Allgemeine Berichte | 24.09.2019

Jubiläumsveranstaltung zum 20-jährigen Bestehen des Seniorenbeirats

Vom Kropf zum Erfolgsmodell

Festakt mit Musik und prominenten Gästen füllte die Linzer Stadthalle

Beim Podiumsgespräch wurden verschiedenste Aspekte des Lebens von und mit älteren Menschen erörtert. Fotos:KBL

Linz. Das 20-jährige Bestehen des Linzer Seniorenbeirats wurde im Rahmen einer Jubiläumsveranstaltung in der Linzer Stadthalle gebührend gefeiert. Als einer der ältesten Seniorenbeiräte Rheinland-Pfalz`, der zugleich einige der innovativsten Ansätze und Ideen bundesweit entwickelt hat, stellt der Seniorenbeirat der Verbandsgemeinde Linz von seinen Anfängen bis in die heutige Zeit eine Besonderheit dar. Entsprechend hochkarätig fiel das Programm der Festveranstaltung aus – und selbstverständlich auch die Gäste, unter denen sich Erwin Rüddel, MdB, und die Landtagsabgeordnete Ellen Demuth befanden.

Nach einer musikalischen Eröffnung am Flügel durch den Besitzer der Musikschule Fuchs, Johannes Fuchs, mit stimmungsvollen Klavierstücken gab sich als erster Festredner Verbandsgemeindebürgermeister Hans-Günter Fischer die Ehre. In einer engagierten und humorvollen Rede umriss Hans-Günter Fischer, der zugleich auch – eine weitere Besonderheit des Seniorenbeirats der VG Linz – Vorsitzender des Seniorenbeirats ist, die Entstehungsgeschichte und Leistungen dieses Gremiums in den vergangenen zwei Jahrzehnten. Entstanden ist es als Reaktion auf einen kritischen Brief des Linzer Bürgers Jochen Schulz, indem er u. a. den Verlust des sozialen Kitts der Gemeinde beklagte, die fehlende Zusammenarbeit der Parteien, den Niedergang der Kneipen- und Vereinskultur – kurzum, in dem er seinem Unmut und seiner Sorge Luft machte, dass auch diese Gemeinde immer kälter und einsamer wurde. „Mein Vorgänger rief dann den Seniorenbeirat als vielfältig einsetzbares Instrument gegen diese Entwicklung ins Leben,“ berichtete Hans-Günter Fischer, „Wie gut und kreativ die Ideen aus Linz sind, merkt man schon allein daran, dass viele der hier entstandenen Projekte auch von anderen Kommunen übernommen werden. Erst kürzlich beispielsweise hatten wir einen Anruf aus Berlin-Neukölln mit der Frage, wie denn unsere Erfahrungen mit der vermutlich bundesweit einmaligen Linzer „Kümmerin“ Waltraud Schmaus seien. Mit der „Kümmerin“ hat man in Linz eine Ansprechpartnerin für alle Belange und Probleme älterer Menschen geschaffen, die im direkten Kontakt unbürokratisch Hilfen und Lösungen organisiert. Offenbar denkt man dort darüber nach, diese Idee zu adaptieren.“

Der Höhepunkt des Festaktes war zweifelsohne die Festrede des Bundesministers a. D. Franz Müntefering. Mit fast 80 Jahren stellte Vorsitzende der BAGSO (Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen) scheinbar mühelos sein Talent als Redner unter Beweis – und damit gleichzeitig, wie aktiv und präsent „die Senioren“ im Jahr 2019 noch sind. Mit viel Humor und Biss fesselte der 79-jährige sein Publikum mit Fragen wie: „Wann ist man eigentlich alt?“ oder dem BAGSO-Motto „Wie wollen wir leben – und was wollen wir dafür tun?“. Er betonte, wie ungemein wichtig es ist, auf die Kommunikation zwischen den Generationen zu achten, um miteinander im Kontakt zu bleiben: „Ich habe nicht Recht, weil ich fast 80 bin. Und ein 19-jähriger nicht Unrecht, nur weil er 60 Jahre jünger ist. Die Vernünftigen jeder Generation müssen miteinander reden. Sie müssen zusammenarbeiten und verhindern, dass die Bekloppten nicht gewinnen.“ Die deutlichen Worte des früheren Vizekanzlers beeindruckten viele Zuhörer, mit Verve und Nachdruck machte er noch einmal sein Anliegen deutlich: „Es geht hier nicht um „wir gegen die“ – wir möchten eine gerechte Verteilung der Anteile. Und wir haben auch eine Aufgabe: wir müssen für unsere Kinder und Enkel sorgen – damit das mit unserem Planeten hier gut weiter läuft.“ Doch der Bundesminister a. D. scheute sich auch nicht, klar zu sagen, wie schlecht es um viele Angehörige der älteren Generation bestellt ist. Wie schwierig es sein kann, als alter Mensch in einer Gesellschaft zu leben, in der der direkte Kontakt zwischen den Einzelnen immer mehr abnimmt. Wie still es um einen Menschen wird, nachdem die eigenen Kinder aus dem Haus sind und meist in einer anderen Stadt, der Ehepartner verstorben. Eindringlich schilderte er die Einsamkeit: „Die implodieren, diese Menschen. Sie haben niemanden zum Reden.“ Umso deutlicher wurde den Zuhörern die Notwendigkeit einer Institution wie dem Seniorenbeirat – um diesen Menschen eine Stimme zu geben, eine Anlaufstelle und Interessenvertretung.

Nach seiner beeindruckenden Rede fand der BAGSO-Vorsitzende sogar noch die Zeit, sich dem darauf folgenden Podiumsgespräch anzuschließen. Gemeinsam mit Verbandsgemeindebürgermeister Hans-Günter Fischer, der VG-„Kümmerin“ Waltraud Schmaus und Helmut Muthers vom Bundesverband der Initiative 50plus wurden unter dem Titel „Demografischer Wandel – wir tun was!“ verschiedenste Aspekte des Lebens von und mit älteren Menschen in lockerer Runde erörtert und es entspann sich eine lebhafte Unterhaltung.

Mit einer weiteren musikalischen Einlage von Johannes Fuchs und einem gemeinsamen Imbiss schloss die Veranstaltung anlässlich des 20-jährigen Bestehens des Linzer Seniorenbeirats. Viele der Anwesenden Gäste blieben nach den inspirierenden Rede im angeregten Gespräch noch eine ganze Weile beisammen sitzen, bevor sich die Gesellschaft langsam auflöste.

Auch das Lachen kam in der Rede von Franz Müntefering nicht zu kurz.

Auch das Lachen kam in der Rede von Franz Müntefering nicht zu kurz.

VG Bürgermeister Hans-Günter Fischer hielt die Eröffnungsrede.

VG Bürgermeister Hans-Günter Fischer hielt die Eröffnungsrede.

Beim Podiumsgespräch wurden verschiedenste Aspekte des Lebens von und mit älteren Menschen erörtert. Fotos:KBL

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare
  • Bertram: Das ist mittlerweile der 4. Bus der von dieser Marke vollkommen ausbrennt. Des Weiteren berichte die Rhein Zeitung darüber, dass der VREM 37. Busse der ersten Generation vorsichtshalber außer betrieb...
  • Fabian F: Nichts Neues gefühlt ein Bus pro Woche
  • Sandra Sattler: Der Zustand der L330 zwischen. Nassau und Zimmerschied ist eine absolute Katastrophe- und das nicht erst seit gestern! Wir sind wohnhaft in Hömberg und werden seit vielen Jahren mit diversen Ausreden vom LBM vertröstet.
  • Janek: Wer die Strecke kennt, kann sich den Grund bereits denken … Der Straßenzustand ist dort so schlecht, dass er besonders für Motorradfahrer ein ernstzunehmendes Sicherheitsrisiko darstellt. Dem verunglückten...
  • Siegfried Kowallek: Verwunderlich ist weiterhin, dass die SPD der Neuwieder CDU vorhält, gegen den Unvereinbarkeitsbeschluss der Christdemokraten in Bund und Land im Hinblick auf die Partei Die Linke zu verstoßen. In insgesamt...
  • Siegfried Kowallek: Die Nennung von BSW und der Partei Die Linke im selben Kontext ist sachlich nicht gerechtfertigt und damit unredlich. Prominentester linker Befürworter deutscher Waffenlieferungen an die Ukraine ist Bodo...
Wir helfen im Trauerfall
Titelanzeige
Koblenzer Kneipengeschichten
Sonderseite 02 -Wohnträume NR
Wohnträume
Wohnträume - Wohnen & Garten im Blick
Sachbearbeiter/in (w/m/d)
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0220#
Anzeige Beratertage Schlafexperte
Rückseite
Empfohlene Artikel
Symbolbild.  Foto: pixabay.com
58

Region. Auch in unserer Region gibt es sie: die stillen Stars des Alltags. Menschen, die anpacken, helfen, Verantwortung übernehmen oder einfach für andere da sind. Ob Feuerwehrmann, engagierte Ortsbürgermeisterin, unermüdliche Nachbarschaftshelfer oder die gute Seele im Sportverein – sie alle sind Heimathelden! BLICK aktuell möchte diesen Menschen eine Bühne geben und der Öffentlichkeit vorstellen – in einer neuen Serie in unserer Zeitung.

Weiterlesen

Symbolbild.  Foto: pixabay.com
35

Region. Wir von BLICK aktuell möchten wissen, wo in eurer Heimatstadt oder Kommune der Schuh drückt! Aus diesem Grund haben wir die neue Serie „HeimatCheck“ ins Leben gerufen. Ob kleine Ärgernisse oder große Probleme: Schreibt uns, was euch bewegt, und wir berichten für euch! Handlungsbedarf gibt es eigentlich immer, sei es bei:

Weiterlesen

Weitere Artikel
Symbolbild. Foto: ROB
108

Jugendliche um drei Uhr nachts von Polizei angehalten

11.04.: Bad Ems: 15- und 13-Jähriger unternehmen nächtliche Spritztour mit Auto

Bad Ems. In den frühen Morgenstunden des 11.04.2026, gegen 03:00 Uhr, wurde durch eine Streifenwagenbesatzung nach einem Hinweis von Zeugen ein Pkw im Stadtgebiet Bad Ems, im Bereich der Straße Am Weißen Stein, kontrolliert. Hierbei wurde festgestellt, dass der Fahrzeugführer erst 15 Jahre alt und demnach nicht im Besitz der erforderlichen Fahrerlaubnis war. Sein Beifahrer war nochmals zwei Jahre jünger.

Weiterlesen

Imageanzeige
Imageanzeige
Hausmeister, bis auf Widerruf
Jörg Schweiss
Wir helfen im Trauerfall
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0220#
Sonderseite 02 -Wohnträume NR
Veranstaltung 15.April
Wohnträume
Staplerfahrer (m/w/d)
Wir helfen im Trauerfall
Blütenfest
Stellenausschreibung Hausmeister/in
130 Jahre freiwillige Feuerwehr Bad Neuenahr und Tag der offenen Tür, 19.04.26
130 Jahre freiwillige Feuerwehr Bad Neuenahr und Tag der offenen Tür, 19.04.26