Dreikönigstreffen des Kreisbauern- und Winzerverbandes Ahrweiler
Vertrauen der Bürger in die heimische Landwirtschaft unbedingt zurückgewinnen
„Bauer Willi“ rüttelte in seinem Vortrag die Landwirte aus der Region kräftig auf - „Fakten interessieren nicht, das Gefühl ist entscheidend“
Dernau. Das Vertrauen der Bürger und der Verbraucher unbedingt zurückgewinnen muss die heimische Landwirtschaft, das machte Festredner Dr. Willi Schillings alias „Bauer Willi“ beim Dreikönigstreffen des Kreisbauern- und Winzerverbandes Ahrweiler im „Culinarium“ der Weinmanufaktur Dagernova in Dernau deutlich. Der promovierte Landwirt hatte mit einem geharnischten „Brief an den Verbraucher“ im vergangenen Jahr bundesweit für Aufsehen gesorgt und es als Fürsprecher einer zeitgemäßen Landwirtschaft bis in die Talkshow von Günther Jauch gebracht. In einem über einstündigen Vortrag rüttelte er die Landwirte von Ahr, Rhein und Eifel kräftig auf und mahnte eine wesentlich bessere Kommunikation nicht nur des Bauernverbandes insgesamt, sondern auch all seiner Mitglieder an.
Eigentlich müsse heutzutage jeder Landwirt eine eigene Facebook-Seite betreiben oder eine Homepage im Internet pflegen, war „Bauer Willi“ überzeugt. Denn bei seinen Standesgenossen hatte er erhebliche kommunikative Defizite festgestellt ausgerechnet in einer Zeit, in der die Landwirtschaft immer stärker in der Kritik stehe. Er empfahl auch Rhetorik-Kurse für den Nachwuchs, um in einer zunehmend emotionalisierten Diskussion bestehen zu können. Zumal er mit Kritikern die Erfahrung gemacht habe: „Fakten interessieren nicht, das Gefühl ist entscheidend.“
"Wenn Bio stinkt, ist es auch nicht recht"
So habe es auch nichts mit Fakten zu tun, dass das Vertrauen der Bürger in die Landwirtschaft verloren gehe. Dabei genieße der Bauer selbst ein hohes Ansehen - aber nicht das, was er tut. Diese Schizophrenie mache sich auch andernorts bemerkbar: Der Mensch habe als Bürger höchste Ansprüche an Umwelt-, Tier- und Naturschutz - als Konsument wolle er aber billig einkaufen. Und wenn „Bio“ dann auch noch stinke, weil man anstatt mit Chemie mit Gülle dünge, sei es ebenfalls nicht recht.
Schillings fasste zusammen: „Wir sind die Guten und produzieren Lebensmittel für bald zehn Milliarden Menschen - aber keiner versteht uns und jeder kritisiert nur an uns herum.“ Er fand es nicht einmal unwahrscheinlich, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel - ähnlich wie bei der Atomenergie - ein kurzfristiges Ausstiegsszenario aus der konventionellen Landwirtschaft verordne, wenn die Kritik weiter an Fahrt gewinne und die Anzahl der Veganer und Vegetarier weiter ansteige.
Der Landwirt von heute hat viele Themen zu beackern
Zuvor hatte Franz-Josef Schäfer, der Vorsitzende des Kreisbauern- und Winzerverbandes, schon festgestellt, dass der Landwirt von heute viele Themen zu beackern habe. So hätten am Rande der Grünen Woche in Berlin verschiedene Organisationen zu einer Demonstration gegen die moderne Landwirtschaft unter dem Motto „Wir haben es satt“ aufgerufen. Anscheinend seien viele einfach zu satt und angesichts überquellender Regale und billiger Lebensmittel im Supermarkt nicht mehr in der Lage, die Arbeit der Produzenten richtig einzuordnen und gebührend zu schätzen. „Wir müssen denen sagen: Wir machen Euch satt!“, rief Schäfer unter dem Beifall der knapp 200 Verbandsmitglieder und Ehrengäste aus Politik und Wirtschaft. Vielleicht seien leere Lebensmittelregale für ein paar Tage einmal ganz lehrreich. „Mittlerweile haben wir die Kriminalisierung, Stigmatisierung und Verunglimpfung unseres Berufsstandes richtig satt“, so Schäfer. Und angesichts einer zunehmenden Monopolisierung des Lebensmitteleinzelhandels, Stichwort Fusion von Edeka und Tengelmann, sei das Ende des bäuerlichen Familienbetriebes ohnehin absehbar.
Horst Gies (CDU), der Erste Kreisbeigeordnete und frühere Geschäftsführer des Kreisbauern- und Winzerverbandes, machte in seinem Grußwort klar, dass ein konstruktives Miteinander von Kreisverwaltung und Verband nötig sei, wenn man die Zukunftschancen der Region effektiv und erfolgreich nutzen wolle. Der Kreis unterstütze gerne die Arbeit des Verbandes, so würden auch in diesem Jahr wieder 25.000 Euro für unterschiedliche Maßnahmen und Projekte zur Unterstützung der Landwirtschaft und des Weinbaus bereitgestellt. Gies nannte als Beispiel den Arbeitskreis „Obstbau“ zur Bekämpfung der Kirschessig-Fliege, die Aufbaugemeinschaft Ahrtal zum Erhalt der einzigartigen Kulturlandschaft sowie die Nachwuchsarbeit in der Landjugendgruppe.
Liquidität der hiesigen Betriebe verbessert
Die verschiedenen Prämien aus der EU-Agrarförderung, meist zwischen 250 und 300 Euro pro Hektar, seien inzwischen auch ausgezahlt. Die Subventionen verbesserten die Liquidität der hiesigen Betriebe und trügen zur Stabilisierung der landwirtschaftlichen Einkommen bei. „Mit diesem Geld werden die vielfältigen Leistungen, die die Landwirte für den Tier- und Verbraucherschutz sowie in der Pflege der Kulturlandschaften erbringen, honoriert“, wusste der Landtagsabgeordnete. Allerdings seien die von der EU vorgegebenen Antragsverfahren mit einem enormen Arbeitsaufwand verbunden.
Auch beim bevorstehenden Jubiläum anlässlich des 200-jährigen Bestehens des Kreises Ahrweiler vom 20. bis 22. Mai sei der Bauern- und Winzerverband mit von der Partie. Zusammen mit vielen anderen Vereinen, Organisationen und Firmen präsentiere der Verband die heimische Landwirtschaft im Rahmen der geplanten „AW-Erlebnismeile“ entlang der Ahr, darüber hinaus gebe es gleich zwei Jubiläumsweine zu diesem besonderen Anlass. „Was wäre der Kreis Ahrweiler ohne seine Landwirte und Winzer!“, schmunzelte Gies.
„Bauer Willi“ mahnte eine wesentlich bessere Kommunikation der Landwirte an, um das Vertrauen der Verbraucher dauerhaft zurückzugewinnen.
