „Anstalt des öffentlichen Rechts“. Der vorgegebene Unternehmenszweck war und ist immer noch: Breitbandversorgung der Verbandsgemeinde Montabaur.

VGM-Net-Chef Stefan Heibel fasste die Geschichte des Unternehmens so zusammen: 2007 erfolgte der Einstieg in das Thema Breitbandversorgung. 2008 waren vier Gemeinden der Verbandsgemeinde Montabaur mit mehr als 1 Mbit/s Internetgeschwindigkeit versorgt, neun Gemeinden waren vollständig unversorgt. 2009 wurde mit der Kevag Telekom ein Funknetz mit einer Bandbreite von 3 Mbit installiert. 2012 wurde von der Verbandsgemeinde die VGM-Net als Anstalt des öffentlichen Rechts gegründet. 2013 schaltet sich die Telekom in den Wettbewerb gegen die Kevag Telekom ein. 2014 begann der Netzausbau, es wurde im November vollständig in Betrieb genommen, 36 Kilometer Strecke. Ende 2014 erreichte die VG Montabaur bereits flächendeckend die 50 Mbit-Marke, das Ziel, das die Bundesregierung bis 2018 erreichen will. Mittlerweile erschließt die VGM-Net Neubaugebiete nur noch mit hochleistungsfähigen Glasfasernetzen. Baumaßnahmen werden mit den Werken (Wasser, Straßen) abgesprochen. Ende 2014 gab es 214 Kunden der VGM-Net, Ende 2017 sind es 2.350, das sind 40 Prozent aller Haushalte. Das Ziel ist ein Netzausbau komplett mit Glasfaser.

Bereit für die Zukunft

Der Bundestagsabgeordnete Dr. Nick beleuchte die Internetsituation in Deutschland. Der Bund habe 4,4 Milliarden Euro in den Ausbau des Glasfasernetzes gesteckt. Förderungen von 3 Milliarden Euro hätten Investitionen von 7 Milliarden Euro ausgelöst. Auch Dr. Nick hat die Erfahrung gemacht, dass höhere Bandbreiten von den Anwendern zum Teil noch gar nicht genutzt werden. Das hänge aber auch mit den für mehr Leistung zu zahlenden höheren Preisen zusammen. Die technologische Entwicklung sei schneller, als die politischen Entscheidungen hinterherkommen könnten. Es gebe Prognosen, dass innerhalb der nächsten Jahre 8,3 Gegenstände pro Haushalt mit dem Internet verbunden sein werden (Auto, Fernseher, Kühlschrank, Waschmaschine, ...). Ein großes Thema sei auch der Datenschutz in Verbindung mit den Dateninteressen der Wirtschaft und der Datensicherheit der öffentlichen Sicherheitssysteme. Möglichst alle Verwaltungsdienstleistungen sollten in absehbarer Zeit online erledigt werden können. Nötig sei in allen Bereichen des Internet-Netzausbaus Wettbewerb. Nick sagt: Die VG Montabaur hat nichts falsch gemacht, dass sie sich frühzeitig selbst um einen Ausbau des Glasfasernetzes gekümmert hat.

Der Geschäftsführer des Bundesverbands Breitbandkommunikation, Dr. Albers sagte: „Glasfaser ist die Existenzgrundlage der ländlichen Regionen und es geht kein Weg daran vorbei!“ Täglich würden 8,8 Milliarden Youtube-Videos angesehen, es liefen täglich 4,2 Milliarden Google-Suchen, der Internetverkehr beanspruche jeden Tag eine Datengröße von 2,3 Milliarden Gigabite, 207 Milliarden E-Mails würden gesendet. Albers zitierte eine Umfrage unter Fünftklässlern. Sie sind der Meinung: „Heimat ist für mich dort... wo ich W-Lan habe!“

Der Branchenrepräsentant sprach sich engagiert für die weitere Konzentration auf den Ausbau des Glasfasernetzes aus. Glasfaser werde auch für die Kommunikation im Mobilfunk an Bedeutung gewinnen.

Investitionen in die Infrastruktur

Bürgermeist Schaaf sagte, die Verbandsgemeinde Montabaur habe 3,2 Millionen Euro in das Netz von VGM-Net und Kevag Telekom investiert. Die Pachtzahlungen der Kevag Telekom reichten nicht zur Finanzierung der Investition.

Kevag Telekom-Geschäftsführer Bernd Gowitzke ist stolz, dass man in kurzer Zeit schon 40 Prozent der Haushalte mit schnellem Internet versorgt hat. Auch Gowitzke ist überzeugt von Glasfaser. Glasfaser sei „die einzige leistungsfähige und zukunftsfähige Leitung für das Internet zum Haus“. Er zeigte, wie der Anschluss ans Haus funktioniert, nämlich im günstigsten Fall mit einer „Erdrakete“ von der Straße zum Haus, gebohrt werden nur zwei Löcher, eins an der Straße und eins ans Haus. Im Haus überträgt ein kabelverbundener Router die Signale des Glasfaserkabels an die Endgeräte. Zum Anschluss des Satellitenfernsehens ist ebenfalls ein Kabel durchs Haus zu verlegen.

Einige anwesende Vertreter der Orte in der Verbandsgemeinde Montabaur stellten Fragen. Grundsätzlich schien niemand daran zu zweifeln, dass Glasfaser der richtige Weg ins Internet ist.

Im Sitzungssaal der Verbandsgemeindeverwaltung informierten sich Vertreter der Ortschaften über die Situation bei der Internetversorgung.

Im Sitzungssaal der Verbandsgemeindeverwaltung informierten sich Vertreter der Ortschaften über die Situation bei der Internetversorgung.

Stefan Heibel von der VG-Net Montabaur erklärte, wie seine kommunale Gesellschaft das Internet in die Dörfer gebracht hat. Fotos: KER

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